In hoc signo vinces!

Die Schlacht an der Ponte Milvio.
Erstellt von Radio Vatikan am 31. Oktober 2012 um 21:24 Uhr
Kreuzigung Christi

Rom (kathnews/RV). Am 28. Oktober vor genau 1.700 Jahren kam es vor den Toren Roms zur berühmten Schlacht an der Milvischen Brücke, die einen wichtigen Wendepunkt im Leben der Christen darstellen sollte. Konstantin der Große, der seine Truppen gegen den Usurpator Maxentius führte, gewann die Schlacht. Dabei ging es um nichts weniger als die Alleinherrschaft über das Weströmische Reich, das Konstantin für sich allein beanspruchte. Der Legende nach erschien Konstantin vor der entscheidenden Schlacht ein Kreuz mit der Schrift „In hoc signo vinces“ – auf Deutsch: „In diesem Zeichen wirst du siegen“, so dass er das christliche Kreuzzeichen auf die Schilder seiner Soldaten malen ließ.

Der schließlich auch eintretende Sieg Konstantins markierte einen Einschnitt in der Geschichte der Christen, die von nun an keine Verfolgung mehr fürchten mussten und spürbare Erleichterungen in ihrem täglichen Leben erlebten. Legende und Historie lassen sich in der Geschichte Konstantins nur schwer trennen, so dass in den letzten Jahren die Forschungsanstrengungen vermehrt wurden. Anlässlich des Jubiläums der Schlacht von Ponte Milvio hat nun die Päpstliche Kommission für historische Studien ein Symposium mit dem Titel „Konstantin der Große an den Wurzeln Europas“ organisiert. Pater Angelo di Berardino ist selbst Professor und im wissenschaftlichen Beirat der Kommission. Im Radio Vatikan-Interview erklärt er, warum Konstantin für die Christen so wichtig war:

„Konstantin hat die Geschicke des Westens, des Nahen Ostens und in der Folge auch die Geschichte der slawischen Welt beeinflusst. Ausgangspunkt des Ganzen ist seine Bekehrung, die um die Schlacht von Ponte Milvio herum stattgefunden haben soll. Insbesondere in den Ostkirchen wird Konstantin auch als Heiliger verehrt. Die Forschung der vergangenen Jahre hat die Konversion Konstantins unter neuen Gesichtspunkten betrachtet. Vor allem beginnt Konstantin, und das ist historisch verbürgt, sofort nach der Schlacht von Ponte Milvio, die Christen durch Gesetze und Dekrete bevorzugt zu behandeln. Aber er ist gleichzeitig auch noch ein Priester der offiziellen heidnischen Religion. Deshalb gewährt er in gewisser Weise seine Sympathien und seine Unterstützung den Christen, bleibt aber gleichzeitig bei der überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung, die immer noch heidnisch ist.“

Es gebe, so Pater di Berardino, weitere wichtige Ereignisse im Leben des Herrschers, die nur langsame, aber doch deutliche Konsequenzen gehabt hätten. Dazu zählten beispielsweise sein Sieg über einen weiteren Kontrahenten, Licinius, der ihm die Herrschaft über das gesamte römische Reich sicherte, oder der Moment, in dem aus der Stadt Byzanz die nach ihm benannte Metropole Konstantinopel geworden sei. Außerdem habe Konstantin das erste Ökumenische Konzil, nämlich das Konzil von Nizäa, einberufen, das den ersten Schritt zu einer Beilegung des arianischen Streits unter anderem über die Trinitätslehre darstellte. Nicht zuletzt aber sei seine Taufe bedeutsam, die er offenbar erst kurz vor seinem Tod empfangen hatte:

„Er ist nämlich nicht getauft worden, als er nach Rom einmarschiert ist, im Jahr 313 oder jedenfalls in dieser Zeit, wie es auf dem Obelisken von San Giovanni geschrieben steht. Die Schrift ist an die Legende gebunden, die in späterer Zeit aufgebaut wurde, um Konstantin vor dem Vorwurf des Arianismus zu schützen. Man versuchte, es so darzustellen, als wäre Konstantin in dieser Zeit von Papst Silvester getauft worden, um zu verhindern, dass er mit dem Arianismus in Verbindung gebracht werden könnte. Die Wahrheit ist aber, dass er auf dem Sterbebett in der Stadt Nicomedia getauft worden war.“

Im Zuge dieser Legendenbildung sei auch die fabelhafte Schenkung zu sehen, die Konstantin angeblich der Kirche gemacht habe. Das Dokument, auf das man sich Jahrhunderte lang bezogen habe, sei aber erst in viel späterer Zeit erstellt worden und habe nichts mit Konstantin zu tun – auch wenn er den Christen unbestrittene Vorteile verschafft habe, sei es materieller, sei es immaterieller Art. Die Forschung habe bis zum heutigen Tag viel Arbeit geleistet, um Konstantin auch als historische Figur bewerten zu können. Sicher ist: Die Verfolgungen, denen die Christen lange Zeit ausgesetzt waren, hörten mit der Regentschaft Konstantins auf. Sein Sieg an der Milvischen BrĂĽcke und sein daraus folgender Machtzuwachs ermöglichten das Mailänder Dekret von 313, die den Bewohnern des gesamten Römischen Reiches Religionsfreiheit garantierte.

Die folgende „Konstantinische Wende“ fĂĽhrte zum unaufhaltsamen Aufstieg des Christentums als Staatsreligion – und damit wurde letztlich einer der Grundsteine fĂĽr die Geburt eines unter dem christlichen Gedankengut vereinten Europas gelegt.

Foto: Kreuzigung Christi – Bildquelle: Manuel GĂłmez

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