Kiewer Patriarchat betet nicht mehr für die Regierung

Ab sofort wird für das Volk gebetet.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 22. Februar 2014 um 13:32 Uhr

Kiew (kathnews/KNA). Aus Protest gegen die Schüsse auf Demonstranten stellt eine der größten Kirchen der Ukraine die Fürbitten für die Regierung in ihren Gottesdiensten ein. Wie das ukrainisch-orthodoxe Kiewer Patriarchat am Donnerstagabend mitteilte, wird ab sofort stattdessen für das Volk gebetet. Der Heilige Synod, dem Patriarch Filaret (85) und zehn Bischöfe angehören, begründete dies damit, dass die Regierung Aufrufe der Kirchen missachtet habe, keine Menschen zu töten oder gegen sie Gewalt anzuwenden. Bislang gab es zu Beginn jedes Gottesdienstes eine Fürbitte „für unsere gottbehütete Ukraine, unsere Regierung und das Heer“. Nun wird für „unsere gottbehütete Ukraine und das ukrainische Volk“ gebetet. Im Unterschied zur westlichen Trennung von Staat und Kirche sieht die orthodoxe Theologie das Verhältnis beider Größen als gegenseitige Stützung von weltlicher und geistlicher Macht, die sogenannte „Symphonia“. Ein Verzicht auf Fürbitten für die Regierenden ist demnach eine gewichtige politische Aussage. In der Ukraine gibt es eine orthodoxe Kirche des Kiewer und eine des Moskauer Patriarchats. Zu ihnen bekennen sich laut Umfragen ungefähr gleich viele Menschen. Die Kirche des Moskauer Patriarchats hat allerdings deutlich mehr Pfarreien.

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Foto: Orthodoxe Kirche – Bildquelle: Andreas Gehrmann