Karnevals- bzw. Faschingsmessen sind ein Skandal

Missbrauch und Karikatur des Messbuches Pauls VI.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 6. Februar 2018 um 17:10 Uhr

Von Dr. iur. can. Gero P. Weishaupt:

Heinsberg/Aachen/Köln (kathnews). Der Karneval steht vor der TĂŒre. Am Donnerstag vor Karneval, dem “Altweiberfastnacht”, beginnen in den Hochburgen des Karnevals und des Faschings die “drei tollen Tage”. In vielen Pfarreien im Rheinland, in Hessen, in Schwaben und in Bayern, aber auch in der Schweiz, in Österreich oder in den Benelux-LĂ€ndern hat sich nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil der Brauch verbreitet, zu den Karnevals- und Faschingstagen sogenannte Narrenmessen, auch Karnevals- oder Faschingsmessen genannt, zu feiern. Dabei kommen die GlĂ€ubigen verkleidet zur Heiligen Messe, in extremen Formen tragen auch die Priester und Ministranten Masken oder sonstige KostĂŒme. Die Meßtexte werden oft „dem Anlass entsprechend“ verĂ€ndert. Das Narrentreiben macht sich in der heiligen Messe breit, was sich beispielsweise in Faschingsmusik wĂ€hrend der Heiligen Messe niederschlĂ€gt.

Ein skandlöses Beispiel einer solchen Karikatur des Messbuches, das aus der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzils hervorgegangen ist, ist eine „NĂ€rrische Messe mit Dreigestirn“, wie sie jĂŒngst in Heinsberg, einer Kleinstadt nördlich von Aachen, stattgefunden hat. Heinsberg liegt im Bistum Aachen. Nach Angaben des WDR Aachen sind zwei katholische Pfarrer und ein evangelischer Pastor als Prinz, Bauer und Jungfrau dort in Erscheinung getreten. Im Altarraum wurden akrobatische TĂ€nze aufgefĂŒhrt. Zu hören sind Karnevalslieder.

Keine Ausdrucksform des einen Römischen Ritus

Liturgische MissbrĂ€uche und Entgleisungen gibt es aber nicht nur zur sogenannten 5. Jahreszeit. Manche Priester haben es sich zur Gewohnheit gemacht, Riten und Messtexte “dem Anlass entsprechend” zu Ă€ndern. Solche Messfeiern sind ein Missbrauch, in ihren extremen Formen sogar eine Karikatur der Messfeier nach dem Römischen Messbuch Pauls VI., der sogenannten ordentlichen Form des Römischen Ritus. Papst Benedikt XVI. hat in seinem Begleitbrief zum Motu Proprio “Summorum Pontificum” an die Bischöfe von der Einheit des Römischen  Ritus in seinen beiden Formen, der ordentlichen und der außerordentlichen Form gesprochen. Die außerordentliche Form des Römischen Ritus ist die Messfeiern nach dem Missale Pius V./Johannes XXIII. Wo das Missale Pauls VI. durch liturgischen Wildwuchs und liturgische Entgleisungen im Namen einer vermeintlichen ungebundenen “KreativitĂ€t” missbraucht wird, kann es nicht mehr als die ordentliche Ausdrucksform des einen Römischen Ritus wahrgenommen werden. Die KontinuitĂ€t beider Formen wird verdunkelt, die Einheit mit der Kirche zerstört, der Bruch mit der Tradition sichtbar. Liturgische MissbrĂ€uche entfremden viele GlĂ€ubige von der Kirche und fĂŒhren zu einer innerkirchlichen, bis in die Pfarreien sich durchziehenden Spaltung.

GlÀubige haben ein Recht auf authentische Liturgie

Das Kirchliche Gesetzbuch schreibt ĂŒber den Bischof: “Da er die Einheit der Gesamtkirche wahren muss, ist der Bischof gehalten, die gemeinsame Ordnung der ganzen Kirche zu fördern und deshalb auf die Einhaltung aller kirchlichen Gesetze zu drĂ€ngen. Er hat darauf zu achten, dass sich kein Missbrauch in die kirchliche Ordnung einschleicht, vor allem in Bezug auf den Dienst am Wort, die Feier der Sakramente und Sakramentalien, die Verehrung Gottes und der Heiligen sowie in Bezug auf die Vermögensverwaltung” (can. 391 §§ 1 und 2). Alle GlĂ€ubigen (Kleriker wie Laien) haben nach dem Gesetzgeber “das Recht, den Gottesdienst der Kirche, insbesondere des eigenen, von den zustĂ€ndigen Hirten der Kirche genehmigten Ritus zu feiern 
 “ (can. 214). Liturgische MissbrĂ€uche weichen von dem kirchenamtlich “genehmigten Ritus” ab. Die GlĂ€ubigen habe ein Recht auf eine authentische Liturgie und können jederzeit ihre Anliegen, Sorgen und WĂŒnsche “den Hirten eröffnen (can. 212 § 2). Mehr noch: “Den GlĂ€ubigen steht es zu, ihre Rechte, die sie in der Kirche besitzen, rechtmĂ€ĂŸig geltend zu machen und sie nach Maßgabe des Rechts vor dem zustĂ€ndigen Gericht zu verteidigen” (can. 221 § 1).

Beschwerden ĂŒber MissbrĂ€uche in der Liturgie

Die Kongregation fĂŒr den Gottesdienst und die Sakramentendisziplin erinnert alle GlĂ€ubigen (Kleriker und Laien) an die Pflicht, die heilige Eucharistie ehrfĂŒrchtig und den liturgischen Vorschriften gemĂ€ĂŸ zu feiern. Wörtlich heißt es in der Instruktion “Sakramentum Redemptionis” vom 2004:

“Alle haben entsprechend den Möglichkeiten in ganz besonderer Weise dafĂŒr zu sorgen, dass das heiligste Sakrament der Eucharistie vor jeder Art von Ehrfurchtslosigkeit und Mißachtung bewahrt wird und alle MissbrĂ€uche vollstĂ€ndig korrigiert werden. Dies ist fĂŒr alle und fĂŒr jeden einzelnen eine sehr wichtige Aufgabe, und alle sind ungeachtet der Person zur Verwirklichung dieser Aufgabe gehalten” (RS, Nr. 183).

Die Instruktion erinnert sodann an das Recht aller (Kleriker wie Laien), liturgische MissbrÀuche bei den kirchlichen Oberen zu melden:

“Jeder Katholik, ob Priester, Diakon oder christglĂ€ubiger Laie, hat das Recht, ĂŒber einen liturgischen Missbrauch beim Diözesanbischof oder beim zustĂ€ndigen Ordinarius, der ihm rechtlich gleichgestellt ist, oder beim Apostolischen Stuhl aufgrund des Primats des Papstes Klage einzureichen. Es ist aber angemessen, dass die Beschwerde oder Klage nach Möglichkeit zuerst dem Diözesanbischof vorgelegt wird. Dies soll immer im Geist der Wahrheit und der Liebe geschehen” (RS, Nr. 184).

Foto: Volksaltar – Bildquelle: Kathnews

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