„Historische Landschaften Italiens“ – Eine Sammlung von Aufsätzen, die mehr sind als nur Reiseberichte

Eine Buchbesprechung von Martin Bürger.
Erstellt von Martin Bürger am 30. Dezember 2019 um 08:20 Uhr

Das Buch „Historische Landschaften Italiens“ von Arnold Esch beinhaltet laut Untertitel „Wanderungen zwischen Venedig und Syrakus“. Es handelt sich jedoch nicht, wie man vermuten könnte, um einen Reiseführer, und auch nicht um einen echten Reisebericht. Vielmehr komponiert der Autor mithilfe der Erkenntnisse von Geschichte und Archäologie, aber auch durch seine Kenntnisse der Literatur und der Malerei, außerordentlich schöne Beschreibungen verschiedener italienischen Landschaften im Laufe der Jahrhunderte.

Esch erläutert in seiner Einführung: „Die folgenden Beobachtungen sind das Ergebnis von Wanderungen vieler italienischer Jahre. Sie wollen kein Reiseführer zu Landschaftsidyllen sein, sonder der Versuch, Natur und Geschichte – die in diesem Land beide ihre höchste Steigerung erfahren haben – in ihrem innigen Zusammenhang zu sehen.“

Im Kapitel „Landschaft des frühen Mittelalters“ beschreibt der langjährige Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom, wie einmal im Jahr die vergessenen Kirchen am Wegesrand wieder mit Leben erfüllt werden: „Solche entlegenen Landkirchen beleben sich einmal im Jahr, wenn zum Patronatsfest eine Bruderschaft das Gebäude aufs Schönste schmückt und nach der Messe im Schatten der umstehenden Bäume eine kleine Bewirtung bietet.“

Interessant ist beispielsweise auch, welche Rolle die Kirchengeschichte bei der Erforschung der Stadtgeschichte von Venedig spielt: „Mit der Besiedelung einer Insel ging immer auch die Errichtung einer Kirche einher, die bei wachsender Menschenzahl zur Pfarrkirche wurde. Insofern sagt das Pfarreiensystem Venedigs, wie von der Forschung bald erkannt wurde, viel über die frühe Besiedlung aus: aus der Lage der frühesten Pfarrbezirke läßt sich annähernd Venedigs Inselwelt in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung konstruieren.“

Schließlich sei noch das Kapitel „Fremde Landschaft und vertraute Landschaft in Reiseberichten des späten Mittelalters“ erwähnt. Das Problem ist ein handfestes: Wie beschreibt man einem einheimischen Publikum, das im Mittelalter kaum über einen Tagesmarsch aus dem eigenen Dorf herausgekommen ist, eine Stadt wie Jerusalem oder Bethlehem? „Das Mittelalter bewältigte diese Probleme durch den Vergleich: indem es fremde Gebirge mit heimischen verglich, ferne Flüsse mit nahen, unbekannte Städte mit vertrauten.“

„Historische Landschaften Italiens“ ist kein katholisches Buch, aber ein schönes Buch. Und daher für Katholiken auch unbedingt lesenswert.

Von Martin Bürger

Bibliografische Informationen:

Historische Landschaften Italiens
978-3-406-72565-4
Erschienen am 18. September 2018
3. Auflage, 2019
368 S., mit 60 Abbildungen
Hardcover
Preis: 29,95 €
Auch als E-Book erhältlich: 24,99 €
Verlag C.H.Beck oHG

Foto: Historische Landschaften Italiens – Bildquelle: Verlag C.H.Beck oHG