Karlsjahr erreicht seinen Höhepunkt

Besprechung einer Kurzbiografie über Karl den Großen.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 30. Mai 2014 um 21:35 Uhr
Kaiser Karl der Große

Von Gero P. Weishaupt: Vor 1200 Jahren starb Karl der Große. Europa gedenkt in diesem Jahr jenes Herrschers, der als der Erneuerer des abendländischen Kaisertums und als Vater Europas gilt. In vielen europäischen Orten des ehemaligen Heiligen Römischen Reiches finden Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen über Karl den Großen statt. Zentrum des Karlsjahres ist zweifellos Aachen, wo Karl die letzten 20 Jahre seines Lebens beinahe ununterbrochen residiert und das er zum Zentrum seines riesigen Reiches, zum „Rom des Nordens“, gemacht hat. In Aachen liegen seine Gebeine, in Aachen wurden seine Nachfolger von 936 bis 1531 zu Königen des Heiligen Römischen Reiches gekrönt, darunter zahlreiche Vertreter der Habsburger, der wohl mächtigsten und prägendsten Dynastie der europäischen Geschichte, die als Vorbild für ein geeintes Europa – das große Vermächtnis Karls des Großen – hervortritt (so Otto von Habsburg). Von Rudolf I. über Maximilian I., Karl V. und Ferdinand I. haben bedeutende Habsburger bis zum Beginn der Neuzeit den Aachener „Karlsthron“ bestiegen und mit der Königskrönung in der Aachener Marienkirche, der einstigen Pfalzkapelle Karls des Großen, ein Anrecht auf die Kaiserwürde erlangt.

Aachen erwartet viele Besucher

Im Juni erreicht das Karlsjahr in Aachen seinen Höhepunkt. Drei große Sonderausstellung von europäischer Dimension öffnen ihre Tore. Bis September erwartet die Stadt mehrere 100.000 Besucher. Ebenfalls im Juni beginnen die alle sieben Jahre stattfindenden Heiligtumsfahrten in Aachen sowie im Aachener Stadteil Kornelimünster, zu denen das Bistum Aachen ebenfalls 100.000 Pilger erwartet. Durch Karl den Großen kamen die Heiligtümer nach Aachen.

Kurzbiografie über Karl den Großen erschienen

Es ist daher erfreulich, dass der Aachener Einhardverlag ein kleines Heft herausgegeben hat, in dem das Leben Karls des Großen kurz, aber fundiert dargelegt wird. Dafür bürgt dessen Autor, Klaus Schlupp, selber Aachener, promovierter Kirchenhistoriker und erfahrener Journalist. Bar wissenschaftlicher Fachsprache führt der Autor kurzweilig und leicht verständlich den interessierten Leser in Leben und Werk Karls des Großen ein.

Zum Inhalt

Nach einer kurzen Einführung über die Merowinger und Karolinger beleuchtet Schlupp verschiedene Seiten der Person Karls des Großen: Karl als Persönlichkeit, als Ehemann und Familienvater, als Kriegsherr und Eroberer, als Herrscher und Bauherr. Daneben würdigt der Autor den Frankenherrscher als Kulturschöpfer, als Herr der Kirche und als Kaiser. Im letzten Kapitel geht der promovierte Kirchenhistoriker auf Karl als Mythos ein. Keine Seite des großen Frankenherrschers lässt der Autor außer Acht. In manchem erinnert die Darstellung an Einhard, den bekannten Hofbiografen Karls des Großen. Dass Schlupp Einhard gelesen hat, erkennt der kundige Leser sofort, hier und da wird Einhard auch zitiert. Eine übersichtliche Zeittafel mit den wichtigsten Stationen aus dem Leben Karls des Großen, Hinweise auf die Auswahl der verarbeiteten Literatur sowie ein Bildnachweis runden das lesenswerte Heftchen ab.

Adressaten

Schuppps Kurzbiografie Karls des Großen eignet sich vor allem für jene, die keine Zeit und Muße finden, eine ausführliche Biografie oder Monografie über Karl den Großen zu studieren, sich aber dennoch im Karlsjahr mit Karl den Großen befassen wollen. Auch kann es Schülern eine Hilfe sein, das in der Schule über Karl den Großen Gelernte noch einmal zusammenfassend zu wiederholen. Ganz besonders aber sei es all jenen von Herzen empfohlen, die im Karlsjahr einen Besuch der Kaiserstadt Aachen, in der Karl immerfort noch gegenwärtig (Karoli praesentia) und lebendig ist, ins Auge fassen.

Klaus Schlupp
Karl der Große. Eine Kurzbiografie
Verlag Einhard Aachen 2014
ISBN 978-3-943748-21-5
4 Euro

Foto: Karl der Große – Bildquelle: kathnews