„Kirche muss nicht immer mit allen reden“

Der katholische Publizist Andreas Püttmann im Gespräch mit Radio Vatikan.
Erstellt von Radio Vatikan am 28. Mai 2016 um 21:38 Uhr
Christus Pantokrator

Leipzig (kathnews/RV). „Eine Kirche hat nicht die Aufgabe, in einer Gesellschaft den Dialog aller mit allen über Alles jederzeit zu organisieren.“ Andreas Püttmann ist profilierter katholischer Publizist und Inhaber dezidierter Meinungen, so auch dieser zur Nichteinladung der AfD auf die Podien des Katholikentages in Leipzig. Die Aufgabe der Kirche sei es, Zeugnis abzulegen für das Humanum und für Jesus Christus, so Püttmann. Deswegen sei die Abgrenzung gegen eine Partei, die etwa Gewaltphantasien gegen Flüchtlinge ventiliere, gut und richtig. Die Thesen dieser nicht eingeladenen Partei finden aber auch unter Katholiken Widerhall, ignorieren kann man das also nicht. Wie kommen Gesellschaft und Kirche da wieder heraus?

Püttmann: „Ich glaube, dass hier die Theologen und die Bischöfe die Aufgabe haben, den Glauben dieser Mit-Katholiken auf den Glutkern des Evangeliums hin zu lenken. Dann wird man zu der Erkenntnis kommen, dass die DNA des Christentums nicht das Eigene ist, die eigene Familie, die eigene Nation, worauf die Populisten so sehr pochen. Die DNA des Christentums ist die Nächstenliebe und Empathie mit dem Anderen, auch dem Andersartigen, als ich selbst es bin. Und genau das passiert in dieser Flüchtlingswelle, nämlich dass die sieben Werke der Barmherzigkeit geübt werden. Und es ist ein Skandal, dass große Teile der Kirche diesen Glutkern des christlichen Glaubens offensichtlich nicht verstanden haben und im Christentum nur eine Ordnungsideologie sehen, die vor allem der Glorifizierung des Eigenen dient.“

RV: Ist das dann eine pädagogische Frage? Sollen wir uns abgrenzen? Oder sollen wir wie Papst Franziskus sagt Dialog, Dialog, Dialog üben?

Püttmann: „Beides, obwohl es paradox klingt. Es ist richtig, überall Rede und Antwort zu stehen, wo nicht nur nach dem Grund unserer Hoffnung gefragt wird, sondern auch nach unserer Sozialethik und unserem Verständnis vom Menschen, unserer Anthropologie. Das muss auch bekannt werden, im Gespräch mit jedem. In der individuellen Kommunikation ist auf jeden Fall der Dialog fällig. Er ist auch fällig, wenn eine Partei wie die AfD die Kirche um ein Gespräch ersucht. Etwas ganz anderes ist es, solchen Kräften ein Podium zu bieten, ihnen also um ihrer Agitation entgegenzutreten neue Räume der Agitation zu öffnen. Hier hat die Kirche die Aufgabe zu sagen ‚Stop!‘ und so Ausgrenzung mit Dialog zu kombinieren.“

Foto: Christus Pantokrator – Bildquelle: Wikipedia/Zenodot Verlagsgesellschaft mbH