„Macht hoch die Tür“ – 10. Türchen

Der Kathnews-Adventskalender 2020.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 10. Dezember 2020 um 07:32 Uhr
Weihnachtsgeschenke

Schon bei der Kalenderreform des Jahres 1960 ist eine Strömung spürbar gewesen, die liturgischen Feste in rationalistischer Manier von Elementen zu purgieren, die sozusagen als unzumutbar wundersam oder allzu legendarisch galten. Im unmittelbaren zeitlichen Umfeld des Festes der Unbefleckten Empfängnis betraf dies das heutige Fest der Übertragung des Heiligen Hauses der Allerseligsten Jungfrau Maria von Nazareth nach Loreto in den italienischen Marken.

Das ist einigermaßen erstaunlich, weil weltweit nicht nur Nachbildungen des Gnadenbildes Unserer Lieben Frau von Loreto zahlreich verbreitet sind, sondern vielmehr Repliken der Santa Casa selbst, des Heiligen Hauses von Nazareth, in dem Maria geboren wurde und später den Gruß es Engels vernahm sowie darauf ihr Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe nach Deinem Wort sprach und so das Geheimnis der Menschwerdung der Menschwerdung des göttlichen Logos unter ihrem Herzen – durch Überschattung des Heiligen Geistes schöpferisch gewirkt – begann. Nicht dieser Umstand war den zuerst noch diskret und kaum merklich vorgehenden Liturgiereformern vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) zu anstößig für das, was sie unter einem aufgeklärten Menschen verstanden, wohl aber die Überlieferung, dass Engel dieses Gebäude historisch tatsächlich und konkret im ausklingenden 13. Jahrhundert durch die Luft vom Heiligen Land nach Italien getragen haben sollten, um zu verhindern, dass es von den Mohammedanern zerstört werde.

Dieses Flugwunder, das sich mit einem Haus im wahrsten Sinne des Wortes zugetragen haben sollte, kam ihrer Mentalität und dem damaligen Zeitgeist dann doch zu mittelalterlich und unglaublich vor. Dem fiel also das sehr verbreitete Loretofest und –patrozinium damals zum Opfer.

Feier des Loretofestes von Papst Franziskus als nichtgebotener Gedenktag wieder eingeführt

Interessanterweise war es Papst Franziskus, auf dessen Anordnung hin ein Dekret der Gottesdienstkongregation vom 7. Oktober 2019 den 10. Dezember als Fest Unserer Lieben Frau von Loreto im aktuellen Generalkalender des Römischen Ritus zwar nicht verbindlich vorgeschrieben, aber als Option wieder eingefügt hat.

Damit ergibt sich die spannende Situation, das ein Fest, das nach dem Stunden- und Messbuch Pauls VI. wieder gefeiert werden kann, im tridentinischen Kalendarium, in dem es sich bis 1960 befunden hat, heute formal gesehen fehlt.

Da ein Messformular aber nicht den Ritus der Messe tangiert und es dieses Messformular bis 1960 im tridentinischen Brevier und Missale bereits gegeben hat, liegt die Argumentation nahe, dass etwas, was in der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus als Möglichkeit besteht, auch in der als außerordentlich geltenden Form nicht untersagt sein kann. Daraus müsste man schlussfolgern, dass das Messformular, das bis 1960 im Anhang pro aliquibus locis sich befunden hat, mit den Eigentexten, aus denen es seinerzeit zusammengestellt war, nunmehr wieder in das MR1962 aufgenommen und benutzt werden kann.

Ein Streifzug durch die Messtexte – deren zum Advent passende Stimmung

Dieses Messformular ist sehr interessant. Sein Introitus ist der von der Kirchweihe und ihrem Jahrestag Terribilis est locus iste – Ehrfurchtgebietend ist dieser Ort, und die Oration zeigt deutlich, warum dieses Fest sich so passend in den Advent einfügt und diejenigen, die es begehen, sinnreich auf Weihnachten einstimmt: „Gott, der Du der seligen Jungfrau Maria Haus durch das Mysterium des fleischgewordenen Wortes barmherziglich (lat.: misericorditer) hochgeweiht (lat.: consecrasti) und es wunderbarerweise (lat.: mirabiliter) im Schoße Deiner Kirche angesiedelt hast (lat.: collocasti), gewähre, dass wir, abgesondert von den Gezelten der Sünder, zu würdigen Bewohnern Deines heiligen Hauses herangebildet werden (lat.: efficiamur). Durch denselben“ (eigene Übersetzung, Clemens Victor Oldendorf).

Man beachte hierbei, dass in col-loco locus der Ort steckt und efficio auch bauen oder etw. errichten heißen kann, also gewissermaßen eine Ortsveränderung ausgesagt sowie eine Terminologie aus dem Bauwesen benutzt wird.

Die Lesung des heutigen Loretofestes ist dieselbe, die das Fest Maria Himmelfahrt in seinem alten Messformular bis 1950 einschließlich gehabt hat, und zwar dem Buch der Weisheit entnommen (vgl. Sir 24, 11-13 und 15-20), wo es in V. 11 heißt: „Bei allen sah ich mich um, wo ich eine Ruhestätte fände, in dem Erbe des Herrn will ich weilen.“ Wohnen und Wohnung bestimmen die Thematik der Lesung insgesamt, und es liegt auch eine Anspielung darauf vor, dass das Heilige Haus von Nazareth der Überlieferung nach nicht auf direktem Wege von Nazareth nach Loreto gelangt ist, sondern mit einer Zwischenlandung und vorübergehendem Aufenthalt in Tersato bei Rijeka in Dalmatien.

Das Evangelium ist natürlich das von der Verkündigung Mariens, wie es auch am 25. März gelesen wird, Lk 1, 26-38.

Erstes Loretokirchlein auf deutschsprachigem Boden am Ende des 16. Jahrhunderts in Tirol erbaut

Die erste der zahlreichen Nachbildungen des Heiligen Hauses im deutschsprachigen Raum befindet sich in der Nähe der österreichischen Stadt Hall in Tirol. Das Kirchlein wurde bereits im Jahre 1589 durch Erzherzog Ferdinand II. von Tirol und seine Gemahlin Anna Katharina von Mantua errichtet.

Zwischen Innsbruck und diesem Heiligtum ließ das fromme Stifterehepaar fünfzehn steinerne Säulen mit Darstellungen der fünfzehn Rosenkranzgeheimnisse aufstellen und pilgerte selbst häufig zu Fuß entlang dieses Weges. Etwa hundert Jahre später hatte sich die Wallfahrt bereits dermaßen entwickelt, dass drei Kapläne sie betreuen mussten.

Erinnern wir uns heute der Verkündigung an Maria und des Geheimnisses der Menschwerdung und Geburt des Herrn, die wir an Weihnachten feiern, denken aber in der adventlichen Zeit der Vorbereitung ebenso an die Mahnung des Apostels in 1 Petr 2, 5: „Lasst euch als lebendige Steine zu einem geistigen Haus aufbauen, zu einer heiligen Priesterschaft, um durch Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen.“

Würdige Wohnstatt und würdige Bewohner

Die Oration vom 8. Dezember sprach davon, dem menschgewordenen Gottessohn eine würdige Wohnung zu bereiten, und das ist auch gemeint, wenn wir heute bitten, zu würdigen Bewohnern von Gottes heiligem Haus herangebildet zu werden. Dieses heilige Haus Gottes ist zum einen die Kirche, zum anderen aber und vor allem die heilige Menschennatur Jesu Christi, die der Erlöser der Welt aus  der unbefleckten, immerwährenden Jungfrau Maria angenommen hat.

Foto: Weihnachtsgeschenke – Bildquelle: Sigismund von Dobschütz

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