Irland: Das Referendum zur Homo-Ehe im Nebel der Berichterstattung

Ein Kommentar von Gerhard Stumpf, Mitglied im „Forum Deutscher Katholiken”.
Erstellt von Felizitas KĂĽble am 26. Mai 2015 um 15:03 Uhr
Hochzeitsbank

Die Iren haben der katholischen Kirche mit dem Referendum über die Homo-Ehe die rote Karte gezeigt. Jetzt öffnet sich der Weg für ein modernes Europa. So könnte man nach der Berichterstattung glauben. Die Schlagzeilen in deutschen Medien verkünden einen Triumph und würden am liebsten den Ja-Sagern für die Homoehe einen Heiligenschein aufsetzen, den die „Homo-Ehe“ fördernden Parteien einen roten Teppich ausrollen und der begeisterten Politprominenz eine Schwulenparade durch ganz Europa widmen.

Einige Schlagzeilen:

Spiegel-Online, 23.5.: „Volksentscheid: Mehrheit der Iren stimmt für die Homo-Ehe.”

„Das ist ein großer Tag für Irland“, sagte Gesundheitsminister Leo Varadkar. Er hatte erst im Januar seine eigene Homosexualität öffentlich gemacht. „Für mich persönlich ist das nicht nur ein Referendum, sondern eine soziale Revolution.“ (bos/AFP/dpa/Reuters)

www.heute.de, 24.5.: „Irland entfernt sich vom Katholizismus. Mit der Zulassung der Homo-Ehe muss die Kirche einen weiteren Nackenschlag hinnehmen. Schwule und Lesben feiern einen historischen Sieg. Die Steigbügel hielt ausgerechnet eine konservative Regierung.“

Focus, 23.5.: „Referendum in Irland – Mehrheit dafür: Irland stimmt für Homo-Ehe”

Die Welt, 23.5.: „Irland votiert klar für Zulassung der Homo-Ehe. Zeitenwechsel in Irland und Beleg für den schwindenden Einfluss der Kirche: Die Iren votieren klar für die Öffnung der Ehe für Homosexuelle. Die Wahlbeteiligung wird als „beispiellos” beschrieben.“

FAZ, 23.5.: „Mehr als 60 Prozent der Iren stimmen für Homo-Ehe. Mit einer überwältigenden Mehrheit haben die Iren für die Einführung der Homo-Ehe gestimmt. „Das ist ein großer Tag für Irland“, sagt Gesundheitsminister Varadkar.“

Was ist in Irland geschehen? Ein Referendum wurde durchgeführt über die Einführung einer „Ehe“, die nie eine Ehe sein kann, auch dann nicht, wenn alle Staaten der Erde ein solches Gesetz einführen würden. Die Ehe ist und bleibt, solange es Menschen gibt, die Einheit von Mann und Frau. Jeder Schwule und jede Lesbe verdankt sich der Partnerschaft von Mann und Frau. Ein Gesetz muss dem Wesen des Menschen entsprechen und darf nicht die Willkür orientierungsloser Propagandisten widerspiegeln. Ein Gesetz muss sinnvoll und allgemein anwendbar sein. Wenn sich aber die ganze Menschheit in Homos und Lesben auflösen würde, wäre sie am Ende. Wieviel Hoffnung für die Zukunft lässt sich mit einer Homo-Ehe verbinden? Tragen aber Politiker mit der Gesetzgebung nicht Verantwortung für eine Zukunft, die die gegenwärtige Generation weit übersteigt?

Wieviel Zustimmung erhielt die Homo-Ehe durch das Referendum? 62,1% der Abstimmenden sprachen sich für eine Homo-Ehe aus. Das sind 39,42% der Abstimmungsberechtigten überhaupt. Dagegen waren 37,8% der Abstimmenden. Das sind 23,99% der Abstimmungsberechtigten. Zusammen mit denen (35%), die nicht zur Urne gingen, sind es ca. 59% . Während sich nur 1,26 Mill. für die sog. Homo-Ehe aussprachen, haben sich 1,94 Mill. nicht dafür ausgesprochen. Wie kann man schreiben: „Mehrheit der Iren stimmt für die Homo-Ehe“ (Spiegel) oder „Irland votiert klar für Zulassung der Homo-Ehe“ (Die Welt)? Doch eines wird klar: Eine Demokratie wandelt sich zu einer Diktatur, wenn nicht mehr die dem Menschen und der menschlichen Würde vorgegebene Ordnung geachtet wird.

Papst Benedikt XVI. erklärte in seiner Berliner Rede vom 22. September 2011: „Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit.“

Autor Gerhard Stumpf ist Mitglied im „Forum Deutscher Katholiken”

Textquelle: Christliches Forum

Foto: Hochzeitsbank – Bildquelle: Alexander Hauk / www.bayern-nachrichten.de