Kirchenrebell Eugen Drewermann wird 75 Jahre alt

Von Christoph Arens (KNA).
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 10. Juni 2015 um 19:14 Uhr
Eugen Drewermann

Paderborn (kathnews/KNA). „Redefreiheit“ heißt die Sendereihe, in der Eugen Drewermann mit den Hörern des Nordwestradios (Radio Bremen/NDR) seit Jahren einmal im Monat „on air“ diskutiert. Derzeit geht es
um Themen wie „Ehrlichkeit“, „Mitleid“, „Opfer“ oder „Sucht“. Redefreiheit hat der gern als „Kirchenrebell“ bezeichnete Westfale immer wieder für sich beansprucht. Für die einen wurde der aus einer Bergmannsfamilie stammende Drewermann zum Guru, für andere ist er ein Ärgernis.

Am 20. Juni wird der Theologe, Schriftsteller und Psychoanalytiker mit der monotonen Stimme und der Vorliebe für gestrickte Westen und Rollkragenpullover 75 Jahre alt. Vor zehn Jahren nutzte er seinen Geburtstag und zog einen persönlichen Schlussstrich: Nach jahrelangem Streit erklärte er seinen Austritt aus der katholischen Kirche – ein „Geschenk der Freiheit an mich selber“. „Der schreibt und redet, bis er tot umfällt“, sagt einer, der ihn seit Jahren beobachtet. Erst im vergangenen Jahr hat Drewermann das Buch „Wendepunkte, oder: Was eigentlich besagt das Christentum?“ veröffentlicht – eine Summe seines Denkens und ein Plädoyer für einen Perspektivwechsel von einem institutionell-äußerlichen zu einem existenziell-innerlichen Christentum. Auch wenn es um die Ukraine, die Bundeswehr und die Friedensbewegung geht, findet der Paderborner nach wie vor sein mit ihm älter werdendes Publikum – am Rand des Katholikentags 2014 in Regensburg ebenso wie beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Drewermann wendet sich gegen eine Militarisierung der Politik, setzt sich für den Tierschutz ein und prangert die Umweltzerstörung an. Kritiker halten ihm vor, er psychologisiere die Politik und greife auf konservativ-reaktionäre deutsche Denktraditionen zurück.

Im Dezember demonstrierte der Theologe gemeinsam mit einer seltsamen Mischung aus Altkommunisten, Neu-Rechten wie den „Reichsbürgern“, Verschwörungstheoretikern und Linken beim „Friedenswinter“ vor dem Amtssitz des Bundespräsidenten in Berlin. „Die Nato ist das aggressivste Bündnis, das die Menschheit je gesehen hat“, polterte er vom Podium. Vom russischen Präsidenten Wladimir Putin war keine Rede. Der Konflikt zwischen Drewermann und der Kirche schwelte schon seit den 1980er Jahren. Nach Ansicht der Bischöfe leugnete der Theologe entscheidende Wahrheiten des Glaubens. Drewermann seinerseits wirft der Kirche vor, sie sei in dogmatischen Formeln erstarrt. Sie verdecke die heilende Botschaft des Evangeliums und schreibe den Gläubigen eine lebensfremde Moral vor. Im Oktober 1991 entzog der damalige Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Degenhardt seinem populären Priester die Lehrerlaubnis. Drei Monate später verbot er Drewermann zu predigen, seit März 1992 durfte der Theologe auch sein Priesteramt nicht mehr ausüben.

Geboren in Bergkamen bei Dortmund, studierte Drewermann Philosophie und Theologie, später ließ er sich zum Psychoanalytiker ausbilden. Ab 1972 war er zunächst als Pfarrer der Paderborner Studentengemeinde und danach als Priester in der Sankt-Georgs-Kirche tätig. Seit 1979 hielt er Vorlesungen in Religionsgeschichte und Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Paderborn. Bereits 1989 versuchte Drewermann in seinem Buch „Kleriker“, „ekklesiogene Neurosen“ des Priester- und Mönchsstandes aufzudecken. Auslöser für die Eskalation im Jahr 1992 war ein „Spiegel“-Gespräch an Weihnachten 1991. Darin bezweifelt der Theologe, dass Jesus die Sakramente in der von der Kirche verkündeten Form eingesetzt habe. Er kritisierte das Verständnis des Kreuzestodes Christi und bezeichnete Jungfrauengeburt, Weihnachtsgeschichte und Himmelfahrt als Mythen.

Zu den mehr als 70 Veröffentlichungen Drewermanns gehören ein mehrbändiges Werk über „Glauben in Freiheit“, ein Roman über den als Ketzer verbrannten Giordano Bruno, dicke Wälzer über das Markus-, Johannes- und Lukas-Evangelium sowie populäre Märchen-Interpretationen. Andere Werke bewegen sich im Grenzgebiet von Naturwissenschaften – Biologie und Kosmologie – und Theologie. Die Manuskripte schreibt der Auflagen-Millionär dem Vernehmen nach mit der Hand.

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Foto: Eugen Drewermann – Bildquelle: Amrei-Marie at de.wikipedia