In der Beichte schafft Gott uns immer wieder neu

Gedanken zu einem vergessenen Sakrament.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 17. September 2014 um 13:57 Uhr
Foto: Beichtstuhl, St. Leonhard in Leonberg

Von Markus Lederer:

Unsere Gesellschaft leidet krĂ€nklich an einer Vergebungsresistenz. Diese Krise hĂ€ngt eng zusammen mit dem Verschwinden der heiligen Beichte. Oftmals findet sich heute eine MentalitĂ€t, die Mitmenschen nach Fehlern an den Galgen schicken möchte. Besonders im Fall Hoeneß wurde dies deutlich. Die heilige Beichte ist das erste Geschenk, dass der auferstandene Christus uns hinterlĂ€sst: „Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich auch euch. Empfangt den Heiligen Geist! Denen ihr die SĂŒnden nachlasst, denen sind sie nachgelassen; und denen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.“ (vgl. Joh 20,21 – 23). So bleibt als erstes festzuhalten, dass die heilige Beichte, wie alle Sakramente, von Christus persönlich eingesetzt wurde.

Alles kann vergeben werden

Der Heilige Augustinus macht deutlich: „Es gibt zwei Arten, Gutes zu tun: geben und vergeben.“ FĂŒr die Vergebung sind natĂŒrlich das eigene Erkennen der eigenen UnzulĂ€nglichkeit und die Reue konstitutiv. Wenn diese gegeben sind, ist alles Vergeben nicht vergebens. Beim Erkennen dessen, werden wir die wahre Ruhe in unseren Herzen finden. Denn dann entwickelt sich der richtende Blick von den anderen auf mich selbst zurĂŒck. „Richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammet nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebet, so wird euch vergeben.“ (Lk 6,37) Es geht also nicht darum, Fehler stĂ€ndig bei meinen Mitmenschen zu suchen, sondern vielmehr mein eigenes Verhalten zu beobachten und stĂ€ndig auf die Wahrheit auszurichten, die in Christus Fleisch wurde. „Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an;  er ist selbst die Wahrheit, die nicht trĂŒgen kann.“ (Lied „Gottheit tief verborgen“)

Zu dieser Wahrheit zĂ€hlt auch der Umgang Christi mit SĂŒndern. Er isoliert sich nicht von ihnen, er geht auf sie zu. Beispielsweise geht er auf die Ehebrecherin (vgl. Johannes 8,1-11) zu und spricht zu denen, die sie steinigen wollen: „Wer ohne SĂŒnde ist, werfe den ersten Stein.“ Und:„ Jesus aber richtete sich auf und sprach zu ihr: Frau, wo sind sie? Hat niemand dich verurteilt? Sie aber sprach: Niemand, Herr. Jesus aber sprach zu ihr: Auch ich verurteile dich nicht. Geh hin und sĂŒndige von jetzt an nicht mehr!“

Sind wir Richter?

Abschließend muss fĂŒr uns nun die Frage aufkommen, ob wir Richter sind oder nicht? Richten wir ĂŒber SĂŒnder? Richten wir ĂŒber die UnzulĂ€nglichkeiten unserer Mitmenschen? Klar ist, dass wenn wir richten, im Prinzip fĂŒr unsere Mitmenschen nichts tun. Der Maßstab Christi ist deutlich: „Seht euch also vor! Wenn dein Bruder sĂŒndigt, weise ihn zurecht, und wenn er sein Unrecht einsieht, vergib ihm. Selbst wenn er siebenmal am Tag gegen dich sĂŒndigt und siebenmal wieder zu dir kommt und sagt: Ich will es nicht mehr tun, sollst du ihm vergeben.“ (Lk 17,3-4) Also gilt es die mahnenden Worte des Sohnes Gottes glĂ€ubig anzunehmen und milde mit meinen Mitmenschen umzugehen. Selbst dem grĂ¶ĂŸten SĂŒnder ist die Vergebung zugĂ€nglich und kein grelles bloßstellendes Licht.

Er ist der gute Hirt, der alle Schafe liebevoll annimmt. Und trauen wir uns wieder ehrlich zu uns selbst zu sein und alle unsere Fehler in der heiligen Beichte ihm anzuvertrauen. Ihm, der der Weg die Wahrheit und das Leben ist. (vgl. Joh 14,6)

„Gott erschafft mehr als eine neue Welt in uns in jeder Heiligen Beichte.“ (Pfarrer von Ars)

Foto: Beichtstuhl, St. Leonhard in Leonberg – Bildquelle: Andreas Gehrmann

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