„Macht hoch die Tür“ – 14. Türchen

Der Kathnews-Adventskalender 2020.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 14. Dezember 2020 um 07:32 Uhr
Weihnachtsgeschenke

Gestern wurde in unserem Adventskalender mit der heiligen Lucia, Jungfrau und Märtyrerin, der Tagesheiligen der Vorrang gegeben, weil sie mit einem spezifischen adventlichen Brauchtum verbunden ist, das die getrennten Christen lutherischer Tradition beibehalten oder wiederentdeckt haben. In unserer Liturgie trat sie hinter dem Dritten Adventssonntag zurück. Dessen Messe wird zwar heute gleich wieder gefeiert, aber nicht wie am Sonntag selbst in rosafarbenen Paramenten, sondern wieder in violetter Farbe.

Im Vordergrund dieses Messformulars steht in Introitus und Epistel das zweifach bekräftigte Gaudete, das der heilige Paulus den Philippern zuruft, doch zur Abwechslung sollen heute Oration,  Graduale und Alleluiavers (obwohl dieser bei Wiederholung der Sonntagsmesse am Werktag entfällt) unseren heutigen Adventstag inspirieren.

Jeweils in eigener Übersetzung von Clemens Victor Oldendorf lautet zunächst die Oration: „Dein Ohr leihe, so bitten wir, Herr, unseren Gebeten, und die Finsternisse unseres Geistes erhelle durch die Gnade Deiner Heimsuchung, der Du lebst.“ Wir können also in dieser Formulierung eine weniger geläufige Begründung für die ungewöhnliche liturgische Farbe am gestrigen Sonntag finden. Das eher düstere Violett wurde durch die Gnade der Heimsuchung des Herrn, in dem wir uns freuen (vgl. den Introitus) aufgehellt und ergab so rosa.

Das Graduale lautet in seinem zweiten Teil: „Der Du Israel regierst, merke auf, der Du herausführst, gleich einem Schafe, den Joseph.“ Zwar ist hier zunächst der alttestamentliche Joseph angesprochen, doch auch sonst ist er häufig als Vorläufer und Vorbild des heiligen Joseph, des Bräutigams der Gottesmutter und Pflegevaters Jesu Christi, verstanden worden. Dies sollten wir in diesem Jahr ganz bewusst betrachten, nachdem der Heilige Vater Franziskus soeben ein besonderes Josephsjahr ausgerufen und begonnen hat.

Joseph wird herausgeführt. Lassen auch wir uns herausführen. Herausführen aus Gewohnheiten und – auch gutgemeinter, scheinbar frommer – Routine, um uns wirklich für die Ankunft des Herrn zu öffnen. Lernen wir vom heiligen Joseph geistlich zu träumen und der Weisung des Herrn zu folgen. Diese Bereitschaft bedeutet, dass ein offener Geist der Erwartung nicht meint, dass Gott alle unsere Pläne oder Erwartungen bestätigen müsste, sondern uns auch überraschen darf.

So überrascht uns womöglich im Alleluiaruf, dass wir nicht nur vorausblicken auf das vor uns liegende Weihnachtsfest, also von Vorfreude bestimmt, sondern auch zurückverwiesen werden auf die Oration des Ersten Adventssonntages, deren Formulierung Erwecke Deine Macht und komm Ps 79, 3 entspricht, der gestern den Alleluiavers gebildet hat. In derartigen Bezügen und Verweisen erkennt man, wenn man dafür aufmerksam ist, anschaulich die Komposition und Harmonie der Liturgie allgemein oder hier insbesondere der Adventsliturgie.

In dieser Adventswoche empfängt er am Mittwoch, Freitag und Samstag ein zusätzlich eigenes Gepräge durch die Quatembertage im Advent. Die gestrige Entspannung der Gaudetefreude mag man als ein nochmaliges Kraftschöpfen verstehen vor den wiederum intensivierten Entbehrungen  der Quatembertage und ihres Bußakzents.

Die älteren Regeln für die liturgischen Kommemorationen waren auf ihre Art ebenfalls ein Mittel, die liturgische Verbundenheit oder Verwobenheit der einzelnen Feste und Tage miteinander aufzuzeigen und gleichzeitig ihre Rangordnung abzubilden: So hätte vor der Rubrikenreform von 1960 gestern die heilige Lucia durchaus als zweite Oration, Sekret und Postcommunio Erwähnung gefunden, an dritter Stelle die Oktav von der Unbefleckten Empfängnis. In den (freilich nicht im Wege der Kommemoration zitierten) Propriumsteilen Introitus und Graduale aus der Messe der heiligen Lucia wäre übrigens mit dem oleum laetitiae auch eine Variation der gestrigen Freudenthematik des Gaudetesonntags indirekt präsent gewesen, ebenso in ihrem Offertorium, in dem von laetitia und von exsultatio die Rede ist.

Heute würde nach den früheren Bestimmungen vor 1960 wie bereits am 9. Dezember wieder das Formular vom 8. Dezember genommen werden, in dessen Oktav wir noch stünden, der gestrige Sonntag würde an zweiter Stelle kommemoriert, an dritter Stelle die Messgebete zum Heiligen Geiste eingelegt werden, wie es die Gedächtnisse innerhalb der Oktaven von Muttergottesfesten vorsahen.

Foto: Weihnachtsgeschenke – Bildquelle: Sigismund von Dobschütz

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