Kein schwules Coming-out in der Schule erzwingen

Pater Klaus Mertes SJ mahnt zur sachlichen Debatte.
Erstellt von Katholische Nachrichten-Agentur am 17. Februar 2014 um 20:33 Uhr
Jugendliche

Freiburg (kathnews/KNA). In der Debatte um neue Unterrichtslinien und Erziehung zu Toleranz gegenĂŒber sexueller Vielfalt hat der Jesuit und Schulleiter Klaus Mertes eine sachliche Debatte angemahnt. Der Verweis auf das christliche Menschenbild dĂŒrfe nicht dazu missbraucht werden, um Hass gegen Schwule, Lesben und Transsexuelle zu schĂŒren, schreibt Mertes in einem am Montag veröffentlichten Text fĂŒr die Internetseite „www.kreuz-und-quer.de“. Zugleich plĂ€diert Mertes fĂŒr eine Überarbeitung des derzeit diskutierten Arbeitspapiers fĂŒr neue Leitlinien im Schulunterricht in Baden-WĂŒrttemberg. Zwar teile er das Anliegen des Arbeitspapiers, SchĂŒler vor Diskriminierung aufgrund ihrer sexuellen Orientierung zu schĂŒtzen. Wenn das Papier aber als Lernziel ausgebe, „die eigene sexuelle IdentitĂ€t in der Schule zu erkennen“, sei diese Formulierung „missbrauchsanfĂ€llig“, so Mertes.

In der Schule dĂŒrfe niemals eine Situation entstehen, in der jemand unter Druck gerate, sich outen zu mĂŒssen. „Solche Selbstoffenbarungen mĂŒssen absolut freiwillig erfolgen“, mahnt Mertes. Seiner Erfahrung nach laufen die meisten Prozesse der Selbsterkenntnis von eigener SexualitĂ€t außerhalb des Schuldiskurses in einem vertraulichen Zusammenhang. Schule habe, so Mertes weiter, auch immer die Aufgabe, das BedĂŒrfnis junger Menschen „nach geschĂŒtzten RĂ€umen, nach Schutz der IntimsphĂ€re zu respektieren und zu stĂ€rken, zumal sie von Medien umgeben sind, die den Unterschied zwischen IntimitĂ€t und Öffentlichkeit nicht mehr kennen, sondern aktiv auflösen.“ Der Jesuit Ă€ußerte sich mit Blick auf die neuen Unterrichtsleitlinien fĂŒr Baden-WĂŒrttemberg, die ab 2015 gelten sollen. Neben auf die jeweiligen FĂ€cher zugeschnittenen LehrplĂ€nen soll der Bildungsplan auch ĂŒbergreifende Überlegungen zu Zielen und Grundlinien des Unterrichts enthalten. Kritiker unter anderem aus christlichen Kreisen werfen den Verantwortlichen vor, auf diesem Wege auch eine neue Sexualmoral etablieren zu wollen, die weit ĂŒber einen toleranten Umgang etwa mit Homosexuellen hinausgehe.

Quelle: © KNA. Alle Rechte vorbehalten

Foto: Jugendliche – Bildquelle: camera-colonia / Wikipedia

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. DatenschutzerklÀrung