Lumen gentium, Artikel 19

Das Apostelkollegium besteht im Kollegium der Bischöfe fort.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 15. August 2014 um 16:43 Uhr
Christus Pantokrator

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

Viele Schriftstellen zitierend zeigen die Konzilsväter, dass Christus seine Kirche auf die zwölf Apostel gegründet hat, um – mit seiner Vollmacht, an der sie teilhaben, ausgestattet – „das Reich Gottes zu verkünden“. Diese Gruppe der Zwölf hat der Herr „nach Art eines Kollegiums“ (ad modum collegii) bzw. als einen festen Kreis (coetus stabilis) gegründet. Die genauere Natur dieses Kollegiums wird von den Konzilsvätern hier noch nicht beschrieben. Entscheidend aber ist, dass Petrus, der erste der Apostel, an der Spitze dieses Kollegiums steht (cui ex iisdem electum Petrum praefecit).

Durch die Bischöfe, die die Nachfolger der Apostel sind und als Kollegium die Zwölf in der Zeit der Kirche vergegenwärtigen, bleibt das Kollegium der Apostel weiterhin bestehen. Wie dem Kollegium der Apostel Petrus vorstand, so steht der Papst dem Kollegium der Bischöfe vor. In Artikel 22 von Lumen gentium vertiefen die Konzilsväter das Thema „Kollegialität“. Auf Artikel 22 wird noch im Rahmen dieser Reihe über einschlägige Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils einzugehen sein.

Text von Lumen gentium Artikel 19

Der Herr Jesus rief, nachdem er sich betend an den Vater gewandt hatte, die zu sich, die er selbst wollte, und bestimmte zwölf, daß sie mit ihm seien und er sie sende, das Reich Gottes zu verkündigen (vgl. Mk 3,13-19; Mt 10,1-42). Diese Apostel (vgl. Lk 6,13) setzte er nach Art eines Kollegiums oder eines festen Kreises ein, an dessen Spitze er den aus ihrer Mitte erwählten Petrus stellte (vgl. Joh 21,15-17). Er sandte sie zuerst zu den Kindern Israels und dann zu allen Völkern (vgl. Röm 1,16), damit sie in Teilhabe an seiner Gewalt alle Völker zu seinen Jüngern machten und sie heiligten und leiteten (vgl. Mt 28,16 bis 20; Mk 16,15; Lk 24,45-48; Joh 20,21-23). So sollten sie die Kirche ausbreiten und unter der Leitung des Herrn durch ihren Dienst weiden alle Tage bis zum Ende der Welt (vgl. Mt 28,20). In dieser Sendung wurden sie am Pfingsttag voll bekräftigt (vgl. Apg 2,1-26) gemäß der Verheißung des Herrn: „Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der über euch kommen wird, und werdet mir Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samaria und bis ans Ende der Erde“ (Apg 1,8). Die Apostel aber verkündigten allenthalben die frohe Botschaft (vgl. Mk 16,20), die von den Hörenden kraft des Heiligen Geistes angenommen wurde, und versammelten so die universale Kirche, die der Herr in den Aposteln gegründet und auf den heiligen Petrus, ihren Vorsteher, gebaut hat, wobei Christus Jesus selbst der Eckstein ist (vgl. Offb 21,14; Mt 16,18; Eph 2,20)39.

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