Lumen gentium, Artikel 26

Der Heiligungsdienst der Bischöfe.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 31. Oktober 2014 um 20:13 Uhr
Bischof Friedhelm Hofmann

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

Nach dem munus docendi, dem Verkündigungsdienst der Bischöfe (LG, Art. 24 und 25), thematisiert Lumen gentium Artikel 26 das munus sanctificandi, den Heiligunsdienst der Bischöfe, wobei die Konzilsväter aus dem reichen Schatz der heiligen Schrift, der Kirchenväter und liturgischer Texte schöpfen. Die Bischöfe, die die Fülle des Weihesakramentes empfangen haben, sind „Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums“ und zwar „vorzüglich in der Eucharistie“, die sie entweder selber darbringen oder darbringen lassen durch die Priester. Wo immer das eucharistische Opfer gefeiert wird in Einheit und Gemeinschaft mit dem Bischof, da ist die Kirche Christi gegenwärtig, lebt und wächst sie.

In Einheit mit der Universalkirche

Weil der Bischof „Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums“ ist, kommt ihm auch die höhere Ordnung und Leitung über die Spendung der Sakramente (und Sakramentalien) in seinem Teil des Volkes Gottes zu, dem er durch die kanonische Sendung zugeordnet ist, allerdings immer in Einheit mit dem Papst und dem gesamten Bischofskollegium. Diözesanes Recht muss darum stets in Einheit mit dem ihm übergeordneten universalkirchlichen Recht stehen.

Sorge um die liturgische Ordnung

Da liturgische Missbräuche Glauben und Kirche schädigen, hat der Bischof sie in seiner Diözese abzustellen und, wenn es erforderlich, disziplinar- oder strafrechtlich zu ahnden. Darum bestimmt der kirchliche Gesetzgeber: „Er (der Bischof) hat darauf zu achten, dass sich kein Missbrauch in die kirchliche Ordnung einschleicht, vor allem in bezug auf den Dienst am Wort, die Freier der Sakramente und Sakramentalien, die Vereherung Gottes und der Heiligen …“ (can. 392 § 2).

Texte von Lumen gentium, Artikel 26

Der Bischof ist, mit der Fülle des Weihesakramentes ausgezeichnet, „Verwalter der Gnade des höchsten Priestertums“ , vorzüglich in der Eucharistie, die er selbst darbringt oder darbringen läßt und aus der die Kirche immerfort lebt und wächst. Diese Kirche Christi ist wahrhaft in allen rechtmäßigen Ortsgemeinschaften der Gläubigen anwesend, die in der Verbundenheit mit ihren Hirten im Neuen Testament auch selbst Kirchen heißen. Sie sind nämlich je an ihrem Ort, im Heiligen Geist und mit großer Zuversicht (vgl. 1 Thess 1,5), das von Gott gerufene neue Volk. In ihnen werden durch die Verkündigung der Frohbotschaft Christi die Gläubigen versammelt, in ihnen wird das Mysterium des Herrenmahls begangen, „auf daß durch Speise und Blut des Herrn die ganze Bruderschaft verbunden werde“. In jedweder Altargemeinschaft erscheint unter dem heiligen Dienstamt des Bischofs das Symbol jener Liebe und jener „Einheit des mystischen Leibes, ohne die es kein Heil geben kann“. In diesen Gemeinden, auch wenn sie oft klein und arm sind oder in der Diaspora leben, ist Christus gegenwärtig, durch dessen Kraft die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche geeint wird (90). Denn „nichts anderes wirkt die Teilhabe an Leib und Blut Christi, als daß wir in das übergehen, was wir empfangen.

Jede rechtmäßige Eucharistiefeier steht unter der Leitung des Bischofs, dem die Pflicht übertragen ist, den christlichen Gottesdienst der göttlichen Majestät darzubringen und zu betreuen gemäß den Geboten des Herrn und den Gesetzen der Kirche, die durch seine besondere Verfügung für die Diözese näher bestimmt werden. So spenden die Bischöfe durch Gebet und Arbeit für das Volk vielfältige und reiche Gaben von der Fülle der Heiligkeit Christi aus. Durch den Dienst des Wortes teilen sie die Kraft Gottes den Glaubenden zum Heil mit (vgl. Röm 1,16), und durch die Sakramente, deren geregelte und fruchtbare Verwaltung sie mit ihrer Autorität ordnen, heiligen sie die Gläubigen. Sie leiten die Taufspendung, die Anteil am königlichen Priestertum Christi gewährt. Sie sind die erstberufenen Firmspender, sie erteilen die heiligen Weihen und regeln die Bußdisziplin. Ferner ermahnen und unterweisen sie sorgsam ihr Volk, daß es in der Liturgie und vorzüglich im Meßopfer seinen Anteil gläubig und ehrfürchtig erfülle. Schließlich müssen sie ihre Anbefohlenen mit dem Beispiel ihres Lebenswandels voranbringen, ihr eigenes sittliches Verhalten vor allem Bösen bewahren und nach Kräften mit der Hilfe des Herrn zum Guten hin wandeln, damit sie zusammen mit der ihnen anvertrauten Herde zum ewigen Leben gelangen.

Foto: Bischof Friedhelm Hofmann von Würzburg – Bildquelle: FAW Würzburg