„Herr, ich gehe unter, befreie mich!“

19. Sonntag der sog. ordentlichen Form des Römischen Ritus. Kirchenjahr A. Homilie des heiligen Augustinus. S. 76: PL 38, 479. Übersetzung aus dem Lateinischen: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 8. August 2020 um 13:50 Uhr
Evangeliar

Das Evangelium handelt über Christus, den Herrn, der auf dem Wasser des Sees wandelte, und über den Apostel Petrus, der in Furcht wandelte und schwankte. Beim Zweifeln ist er untergangen, beim Bekenntnis wieder aufgestiegen.

Das Evangelium ruft uns in Erinnerung, dass diese Welt das Meer, der Apostel Petrus das Bild der einen Kirche ist. Denn Petrus selber ist der Ordnung nach der Erste und in der Liebe Christi beweist er das Höchstmaß an Bereitschaft.  Nur er antwortet oft für alle. Bei der Frage Jesu, für wen die Menschen ihn halten würden, und bei der Antwort der Jünger, die Menschen hätten unterschiedliche Meinungen, und bei der erneuten Frage des Herrn: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ antwortete Petrus: „Du bist Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Der eine gab für die vielen die Antwort, die Einheit unter den vielen.

Im Blick auf dieses Glied der Kirche wollen wir unterscheiden, was von  Gott, was von uns stammt. Dann werden auch wir nicht schwanken, werden auf dem Fels gegründet sein, werden fest und standhaft sein gegen Windstürme, Regenfälle, Flüsse, gegen die Versuchungen der gegenwärtigen Zeit. Doch jener  Petrus, in dem wir uns selber erkennen, zeigt mal Vertrauen, mal schwankt er, mal bekennt er sich zum Unsterblichen, mal erfaßt ihn Todesfurcht. Weil die Kirche Christi schwache Menschen hat, gibt es in ihr auch starke. Sie kann nicht ohne schwache Menschen bestehen, aber auch nicht ohne starke. Mit jenen Worten: „Du bist Christus, der Sohn Gottes“, gibt Petrus an, dass es starke Menschen gibt. Insofern er aber unsicher ist und schwankt und das Leiden Christi aus Furcht vor dem Tod und weil er das Leben nicht anerkennt, ablehnt, weist er auf die Schwachen in der Kirche hin. In jenem einen Apostel also, das heißt in Petrus, dem ersten und vornehmsten im Rang der Apostel, in dem die Kirche dargestellt wurde, mussten beide Arten angedeutet werden, das heißt die starken und die schwachen Menschen. Denn ohne die beiden besteht die Kirche nicht.

Daher also auch, das jetzt gelesen worden ist: „Herr, wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme.“ Also wandelte Petrus auf dem Wasser, dem Befehl des Herrn folgend, im Wissen darum, dass er dazu aus sich nicht zu tun imstande war. Durch den Glauben vermochte er, was menschliche Schwachheit nicht vermochte. Das sind die Schwachen der Kirche. Der Herr hat Gefallen daran, dass der Mensch das vermag, wozu er als Mensch nicht in der Lage ist. „Komm“, sagte er. „Da stieg er aus dem Boot und ging über dem Wasser.“ Petrus vermochte es, denn der Fels hatte es befohlen. Wozu war Petrus im Herrn in der Lage, was vermochte aus eigener Kraft?  Als er einen heftigen Wind sah, fürchtete er sich. Und als er begann unterzugehen, schrie er: „Herr, ich ertrinke, rette mich.“ Er hoffte auf den Herrn, und er konnte es wegen des Herrn. Er schwankte als Mensch, er ging zurück zum Herrn. Dieser streckte sofort die helfende Hand aus, zog den Untergehenden heraus und tadelte ihn wegen seines Mangels an Vertrauen: „Du Kleingläubiger.“

Brüder, wir müssen zum Schluss kommen. Gebt auf die Welt acht gleichsam wie auf das Meer, den stürmischen Wind, den großen Sturm. Ein jeder erfährt seine Begierde, seinen Sturm. Du liebst Gott. Du wandelst auf dem Meer, unter deinen Füßen wallt die Welt auf. Du liebst die Welt. Sie wird dich aufsaugen. Sie weiß die, die ihr ergeben sind, zu verschlingen, nicht zu tragen. Doch wenn dein Herz durch die Begierde im Meer treibt, rufe die Gottheit Christi um Hilfe, damit du eine Begierde bezwingst. Und wenn dein Fuß zittert, wenn du schwangst, wenn du nicht auf irgendeine Weise die Gefahren überwindest, wenn du unterzugehen drohst, dann sage: Herr, ich gehe unter, befreie mich. Er alleine befreit dich vom Tode des Fleisches, er, der im Fleische für dich gestorben ist.

Foto: Evangeliar – Bildquelle: Kathnews

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