Katholische Kirche wird katholisch sein oder nicht sein

Religionssoziologe José Casanova nimmt "Theologischen Preis" entgegen.
Erstellt von Radio Vatikan am 18. August 2012 um 12:59 Uhr
Petersdom

Salzburg (kathnews/RV). Katholisch heiĂźt allumfassend. Darauf sollte sich die Kirche wieder mehr besinnen, denkt der spanische Religionssoziologe JosĂ© Casanova, der letzte Woche den mit 5.000 Euro dotierten „Theologischen Preis“ der Salzburger Hochschulwochen entgegennahm. Die katholische Kirche habe Raum fĂĽr alle möglichen Gruppen, von der Theologie der Befreiung bis hin zur Piusbruderschaft, und sie mĂĽsse sich dieser Tatsache bewusst sein.

„Die katholische Kirche kann nur dann katholisch sein, wenn es innerhalb der Kirche genug Raum fĂĽr alle gibt: FĂĽr PiusbrĂĽder, fĂĽr Jesuiten, fĂĽr Jansenisten, fĂĽr das Opus Dei, Comunione e liberazione, Befreiungstheologie – das ist die Kirche!“ Aus seiner Sicht seien es die Ordensgemeinschaften, Frauen- wie Männerorden, die diese Pluralität heute in der Kirche repräsentieren und wachhalten, fährt der Religionssoziologe fort.

„Ăśberhaupt nur dank der Orden gibt es heute noch eine gewisse Autonomie und ein langes Gedächtnis, dass katholisch zu sein nicht nur heiĂźt zu wissen, was der Papst und der Vatikan heute sagen, sondern dass katholisch sein heiĂźt, eine tiefe Beziehung zu allen Facetten der Kirche zu haben.“ Ordensgemeinschaften sind aus Casanovas Sicht auch deshalb exemplarisch fĂĽr die Kirche, weil sie in ihrem Inneren selbst unterschiedliche Spektren vereinten.

„Es gibt progressive Jesuiten und konservative Jesuiten. Aber sie sind BrĂĽder. Es sollte in der katholischen Kirche Raum fĂĽr alle diese Formen geben, katholisch zu sein. Die innere Pluralität ist die einzige Möglichkeit, wirklich eine katholische, universale Kirche zu sein. Sonst wird es nur eine sektarische Kirche fĂĽr die eine oder andere Form von Katholizität geben. Und das können wir uns nicht erlauben, denn dann werden wir vielleicht eine römische Kirche sein, aber keine katholische.“

Foto: Petersdom – Bildquelle: M. BĂĽrger, kathnews

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