Heilige Schrift und Glaube der Kirche

Karfreitag: Feier des Leidens des Herrn. „Der Tod Christi ist das österliche Opfer, worin „das Lamm Gottes, das die SĂŒnde der Welt hinwegnimmt", die endgĂŒltige Erlösung der Menschen vollzieht. Zugleich ist er das Opfer des Neuen Bundes, das den Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott versetzt, indem er den Menschen mit Gott versöhnt durch das „Blut, ... das fĂŒr viele vergossen wird zur Vergebung der SĂŒnden.“ (KKK, Nr. 613).
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 24. MĂ€rz 2016 um 22:35 Uhr
Kreuzigung Christi

Der Glaube der Kirche geht im Kontext der Liturgie von selbst aus der Heiligen Schrift hervor. „Der Katechismus der Katholischen Kirche ist ein Beispiel fĂŒr die Einheit der ganzen Schrift, fĂŒr die lebendige Überlieferung der Gesamtkirche und die Analogie des Glaubens (Homiletisches Direktorium, Nr. 23). Er hilft Priestern und GlĂ€ubigen, „das Wort Gottes, den Glauben der Kirche, die moralischen Forderungen des Evangeliums und (die) persönliche und die liturgische SpiritualitĂ€t im Zusammenhang zu sehen“ (Homiletisches Direktorium, Anhang).

Es folgen hier die Texte des Katechismus der Katholischen Kirche zu den Lesungen der Karfreitagsliturgie in der sog. ordentlichen Form des  Römischen Ritus (Zusammenstellung: Gero P. Weishaupt. Quelle: Homiletisches Direktorium der Kongregation fĂŒr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung).

Lesungen in der heiligen Messe

Apg 10, 34a.37-43Er wurde durchbohrt wegen unserer Missetaten

1 Kor 5, 6b-8

Er hat den Gehorsam gelernt und ist fĂŒr alle, die ihm gehorchen, der Urheber des Heils geworden

Joh 20, 1-9Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus

 

Aus dem Katechismus der Katholischen Kirche

Der Leidensweg Christi

602 Darum kann der hl. Petrus den apostolischen Glauben an den göttlichen Heilsplan so formulieren: „Ihr wißt, daß ihr aus eurer sinnlosen, von den VĂ€tern ererbten Lebensweise … losgekauft wurdet … mit dem kostbaren Blut Christi, des Lammes ohne Fehl und Makel. Er war schon vor der Erschaffung der Welt dazu ausersehen, und euretwegen ist er am Ende der Zeiten erschienen“ (1 Petr 1,18-20). Die auf die UrsĂŒnde folgenden SĂŒnden der Menschen werden mit dem Tod geahndet [Vgl. Röm 5,12; 1 Kor 15,56.]. Indem Gott seinen eigenen Sohn in der Gestalt eines Sklaven [Vgl. Phil 2,7.], einer gefallenen und infolge der SĂŒnde dem Tod preisgegebenen Menschennatur [Vgl. Röm 8,3.] sandte, hat er „den, der keine SĂŒnde kannte, fĂŒr uns zur SĂŒnde gemacht, damit wir in ihm Gerechtigkeit Gottes wĂŒrden“ (2 Kor 5,21).

603 Jesus ist nicht [von Gott] verworfen worden, als hĂ€tte er selbst gesĂŒndigt [Vgl. Job 8,46.]. Vielmehr hat er uns in seiner Erlöserliebe, die ihn immer mit dem Vater verband [Vgl. Job 8,29.], so sehr angenommen in der Gottferne unserer SĂŒnde, daß er am Kreuz in unserem Namen sagen konnte: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mk 15,34; Ps 22,2). Da ihn Gott so solidarisch mit uns SĂŒndern gemacht hat, „hat er seinen eigenen Sohn nicht verschont, sondern ihn fĂŒr uns alle hingegeben“ (Röm 8,32), damit wir „mit Gott versöhnt [werden] durch den Tod seines Sohnes“ (Röm 5,10).

604 Indem er seinen Sohn fĂŒr unsere SĂŒnden dahingab, zeigte Gott, daß, was er fĂŒr uns plant, ein Ratschluß wohlwollender Liebe ist, die jedem Verdienst von unserer Seite vorausgeht: „Nicht darin besteht die Liebe, daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn als SĂŒhne fĂŒr unsere SĂŒnden gesandt hat“ (1 Joh 4,10) [Vgl. 1 Job 4,19.]. „Gott aber hat seine Liebe zu uns darin erwiesen, daß Christus fĂŒr uns gestorben ist, als wir noch SĂŒnder waren“ (Röm 5,8).

605 Diese Liebe schließt niemanden aus. Jesus sagt das anhand des Gleichnisses vom verlorenen Schaf: „So will auch euer himmlischer Vater nicht, daß einer von diesen Kleinen verlorengeht“ (Mt 18,14). Er erklĂ€rt, er gebe sein Leben hin „als Lösegeld fĂŒr viele“ (Mt 20,28). Der Ausdruck „fĂŒr viele“ ist nicht einengend, sondern stellt die ganze Menschheit der einzigen Person des Erlösers gegenĂŒber, der sich hingibt, um sie zu retten [Vgl. Röm 5, 18-19.]. Im Anschluß an die Apostel [Vgl. 2 Kor 5,15; 1 Job 2,2.]lehrt die Kirche, daß Christus ausnahmslos fĂŒr alle Menschen gestorben ist: „Es gibt keinen Menschen, es hat keinen gegeben und wird keinen geben, fĂŒr den er nicht gelitten hat“ (Syn. v. Quiercy 853: DS 624).

606 Der Sohn Gottes, der „nicht vom Himmel herabgekommen“ ist, um seinen „Willen zu tun, sondern den Willen“ des Vaters, der ihn „gesandt hat“ (Joh 6,38), „spricht … bei seinem Eintritt in die Welt: … ‚Ja, ich komme, um deinen Willen, Gott, zu tun‘ … Aufgrund dieses Willens sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein fĂŒr allemal geheiligt“ (Hebr 10,5-10). Schon im ersten Augenblick seiner Menschwerdung macht sich der Sohn den göttlichen Heilsplan seiner Sendung als Erlöser zu eigen: „Meine Speise ist es, den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat, und sein Werk zu Ende zu fĂŒhren“ (Joh 4,34). Die Selbstaufopferung Jesu „fĂŒr die SĂŒnden der ganzen Welt“ (1 Joh 2,2) ist Ausdruck seiner liebenden Gemeinschaft mit dem Vater: „Deshalb liebt mich der Vater, weil ich mein Leben hingebe“ (Joh 10,17). „Die Welt soll erkennen, daß ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat“ (Joh 14,31).

607 Dieses Verlangen, sich den liebenden Erlösungsratschluß seines Vaters zu eigen zu machen, beseelt das ganze Leben Jesu [Vgl. Lk 12,50; 22,15; Mt 16,21-23.], denn seine erlösende Passion ist der Grund seiner Menschwerdung: „Soll ich sagen: ‚Vater, rette mich aus dieser Stunde?‘ Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen“ (Joh 12,27). „Der Kelch, den mir der Vater gereicht hat – soll ich ihn nicht trinken?“ (Joh 18,11). Und noch am Kreuz sagt er: „Mich dĂŒrstet“ (Joh 19,28), und dann erst: „Es ist vollbracht!“ (Joh 19,30).

608 Johannes der TĂ€ufer hat zugestimmt, Jesu wie die SĂŒnder zu taufen [Vgl. Lk 3,21; Mt 3,14-15.]. „Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die SĂŒnde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1, 29) [Vgl. Job 1,36.]. Er bezeugt so, daß Jesus der Gottesknecht ist, der sich schweigend zur Schlachtbank fĂŒhren lĂ€ĂŸt [Vgl. Jes 53,7; Jer 11,19.]und die SĂŒnde der vielen trĂ€gt [Vgl. Jes 53,12.], und zugleich das Osterlamm, das Sinnbild der Erlösung Israels beim ersten Pascha [Vgl. Ex 12,3-11; Job 19,36; 1 Kor 5,7.]. Das ganze Leben Christi ist Ausdruck seiner Sendung, „zu dienen und sein Leben hinzugeben als Lösegeld fĂŒr viele“ (Mk 10,45).

609 Da Jesus die Liebe des Vaters zu den Menschen in sein menschliches Herz aufnahm, „erwies er ihnen seine Liebe bis zur Vollendung“ (Job 13,1), denn „es gibt keine grĂ¶ĂŸere Liebe, als wenn einer sein Leben fĂŒr seine Freunde hingibt“ (Joh 15,13). So wurde seine Menschennatur im Leiden und Sterben zum freien und vollkommenen Werkzeug seiner göttlichen Liebe, die das Heil der Menschen will [Vgl. Hebr 2,10.17-18; 4,15; 5,7-9.]. Aus Liebe zu seinem Vater und zu den Menschen, die der Vater retten will, nahm er sein Leiden und seinen Tod freiwillig auf sich: „Niemand entreißt [mir mein Leben], sondern ich gebe es aus freiem Willen hin“ (Job 10,18). Darum ging der Sohn Gottes in souverĂ€ner Freiheit dem Tod entgegen [Vgl. Job 18,4-6; Mt 26,53.].

610 „In der Nacht, in der er ausgeliefert wurde“ (1 Kor 11,23), gab Jesus seiner freien Hingabe feierlich Ausdruck im Mahl mit den zwölf Aposteln [Vgl. Mt 26,20.]. Am Abend vor seinem Leiden, als er noch in Freiheit war, machte Jesus dieses letzte Mahl mit seinen Aposteln zur Gedenkfeier der freiwilligen Hingabe seiner selbst an den Vater [Vgl. 1 Kor 5,7.]zum Heil der Menschen: „Das ist mein Leib, der fĂŒr euch hingegeben wird“ (Lk 22,19); „das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das fĂŒr viele vergossen wird zur Vergebung der SĂŒnden“ (Mt 26,28).

611 Die Eucharistie, die Jesus in dieser Stunde einsetzt, wird zum „GedĂ€chtnis“ (1 Kor 11,25) seines Opfers. Er nimmt die Apostel in seine eigene Hingabe hinein und fordert sie auf, diese weiterzufĂŒhren [Vgl. Lk 22,19.]. Damit setzt er seine Apostel zu Priestern des Neuen Bundes ein: „Ich heilige mich fĂŒr sie, damit auch sie in der Wahrheit geheiligt sind“ (Joh 17, 19) [Vgl. K. v. Trient: DS 1752; 1764.].

612 Den Kelch des Neuen Bundes, den Jesus in seiner Darbringung beim Abendmahl vorweggenommen hatte [Vgl. Lk 22,20.], nahm er in seiner Todesangst in Getsemani aus den HĂ€nden des Vaters entgegen [Vgl. Mt 26,42.], indem er „gehorsam war bis zum Tod“ (Phil 2,8) [Vgl. Hebr 5,7-8.]. Jesus betet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorĂŒber (Mt 26,39). Er Ă€ußert so den Abscheu, den seine menschliche Natur vor dem Tod empfindet. Wie unsere Natur ist die seine ja zum ewigen Leben bestimmt; aber im Unterschied zu der unseren ist sie völlig frei von SĂŒnde [Vgl. Hebr 4,15.], die den Tod nach sich zieht [Vgl. Röm 5,12.]; vor allem aber ist sie in die göttliche Person des „Urhebers des Lebens“ (Apg 3,15), des „Lebendigen“ (Offb 1, 18) [Vgl. Job 1,4; 5,26.] aufgenommen. Mit seinem menschlichen Willen stimmt er zu, daß der Wille des Vaters geschieht [Vgl. Mt 26,42.], und nimmt so den Tod als Erlösungstod an, um „unsere SĂŒnden mit seinem Leib auf das Holz zu tragen“ (1 Petr 2,24).

613 Der Tod Christi ist das österliche Opfer, worin „das Lamm Gottes, das die SĂŒnde der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29) [Vgl. 1 Petr 1,19.], die endgĂŒltige Erlösung der Menschen vollzieht [Vgl. 1 Kor 5,7; Job 8,34-36.]. Zugleich ist er das Opfer des Neuen Bundes [Vgl. 1 Kor 11,25.], das den Menschen wieder in die Gemeinschaft mit Gott versetzt [Vgl. Ex 24,8.], indem er den Menschen mit Gott versöhnt durch das „Blut, … das fĂŒr viele vergossen wird zur Vergebung der SĂŒnden“ (Mt 26,28) [Vgl. Lev 16,15-16.].

614 Dieses Opfer Christi ist einmalig; es vollendet und ĂŒberholt alle Opfer [Vgl. Hebr 10,10.].Es ist zunĂ€chst eine Gabe Gottes des Vaters selbst: Der Vater gibt seinen Sohn dahin, um uns mit sich zu versöhnen [Vgl. 1 Joh 4,10.]. Gleichzeitig ist es eine Opfergabe des menschgewordenen Gottessohnes, der aus freiem Willen und aus Liebe [Vgl. Job 15,13.] im Heiligen Geist [Vgl. Hebr 9,14.] sein Leben [Vgl. Joh 10, 17-18.] seinem Vater darbringt, um unseren Ungehorsam zu sĂŒhnen.

615 „Wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die vielen zu SĂŒndern wurden, so werden auch durch den Gehorsam des einen die vielen zu Gerechten gemacht werden“ (Röm 5,19). Durch seinen Gehorsam bis zum Tod wurde Jesus zum leidenden Gottesknecht, der stellvertretend „sein Leben als SĂŒhnopfer hingab“, „die SĂŒnden von vielen trug“ und so „die vielen gerecht macht“, indem er „ihre Schuld auf sich lĂ€dt“ (Jes 53,10-12). Jesus hat unsere SĂŒnden wiedergutgemacht und Gott dem Vater fĂŒr sie Genugtuung [Vgl. K. v. Trient: DS 1529.].

616 Die „Liebe bis zur Vollendung“ (Job 13,1) gibt dem Opfer Christi seinen Wert und bewirkt, daß es erlöst und wiedergutmacht, sĂŒhnt und Genugtuung leistet. Jesus hat bei der Hingabe seines Lebens um uns alle gewußt, uns alle geliebt [Vgl. Gal 2,20; Eph 5,2.25.]. „Die Liebe Christi drĂ€ngt uns, da wir erkannt haben: Einer ist fĂŒr alle gestorben, also sind alle gestorben“ (2 Kor 5,14). Kein Mensch, selbst nicht der grĂ¶ĂŸte Heilige, wĂ€re imstande, die SĂŒnden aller Menschen auf sich zu laden und sich als Opfer fĂŒr alle darzubringen. Doch kraft der göttlichen Person des Sohnes in Christus, die ĂŒber alle menschlichen Personen hinausgeht und sie zugleich umfĂ€ngt, und Christus zum Haupt der ganzen Menschheit macht, kann das Opfer Christi fĂŒr alle erlösend sein.

617 „Durch sein heiligstes Leiden am Holz des Kreuzes verdiente er uns Rechtfertigung“, lehrt das Konzil von Trient (DS 1529) und betont so den einzigartigen Charakter des Opfers Christi als des „Urhebers des ewigen Heils“ (Hebr 5,9). Und die Kirche verehrt das Kreuz, indem sie singt: „O heiliges Kreuz, sei uns gegrĂŒĂŸt, du einzige Hoffnung dieser Welt“ (LH, Hymnus „Vexilla regis“).

618 Der Kreuzestod ist das einmalige Opfer Christi, des „einzigen Mittlers zwischen Gott und den Menschen“ (1 Tim 2,5). Doch weil er sich in seiner menschgewordenen göttlichen Person „gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt“ hat (GS 22,2), bietet sich allen „die Möglichkeit …‚ sich mit diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise zu verbinden“ (GS 22,5). Jesus fordert seine JĂŒnger auf, ihr „Kreuz auf sich“ zu nehmen und ihm nachzufolgen (Mt 16,24), denn er „hat fĂŒr [uns] gelitten und [uns] ein Beispiel gegeben, damit [wir] seinen Spuren“ folgen (1 Petr 2,21). Er will diejenigen, denen sein Erlösungsopfer zuerst zugutekommt, an diesem Opfer beteiligen [Vgl. Mk 10,39; Job 21,18-19; Kol 1,24.]. Das gilt vor allem fĂŒr seine Mutter, die in das Mysterium seines erlösenden Leidens tiefer hineingenommen wird als jeder andere Mensch [Vgl. Lk 2.35.]. „Es gibt keine andere Leiter, um zum Himmel emporzusteigen, als das Kreuz“ (Rosa v. Lima, Vita).

1992 Die Rechtfertigung wurde uns durch das Leiden Christi verdient, der sich am Kreuz als lebendige, heilige, Gott wohlgefĂ€llige Opfergabe dargebracht hat und dessen Blut zum Werkzeug der SĂŒhne fĂŒr die SĂŒnden aller Menschen geworden ist. Die Rechtfertigung wird uns durch die Taufe, das Sakrament des Glaubens, gewĂ€hrt. Sie lĂ€ĂŸt uns der Gerechtigkeit Gottes gleichförmig werden, der uns durch die Macht seiner Barmherzigkeit innerlich gerecht macht. Die Rechtfertigung hat die Verherrlichung Gottes und Christi sowie die Gabe des ewigen Lebens zum Ziel [Vgl. K. v. Trient: DS 1529].

„Jetzt aber ist unabhĂ€ngig vom Gesetz die Gerechtigkeit Gottes offenbart worden, bezeugt vom Gesetz und von den Propheten: die Gerechtigkeit Gottes aus dem Glauben an Jesus Christus, offenbart fĂŒr alle, die glauben. Denn es gibt keinen Unterschied: Alle haben gesĂŒndigt und die Herrlichkeit Gottes verloren. Ohne es verdient zu haben, werden sie gerecht, dank seiner Gnade, durch die Erlösung in Christus Jesus. Ihn hat Gott dazu bestimmt, SĂŒhne zu leisten mit seinem Blut, 5ĂŒhne, wirksam durch Glauben. So erweist Gott seine Gerechtigkeit durch die Vergebung der SĂŒnden, die frĂŒher, in der Zeit seiner Geduld, begangen wurden; er erweist seine Gerechtigkeit in der gegenwĂ€rtigen zeit, um zu zeigen, daß er gerecht ist und den gerecht macht, der an Jesus glaubt“ (Röm 3,21-26).

Das Gebet Jesu

612 Den Kelch des Neuen Bundes, den Jesus in seiner Darbringung beim Abendmahl vorweggenommen hatte [Vgl. Lk 22,20.], nahm er in seiner Todesangst in Getsemani aus den HĂ€nden des Vaters entgegen [Vgl. Mt 26,42.], indem er „gehorsam war bis zum Tod“ (Phil 2,8) [Vgl. Hebr 5,7-8.]. Jesus betet: „Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorĂŒber (Mt 26,39). Er Ă€ußert so den Abscheu, den seine menschliche Natur vor dem Tod empfindet. Wie unsere Natur ist die seine ja zum ewigen Leben bestimmt; aber im Unterschied zu der unseren ist sie völlig frei von SĂŒnde [Vgl. Hebr 4,15.], die den Tod nach sich zieht [Vgl. Röm 5,12.]; vor allem aber ist sie in die göttliche Person des „Urhebers des Lebens“ (Apg 3,15), des „Lebendigen“ (Offb 1, 18) [Vgl. Job 1,4; 5,26.] aufgenommen. Mit seinem menschlichen Willen stimmt er zu, daß der Wille des Vaters geschieht [Vgl. Mt 26,42.], und nimmt so den Tod als Erlösungstod an, um „unsere SĂŒnden mit seinem Leib auf das Holz zu tragen“ (1 Petr 2,24).

2606 In diesem Schrei des menschgewordenen Wortes liegt alles Elend der Menschen aller Zeiten, von SĂŒnde und Tod geknechtet, und jede Bitte und FĂŒrbitte der Heilsgeschichte. Der Vater nimmt sie alle an und erhört sie in einer Weise, die ĂŒber alle menschliche Hoffnung hinausgeht, durch die Auferweckung seines Sohnes. Darin erfĂŒllt und vollendet sich der Weg des Gebetes in der Schöpfungs- und der Erlösungsordnung. In Christus erschließt uns das Buch der Psalmen das Gebet. Denn im „Heute“ der Auferstehung spricht der Vater: „Mein Sohn bist du. Heute habe ich dich gezeugt. Fordere von mir, und ich gebe dir die Völker zum Erbe, die Enden der Erde zum Eigentum“ (Ps 2,7_8) [Vgl. Apg 13.33].

Der HebrĂ€erbrief bringt dramatisch zum Ausdruck, wie das Gebet Jesu den Sieg des Heils bewirkt: „Als er auf Erden lebte, hat er mit lautem Schreien und unter TrĂ€nen Gebete und Bitten vor den gebracht, der ihn aus dem Tod retten konnte, und er ist erhört und aus seiner Angst befreit worden. Obwohl er der Sohn war, hat er durch Leiden den Gehorsam gelernt; zur Vollendung gelangt, ist er fĂŒr alle, die ihm gehorchen, der Urheber des ewigen Heils geworden“ (Hebr 5,7-9).

2741 Zudem betet Jesus an unserer Stelle und fĂŒr uns. Alle unsere Bitten sind ein fĂŒr allemal in seinen Schrei am Kreuz hineingenommen und vom Vater in seiner Auferstehung erhört worden. Deshalb hört Jesus nicht auf, beim Vater fĂŒr uns einzutreten‘. Wenn unser Gebet mit dem Vertrauen und mit der KĂŒhnheit eines Kindes mit dem Gebet Jesu vereint ist, erhalten wir alles, worum wir in seinem Namen bitten, und noch viel mehr als nur dieses oder jenes, nĂ€mlich den Heiligen Geist selbst, der alle Gaben in sich birgt.

467 Die sogenannten Monophysiten behaupteten, die menschliche Natur habe als solche in Christus zu bestehen aufgehört, als sie von seiner göttlichen Person, dem Sohne Gottes, angenommen wurde. GegenĂŒber dieser HĂ€resie hat 451 das vierte Ökumenische Konzil, das von Chalkedon, erklĂ€rt:

,,In der Nachfolge der heiligen VĂ€ter lehren wir alle ĂŒbereinstimmend, unseren Herrn Jesus Christus als ein und denselben Sohn zu bekennen; derselbe ist vollkommen in der Gottheit und derselbe ist vollkommen in der Menschheit; derselbe ist wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch aus vernunftbegabter Seele und Leib; derselbe ist der Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach uns wesensgleich, ,in allem uns gleich außer der SĂŒnde‘ (Hebr 4,15). Derselbe wurde einerseits der Gottheit nach vor den Zeiten aus dem Vater gezeugt, andererseits der Menschheit nach in den letzten Tagen unsertwegen und um unseres Heiles willen aus Maria, der Jungfrau [und] GottesgebĂ€rerin, geboren.

Ein und derselbe ist Christus, der einziggeborene Sohn und Herr‘ der in zwei Naturen unvermischt, unverĂ€nderlich, ungetrennt und unteilbar erkannt wird, wobei nirgends wegen der Einung der Unterschied der Naturen aufgehoben ist, vielmehr die EigentĂŒmlichkeit jeder der beiden Naturen gewahrt bleibt und sich in einer einzigen Person und einer einzigen Hypostase vereinigt“ (DS 301-302).

540 Die Versuchung zeigt, auf welche Weise der Sohn Gottes Messias ist, im Gegensatz zu der Rolle, die Satan ihm vorschlĂ€gt und in der die Menschen [Vgl. Mt 16,21-23.]ihn gerne sehen möchten. Darum hat Christus den Vesucher fĂŒr uns besiegt. ,,Wir haben ja nicht einen Hohenpriester, der nicht mitfĂŒhlen könnte mit unserer SchwĂ€che, sondern einen, der in allem wie wir in Versuchung gefĂŒhrt worden ist, aber nicht gesĂŒndigt hat“ (Hebr 4,15). Durch die vierzigtĂ€gige Fastenzeit vereint sich die Kirche jedes Jahr mit dem Mysterium Jesu in der WĂŒste.

1137 Die Apokalypse des hl. Johannes, die in der Liturgie der Kirche gelesen wird, offenbart zunĂ€chst: „Ein Thron stand im Himmel; auf dem Thron saß einer“ (Offb 4,2): Gott „der Herr“ (Jes 6,1)[Vgl. Ez 1,26-28]. Sodann sieht der hi. Johannes das Lamm, das aussah „wie geschlachtet“ (Offb 5,6)[Vgl. Joh 1,29]: es ist der gekreuzigte und auferweckte Christus, der einzige Hohepriester des wahren Heiligtums [Vgl. z.B. Hebr 4,14-15; 10. 19-21], der zugleich „opfert und geopfert wird, darbringt und dargebracht wird“ (Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus, Hochgebet). Schließlich zeigt sich „ein Strom, Wasser des Lebens … er geht vom Thron Gottes und des Lammes aus“ (Offb 22,1) – eines der schönsten Sinnbilder fĂŒr den Heiligen Geist [Vgl. Joh 4,10-14. Offb 21,6].

Christi Gehorsam und unser Gehorsam

2825 Jesus hat, „obwohl er der Sohn war … durch Leiden den Gehorsam gelernt“ (Hebr 5,8). Wieviel mehr gilt das fĂŒr uns Geschöpfe und SĂŒnder, die in Jesus an Kindes Statt angenommen wurden! Wir bitten unseren Vater, unseren Willen mit dem seines Sohnes zu vereinen, damit wir seinen Willen, den Ratschluß des Heiles fĂŒr das Leben der Welt, erfĂŒllen. Aus uns selbst sind wir dazu völlig unfĂ€hig, aber mit Jesus vereint und mit der Kraft seines Heiligen Geistes können wir dem Vater unseren Willen ĂŒbergeben und uns zu dem entschließen, wozu sich der Sohn stets entschieden hat: Das zu tun, was dem Vater gefĂ€llt.

Wenn wir Christus anhĂ€ngen, „können wir mit ihm ein einziger Geist werden und dadurch seinen Willen erfĂŒllen; so wird dieser auf Erden wie im Himmel vollkommen erfĂŒllt“ (Origenes, or. 26).

„Seht, wie Jesus Christus uns Demut lehrte, indem er uns zu verstehen gab, daß die Tugend nicht nur ein Werk unseres Eifers ist sondern auch der Gnade Gottes. Auch hier hieß er wieder einen jeden von uns, im Gebet auf das Wohl der ganzen Welt bedacht zu sein. Er sagte nĂ€mlich nicht: ‚Es geschehe dein Wille‘ an mir oder an euch, sondern: ‚auf der ganzen Welt [Vgl. Joh 8,29], auf daß aller Irrtum verschwinde, die Wahrheit erscheine, jegliches Böse ausgerottet werde, die Tugend Einzug halte und so kein Unterschied mehr bestehe zwischen Himmel und Erde“ (Johannes Chrysostornus, horn. in Mt 19,5).

Foto: Kreuzigung Christi – Bildquelle: Manuel GĂłmez

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