Kreuz.net-Affäre wird gegen die Katholische Kirche instrumentalisiert

Stellungnahme von Pfarrer Dr. Guido Rodheudt zu Medienberichten im Kontext von „kreuz.net“.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 5. Dezember 2012 um 11:37 Uhr
Petersdom

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt, Pfarrer in Herzogenrath bei Aachen und einer der Sprecher des „Netzwerks katholischer Priester“, ruft in einer Stellungnahme auf der Webseite der Homepage seiner Pfarrgemeinde die Gläubigen zu einem differenzierten Umgang mit der Kreuz.net-Affäre auf. Kathnews.de veröffentlicht den Text der Stellungnahme hier in ihrem vollen Wortlaut:

Distanzierung von kreuz.net

„Seit einigen Wochen wird in den Medien das anonyme Internetportal „kreuz.net“ thematisiert. Dieses Portal bezeichnet sich selbst als katholisch, wird aber zugleich von einem dem katholischen Welt- und Menschenbild widersprechenden Geist der Aggression bestimmt, in dem in unseriöser und beleidigender Weise theologische sowie kirchen- und gesellschaftspolitische Themen behandelt werden. Diese Stilistik ist zutiefst abzulehnen. Ebenso ist die dort praktizierte nicht zulässige Weise der Vermischung von inhaltlicher Auseinandersetzung und persönlicher Diffamierung für einen Christen inakzeptabel. Unabhängig davon, daß die Seite von bislang unbekannten Machern betrieben wird, wird sie von Vielen als Informationsquelle genutzt, unabhängig von der journalistischen Qualität ihrer Verarbeitung. Dies läßt einen über das anonyme Portal ein eindeutiges Negativurteil fällen, ungeachtet der Tatsache, daß im interaktiven Leserbereich eine Diskussion zwischen Angehörigen unterschiedlichster Meinungen in seriöser und nicht seriöser Form stattgefunden hat. Beachtet werden muß in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß sich die Ausrichtung des Portals im Laufe der Jahre von einer boulevardhaften, zu einer eindeutig kritikwürdigen polemisierenden und diffamierenden Seite entwickelt hat.

War sie vor ca. 8 Jahren nach ihrer Gründung noch dergestalt, daß zahlreiche auch namhafte Institutionen wie das Kölner Domradio, Radio Vatikan oder die Marianische Frauencongregation, eine Gebetsgruppe unter Führung von Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, mit Werbelogos auf dieser Seite vertreten waren, so haben die genannten Institutionen mit der Zeit aufgrund der negativen Entwicklung der Seite dafür gesorgt, daß die Verlinkungen eingestellt wurden. So war es auch im Falle des von mir im Jahre 2001 initiierten Netzwerks Katholischer Priester (www.priesternetzwerk.net), das bereits vor jeder öffentlichen Diskussion über „kreuz.net“ sein Logo von der Seite entfernen ließ, weil man deren Entwicklung von einer Informations- zu einer unseriösen Hetzseite nicht mittragen wollte. Dies geschah, noch bevor sich die Deutsche Bischofkonferenz im Februar 2009 von der Seite distanziert hat. Darüber hinaus hat sich das Netzwerk katholischer Priester anläßlich der jüngsten Mediendebatte in einer Klarstellung vom 29.10.2012 in aller Deutlichkeit von jeglichen Veröffentlichungen dieser Internetseite distanziert, die diffamierend und diskriminierend wirken und dadurch geeignet sein können, auf volksverhetzende, antisemitische, menschenverachtende oder kirchenfeindliche Weise personale Rechte und Gefühle von Menschen zu verletzen.“

kreuz.net übernahm ungefragt Artikel fremder Autoren

„Das Priesternetzwerk steht mit seiner eigenen Internetseite für ein hohes Maß an Sachlichkeit und Authentizität, was Lehre und Ordnung der katholischen Kirche betrifft. Nun ist es wichtig zu wissen, daß es ein Merkmal von „kreuz.net“ ist, ungefragt Artikel fremder Autoren zu übernehmen. Damit soll das Interesse gemischter Leserkreise geweckt werden. Aufgrund meiner theologisch wie kirchenpolitisch konservativen Einstellung ist auch von mir an anderer Stelle publiziertes Material dort zu finden, ohne daß ich dies zu verantworten habe. Dies reicht von Äußerungen im Pfarrbrief über meine Person oder die Pfarrei St. Gertrud betreffende Berichte der Lokalpresse bis hin zu Artikeln, die ich z. B. für renommierte Zeitschriften geschrieben habe. Alle diese Beiträge wurden von dem in Rede stehenden Internetportal ohne mein vorgehendes Wissen dort veröffentlicht. Aus dieser Vorgehensweise wurde nun seit einiger Zeit in betont antikirchlicher Diktion seitens einiger Medien wie u.a. dem Spiegel, Spiegel online, der Süddeutschen Zeitung der „taz“, der Frankfurter Rundschau und dem Kölner Stadtanzeiger nicht nur eine innere Nähe meinerseits zu besagtem Portal konstruiert, sondern auch der Status eines „Aktivisten“ (vgl. Kölner Stadtanzeiger, 02.12.2012) vermutet. Ebenso wurde der Verdacht geäußert, ich hätte Kenntnisse über die Betreiber des Portals (vgl. Süddeutsche Zeitung, 26.11.2012). Desweiteren wurde suggeriert, ich sei Teil eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens, das gegen die Betreiber der Internetseite wegen Volksverhetzung geführt wird (vgl. WDR.de, 02.12.2012).

Dazu ist zu Folgendes zu sagen:

Ich habe keine Kenntnisse über die Hintergründe und Betreiber der Seite „kreuz.net“. Ebensowenig bin ich Aktivist der Seite (vgl. dazu auch mein bisher nicht veröffentlichtes Interview mit Christina Zühlke, Redaktion „Westart“ des WDR vom 2. Dezember 2012 im Anschluß an diese Stellungnahme). Schließlich ist der geäußerte Verdacht, der in manchen Medien in die Nähe einer Tatsachenbehauptung gerückt wird, gegen mich würde die Staatsanwaltschaft in Sachen „kreuz.net“ ermitteln, falsch! Laut Aussage des zuständigen Staatsanwalts Norbert Winkler, Berlin, vom 3. Dezember 2012 bin ich nicht Beschuldigter im Rahmen eines staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens! Alle diesbezüglichen unbegründeten Vorwürfe und falschen Verdächtigungen treffen meine Persönlichkeitsrechte und gereichen zum Schaden meines Berufes als katholischer Priester und meiner Glaubwürdigkeit. Nicht zuletzt die Ausstrahlung der Spiegel-TV-Sendung „Hetze im Namen des Herrn. Die Hintermänner von kreuz.net“ vom 25. November 2012 hat in diesem Zusammenhang große Unruhe in der Pfarrei und der Herzogenrather Bevölkerung ausgelöst. Ebenso wie in den genannten Print- und Onlinezeitungen wurde hier suggeriert, ich gehöre zu den „Hintermännern“ des besagten Internetportals. Dies wurde dazu noch mit dem Ausstrahlen von nicht angemeldeten Fernsehaufnahmen versucht zu untermauern, die ein Kamerateam bei einem überfallartigen Auftritt auf dem Kirchengelände von St. Marien, Herzogenrath, am 22. November 2012 gemacht hatte.“

Unsachlicher und diffamierender Journalismus

Diese Form von unlauterem, unsachlich-investigativem Journalismus muß sich seinerseits den Vorwurf einer hetzerischen Propaganda gefallen lassen, der unter dem Deckmantel der Recherchearbeit keineswegs Aufklärung der Bevölkerung betreibt, sondern Menschen durch unredlichen Umgang mit den Fakten unter falschen Verdacht stellt. Ich hätte bis zu meiner eigenen Konfrontation mit derlei Formen Unsachlichkeit nicht für möglich gehalten, daß ich einmal einer solchen Form von medialer Selbstjustiz ausgesetzt sein würde. Darüber hinaus weise ich darauf hin, daß die genannten Vorgänge nicht nur meine Person oder dem mir verbundenen Netzwerk katholischer Priester treffen, sondern in der Zusammenschau der Presse- und Fernsehveröffentlichungen die katholische Kirche insgesamt. Jenseits der kreuz.net-Debatte sagt der für den Mediensturm verantwortliche ehemalige katholische Theologe David Berger: „Wenn sich die im Artikel aufgezeigten Spuren weiter verdichten, wird das auch ein Riesenskandal für den Vatikan werden. Das PNW (Priesternetzwerk, Anm. d.Verf.) ist derzeit DAS Lieblingsprojekt des Papstes in Deutschland – dies hat der Apostolische Nuntius erst vor kurzem mehr oder weniger direkt der Öffentlichkeit signalisiert. Noch einmal, auch wenn man in der DBK (Deutsche Bischofskonferenz, Anm. d. Verf.) versucht weiter zu beschwichtigen: Diese Haß-Seite kommt aus dem tiefsten Inneren der katholischen Kirche… Es ist eben genau gesehen, vielleicht keine christliche, aber eine durch und durch katholische Internetseite, wenn man die derzeit herrschende päpstliche Version dieser Kirche als Maßstab anlegt …“ (Leserkommentar 17.11.2012, 13:26 Uhr zu „Im Namen des Herrn“: Süddeutsche Zeitung online, 17.11.2012, 11:33 Uhr).“

Kreuz.net-Affäre wird instrumentalisiert: Angriff auf den Papst und die Katholische Kirche

„Die daraus sprechende Antihaltung zur katholischen Kirche und gegen den Papst scheut nicht vor dem absurden Vorwurf zurück, den Heiligen Vater zum Verursacher des Phänomens „kreuz.net“ zu stilisieren. Es geht den Medien insgesamt offenbar nicht in erster Linie um die Bewertung eines unter dem Deckmantel des Katholischen zu unrecht agierenden anonymen Internetportals, sondern um die mit dem Vorwand der medialen Aufklärung betriebene Stigmatisierung der katholischen Kirche und ihrer Gläubigen insgesamt. Die Trias „katholisch-konservativ-kreuz.net“ wurde so in der Köpfe der Leserschaft gespielt und ist offenbar erst der Beginn einer großangelegten Meinungsmache gegen die katholische Kirche. Ich bitte alle Pfarrangehörigen, Freunde und Förderer von St. Gertrud um einen differenzierten Umgang mit dem Thema, nicht zuletzt auf der Grundlage meiner hier abgegebenen Stellungnahme. Lassen Sie sich nicht aufhetzen und helfen Sie mit, daß die Wahrheit zu ihrem Recht kommt! Denn die Wahrheit ist heute in Bedrängnis, ausgesetzt dem Monopol von Meinungsagenturen und Vertretern von gesellschaftlich mächtigen Interessengruppen, deren erklärtes Ziel es ist, den Einfluß des Christlichen in der Gesellschaft zurückzudrängen. Die falsche Beschuldigung von öffentlichen Vertretern der Kirche ist dazu ein allbekanntes und probates Mittel. Selbstverständlich stehe ich jedem, der es möchte, zu einem persönlichen Gespräch zur Verfügung.

Herzogenrath, 4. Dezember 2012

Pfarrer Dr. Guido Rodheudt“

Foto: Petersdom – Bildquelle: Radomil, CC