„Macht hoch die Tür“ – 19. Türchen

Der Kathnews-Adventskalender 2020.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 19. Dezember 2020 um 10:18 Uhr
Weihnachtsgeschenke

Der dritte und letzte der Quatembertage ist der Samstag. Nach den Stationskirchen Santa Maria Maggiore und der Basilika der Zwölf heiligen Apostel zelebrierten die Päpste die Liturgie heute beim Grab des Apostelfürsten, in dessen Amtsnachfolge sie stehen, in der Peterskirche.

Der Quatembersamstag ist Abschluss und Höhepunkt der Adventsquatember. Dies zeigt sich da am deutlichsten, wo er in einer Bischofskirche gefeiert werden kann und die Tonsur zu erteilen ist und wenn zu jeder der einzelnen Weihestufen des Ordosakramentes bis zur Priesterweihe einschließlich Kandidaten zu ordinieren sind.

Denn dann entfaltet die heutige Quatemberliturgie ihre Vollform, in die die Erteilung von Tonsur und Weihe in den Messritus gleichsam interpoliert ist. Nach dem Kyrie erfolgt die Tonsur, dann, je eigens eingeschoben, die Niederen und Höheren Weihen, zuletzt zwischen dem Tractus und dem Evangelium der Messe die Priesterweihe. In ihrer heutigen Gestalt umfasst diese Liturgie insgesamt sechs Orationen mit zugehöriger Lesung und Graduale, nach der fünften, nach der die Subdiakone ihre Weihe empfangen, zusätzlich als Hymnus den Lobgesang der Drei Jünglinge, Dan 3, 52-56.

Man kann sich leicht vorstellen, wie ausführlich diese Liturgie ist. Ursprünglich hatte sie zudem sogar zwölf oder selbst vierundzwanzig Lesungen, die doppelt liturgiesprachig, sowohl in griechischer Sprache als auch auf Latein, vorgetragen wurden. Außerdem war die Teilnahme daran für die Gläubigen im Ursprung dieses Gottesdienstes verpflichtend. Die Liturgie erstreckte sich vom Samstagabend, die ganze Nacht hindurch, bis in die Morgenstunden des Sonntags, in denen dann das eucharistische Opfer vollzogen wurde. Deshalb gab es in dieser Zeit weder ein eigenes Messformular noch eine eigene Sonntagseucharistie am Vierten Advent.

Die Spendung der Tonsur und idealerweise aller Rangstufen des Weihesakramentes bis hin zur Priesterweihe gibt dem Quatembersamstag einen besonderen Akzent auf der Bitte um Berufungen und auf dem Gebet für die Weihekandidaten. Kurz vor Weihnachten schreiben Kinder ihre Wunschzettel. Der Wunsch der Kirche, der sich in ihrer Liturgie ausdrückt, sind Berufungen – der Herr schenkt ihr heute neue geistliche Amtsträger. Beten auch wir heute um und für unsere Priester.

Wenn wir die jahrhundertealte Praxis der liturgischen Überlieferung wiederum zum Maßstab nehmen und uns nicht bloß auf den sehr transitorischen Charakter der liturgischen Bücher von 1962 beziehen, die gesamtkirchlich maximal fünf Jahre unbeschränkt in Kraft waren, so wäre in diesem Jahr, in dem der Vierte Advent auf den 20. Dezember fällt, der heutige Quatembertag zugleich die vorverlegte Vigil des Festes des heiligen Apostels Thomas.

Die Drei Jünglinge im Feuerofen, Ananias, Azarias und Misael, sie sind ein Vorbild der Auferstehung Christi, an der Thomas zuerst zweifelte und zu deren handgreiflichem Zeugen er dann wurde. Ihr Lobgesang ertönt in der heutigen Quatemberliturgie. Man hätte indessen vor der Rubrikenreform von 1960 auch die Vigilmesse feiern können. Der Quatembersamstag wäre in diesem Falle an zweiter Stelle, die Allerseligste Jungfrau mit einer dritten, adventlichen Marienoration kommemoriert worden.

Das Schlussevangelium wäre dann anstelle des Johannesprologs aus der Vigilmesse der heiligen Apostel zu nehmen gewesen, Joh 15, 12-16, und es hätte bekräftigt, dass einerseits der Herr es ist, der beruft und erwählt, dass andererseits der Vater uns alles gibt, um was wir in Christi Namen bitten: Schenke uns Priester, schenke uns heilige Priester, schenke uns viele, heilige Priester!

Die heutige O-Antiphon O radix Iesse übertrug Anselm Schott (1843-1896) wie folgt: „O Wurzel Jesse, Jesu Christ, * Ein Zeichen aller Welt du bist, * Der Fürsten und der Völker Heil, * Ach säume nicht, ach komm in Eil‘!“[1]

[1] Schott, A., Vesperbuch (Vesperale Romanum), lateinisch und deutsch, enthaltend die Vespern des Kirchenjahres, Freiburg im Breisgau u. a. 41913, S. 100.

Foto: Weihnachtsgeschenke – Bildquelle: Sigismund von Dobschütz

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