Karlsjahr 2014 in Aachen offiziell eröffnet

Karl der Große wird als Heiliger verehrt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 26. Januar 2014 um 17:25 Uhr
Dom zu Aachen

Aachen (kathnews). Karl der Große, der Frankenherrscher, starb am 28. Januar 814 in seiner Lieblingspfalz Aachen. Stadt und Bistum Aachen feiern gemeinsam mit Europa den Gründungsvater dieses auf antik-christlichen Werten gründenden Kontinentes. Mit einer feierlichen Pontikalvesper im Aachener Dom, der Grabeskirche Karls des Großen, wurde am gestrigen Samstagabend das Karlsjahr 2014 offiziell liturgisch eröffnet. In seiner Predigt erinnerte der Dompropst Msgr. Poqué daran, dass Aachen seine Identität einzig von Karl dem Großen hat. Karl müsse nicht nach den Kriterien der heutigen Zeit beurteilt werden. Er müsse von seiner Zeit her verstanden werden. Nur so werde man ihm gerecht. Am heutigen Sonntag, dem 26. Januar, feierte der Aachener Bischof Dr. Heinrich Mussinghoff ein festliches Pontifikalamt unter Mitwirkung des Aachener Domchores – er ist der älteste Knabenchor Deutschlands, da er auf die Schola Palatina Karls des Großen zurückgeht – und des Aachener Symphonieorchesters. Aus Anlass der liturgischen Eröffnungsfeier wurde die berühmte Karlsbüste aus der Domschatzkammer in das Oktogon getragen und dort in Altarnähe platziert. Die nach 1349 entstandene Büste prägt das Bild Karls des Großen seit Generationen. Sie enthält die Schädeldecke Karls. Sie trägt die Krone Karls IV.

Der heilige Karl der Große

In seiner Predigt ging der Aachener Bischof, Dr. Heinrich Mussinghoff, auf Karl den Großen als Heiligen ein. Karl habe zwar grausame Kriege geführt, werde aber auch als Heiliger verehrt, sagte der Bischof. Der Schlüssel zum Verständnis liege in seiner Herrschaftsauffassung und seiner Angst vor dem Jüngsten Gericht. Das würde ihn auch für die Missstände in seinem Reich zur Rechenschaft ziehen, habe Karl geglaubt. „Deshalb betrieb er die strikte Christianisierung und die Förderung von Kirche und Klöstern, von Gottesdienst und Glaubenspraxis”, erklärte der Aachener Oberhirte. Karl habe es als seine Pflicht gesehen, „den heidnischen Völkern den rettenden Glauben an Christus zu bringen”.

Die Aachener Schola Carolina singt die 2. Vesper aus dem Karlsoffizium

In der sogenannten Barbarossa-Urkunde vom 8. Januar 1166, wenige Tage nach der Heiligsprechung Karls in Aachen am 29. Dezember 1065 promulgiert, wird Karl als ein fortis athleta et verus apostolus (starker Kämpfer und wahrer Apostel) und wahrer Bekenner bezeichnet. Den Karlskult macht nicht nur das Pontifikalamt im Dom am heutigen Sonntag, dem 26. Januar, deutlich. Am 28. Januar 2014, dem eigentlichen Sterbetag Karls des Großen, findet um 20.00 Uhr in der Aula Carolina unweit des Aachener Rathauses eine liturgische Vesperfeier statt. Die Schola Carolina Aachen singt unter Leitung von Dr. Michael Tunger die 2. Vesper aus dem Karlsoffizium „Regali Natus”. Das Karlsoffizium „Regali natus” ist zu Ehren Karls des Großen Ende des 12. Jahrhunderts in Aachen entstanden und war schließlich in ganz Europa verbreitet. Es ist niedergeschrieben im sog. „Antiphonar des Franko”, das sich im Aachener Domarchiv befindet. Die liturgische Verehrung des am 29. Dezember 1165 heiliggesprochenen Kaisers bildete die geistige Klammer des mittelalterlichen Reiches.

Aachen, das „zweite Rom“ 

Papst Leo III. krönte am Weihnachtstag des Jahres 800 in der damaligen konstantinischen Peterskirche in Rom Karl den Großen zum Kaiser. Mit dieser Kaiserkrönung avancierte Karl zum Nachfolger der römischen Kaiser des Westens. Das Sacrum Imperium Romanum (das Heilige Römische Reich) war damit gegründet, das abendländische Kaisertum wiederhergestellt. Das Imperium der Römer ging mit der Kaiserkrönung auf die Franken über. Durch diesen als Translatio Imperii Romanorum (Übertragung des Reiches der Römer) in die Geschichte eingegangener Akt stieg Aachen, die Hauptresidenz Karls des Großen, – nach Köln und Trier – zur Roma secunda (zweites Rom), zum „Rom des Nordens“ auf.

Papst Johannes Paul II. über die Bedeutung Karls des Großen

Anlässlich der 1200-Jahrfeier der Kaiserkrönung Karls des Großen sagte Papst Johannes Paul II., selbst Träger des (außerordentlichen) Internationalen Karlspreises zu Aachen, den er 2004, ein Jahr vor seinem Tod, im Apostolischen Palast empfangen hat: „Der von Karl dem Großen angestoßenen Reform kommt auch heute Bedeutung zu: Ihre Tragweite ist in der Tat weit höher als sein Werk der äußeren Vereinigung der verschiedenen politischen Wirklichkeiten der damaligen Zeit. Der große Beitrag, den Karl der Große für die Gestaltwerdung des Kontinentes geleistet hat, besteht in einer großartigen Synthese zwischen der Kultur der klassischen, vorwiegend römischen Antike und den Kulturen der germanischen und keltischen Völker. Diese Synthese hat ihre Grundlage im Evangelium Jesu Christi. Denn Europas Einheit wurde nicht vom geographischen Standpunkt aus umschrieben. Nur durch die Annahme des christlichen Glaubens wurde Europa Kontinent. Diesem Kontinent gelang es über Jahrhunderte hinweg, seine Werte in fast alle Teile der Welt auszubreiten und so dem Wohl der Menschheit zu dienen. … Die große Gestalt der Geschichte, Kaiser Karl der Große, ruft die christlichen Ursprünge Europas neu in Erinnerung. Wer auf diese Gestalt schaut, wird in die Epoche geführt, die – trotz der menschlichen Grenzen, die es immer gibt – eine beeindruckende kulturelle Blüte auf fast allen Erfahrungsfeldern auszeichnet. Auf der Suche nach seiner Identität darf Europa nicht darauf verzichten, mit aller Kraft das kulturelle Erbe zurückzugewinnen, das von Karl dem Großen hinterlassen und mehr als ein Jahrtausend lang bewahrt wurde. So wollen wir jene Werte wiederentdecken, in denen die tiefere ‚Seele‘ Euorpas erkennbar wird“ (in: Osservatore Romano, dt. Ausgabe, 17.12.2000).

Foto: Aachener Dom – Bildquelle: Andreas Gehrmann