Heilige Schrift und Glaube der Kirche

GrĂŒndonnerstag: GedĂ€chtnisfeier des letzten Abendmahles. „Um ihnen ein Unterpfand dieser Liebe zu hinterlassen und sie an seinem Pascha teilnehmen zu lassen, stiftete er als GedĂ€chtnis seines Todes und seiner Auferstehung die Eucharistie und beauftragte seine Apostel, 'die er damals als Priester des Neuen Bundes einsetzte" (K. v. Trient: DS 1740), sie bis zu seiner Wiederkunft zu feiern“ (KKK 1337).
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 23. MĂ€rz 2016 um 21:15 Uhr
Christus mit der Eucharistie

Es folgen hier die Texte des Katechismus der Katholischen Kirche zu den Lesungen der Liturgie vom Letzten Abendmahl nach der sog. ordentlichen Form des Römischen Ritus (Zusammenstellung: Gero P. Weishaupt. Quelle: Homiletisches Direktorium der Kongregation fĂŒr den Gottesdienst und die Sakramentenordnung).

Lesungen in der heiligen Messe

Ex 12, 1-8. 11-14

Die Feier des Paschamahles

1 Kor 11, 23-26

Sooft ihr von diesem Brot eßt und aus diesem Kelch trinkt, verkĂŒndet ihr den Tod des Herrn, bis erkommt.

Joh 13, 1-15

Er erwies ihnen seine Liebe bis zum Ende


Aus
dem Katechismus der Katholischen Kirche 

  1. Einsetzung der Eucharistie

1337 Da der Herr die Seinen liebte, liebte er sie bis zur Vollendung. Da er wußte, daß die Stunde gekommen war, um aus dieser Welt zum Vater heimzukehren, wusch er ihnen bei einem Mahl die FĂŒĂŸe und gab ihnen das Gebot der Liebe [Vgl. Joh 13,1-17]. Um ihnen ein Unterpfand dieser Liebe zu hinterlassen und sie an seinem Pascha teilnehmen zu lassen, stiftete er als GedĂ€chtnis seines Todes und seiner Auferstehung die Eucharistie und beauftragte seine Apostel, „die er damals als Priester des Neuen Bundes einsetzte“ (K. v. Trient: DS 1740), sie bis zu seiner Wiederkunft zu feiern.

1338 Die drei synoptischen Evangelien und der hl. Paulus haben uns den Bericht ĂŒber die Einsetzung der Eucharistie ĂŒberliefert, wĂ€hrend der hl. Johannes die Worte Jesu in der Synagoge von Kafarnaum wiedergibt, die auf die Einsetzung der Eucharistie vorbereiten: Christus bezeichnet sich als das vom Himmel herabgekommene Brot des Lebens [Vgl. Joh 6].

1339 Jesus hat die Zeit des Pascha gewĂ€hlt, um das zu tun, was er in Kafarnaum angekĂŒndigt hatte: seinen JĂŒngern seinen Leib und sein Blut zu geben:

„Dann kam der Tag der UngesĂ€uerten Brote, an dem das Paschalamm geschlachtet werden mußte. Jesus schickte Petrus und Johannes in die Stadt und sagte: Geht und bereitet das Paschamahl fĂŒr uns vor, damit wir es gemeinsam essen können … Sie gingen … und bereiteten das Paschamahl vor. Als die Stunde gekommen war, begab er sich mit den Aposteln zu Tisch. Und er sagte zu ihnen: Ich habe mich sehr danach gesehnt, vor meinem Leiden dieses Paschamahl mit euch zu essen. Denn ich sage euch: Ich werde es nicht mehr essen, bis das Mahl seine ErfĂŒllung findet im Reich Gottes … Und er nahm Brot, sprach das Dankgebet, brach das Brot und reichte es ihnen mit den Worten: Das ist mein Leib, der fĂŒr euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem GedĂ€chtnis! Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch und sagte: Dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das fĂŒr euch vergossen wird“(Lk 22,7-8.13-16. 19-20) [Vgl. Mt 26,17-29; Mk 14,12-25; 1 Kor 11,23-26. [Vgl. Mt 26,17-29; Mk 14,12-25; 1 Kor 11,23-26].

1340 Indem Jesus das Letzte Abendmahl mit seinen Aposteln im Lauf des Paschamahles feierte, gab er dem jĂŒdischen Pascha seinen endgĂŒltigen Sinn. Der HinĂŒbergang Jesu zu seinem Vater in Tod und Auferstehung – das neue Pascha – wurde im Abendmahl vorweggenommen. In der Eucharistie wird er gefeiert. Diese vollendet das jĂŒdische Pascha und nimmt das endzeitliche Pascha der Kirche in der Herrlichkeit des Reiches vorweg.

„Tut dies zu meinem GedĂ€chtnis!“

1341 Der Auftrag Jesu, seine Gesten und seine Worte zu wiederholen, „bis er kommt“ (1 Kor 11,26), verlangt nicht nur, sich an Jesus und an das, was er getan hat, zu erinnern. Er zielt darauf, daß die Apostel und ihre Nachfolger das GedĂ€chtnis Christi, seines Lebens, seines Todes, seiner Auferstehung und seines Eintretens fĂŒr uns beim Vater liturgisch begehen.

1342 Die Kirche blieb von Anfang an dem Auftrag des Herrn treu. Von der Kirche von Jerusalem heißt es: „Sie hielten an der Lehre der Apostel fest und an der Gemeinschaft, am Brechen des Brotes und an den Gebeten … Tag fĂŒr Tag verharrten sie einmĂŒtig im Tempel, brachen in ihren HĂ€usern das Brot und hielten miteinander Mahl in Freude und Einfalt des Herzens“ (Apg 2,42.46).

1343 Die Christen versammelten sich vor allem „am ersten Wochentag“, das heißt am Sonntag, dem Tag der Auferstehung Jesu, „um das Brot zu brechen“ (Apg 20,7). Bis in unsere Tage wird die Feier der Eucharistie gleichbleibend fortgesetzt, so daß sie sich heute mit der gleichen Grundstruktur ĂŒberall in der Kirche findet. Sie ist die bleibende Mitte des Lebens der Kirche.

1344 Von Feier zu Feier verkĂŒndet das pilgernde Volk Gottes das Pascha-Mysterium Jesu, „bis er kommt“ (1 Kor 11,26), und schreitet „auf dem schmalen Weg des Kreuzes“ (AG 1) auf das himmlische Festmahl zu, bei dem alle ErwĂ€hlten im Reich Gottes zu Tisch sitzen werden.

Die Messe aller Jahrhunderte

1345 Schon aus dem 2. Jahrhundert besitzen wir das Zeugnis des hl. MĂ€rtyrers Justin ĂŒber die wesentlichen Elemente im Ablauf der Eucharistiefeier. Bis heute sind es in allen großen liturgischen Familien die gleichen geblieben. Um dem heidnischen Kaiser Antoninus Pius (138-161) zu erklĂ€ren, was die Christen tun, schreibt Justin um 155:

An dem nach der Sonne benannten Tage findet die Zusammenkunft von allen, die in StĂ€dten oder auf dem Lande herum weilen, an einem gemeinsamen Ort statt. Es werden die Aufzeichnungen der Apostel und die Schriften der Propheten vorgelesen, soweit es die Zeit erlaubt. Wenn dann der Vorleser aufgehört hat, hĂ€lt der Vorsteher eine Ansprache, in der er ermahnt und auffordert, diesen schönen Lehren und Beispielen nachzufolgen. Sodann stehen wir alle zusammen auf und schicken Gebete zum Himmel * fĂŒr uns selbst … und fĂŒr alle anderen auf der ganzen Welt, auf daß wir wĂŒrdig werden, … auch in Werken als gute … Menschen und als Beobachter der Gebote befunden zu werden, um so das ewige Heil zu erlangen. Nachdem wir die Gebete beendet haben, grĂŒĂŸen wir einander mit einem Kusse. Dann wird dem Vorsteher der BrĂŒder Brot gebracht und ein Becher mit einer Mischung von Wasser und Wein. Dieser nimmt es, sendet durch den Namen des Sohnes und des Heiligen Geistes Lob und Preis zum Vater aller Dinge empor und verrichtet eine lange Danksagung [gr. „eucharistia“J dafĂŒr, daß wir dieser Gaben von ihm gewĂŒrdigt wurden. Ist er mit den Gebeten und der Danksagung zu Ende, stimmt das ganze anwesende Volk ein, indem es spricht: Amen. Nachdem der Vorsteher die Dankhandlung vollbracht und das ganze Volk eingestimmt hat, reichen die Diakone, wie sie bei uns heißen, jedem Anwesenden vom dankgesegneten [eucharistiertenl Brot und vom mit Wasser vermischten Wein zum Genuß dar und bringen davon auch den Abwesenden. (apol. 1,65; der Text vor * ist aus 1,67).

1346 Die Eucharistiefeier verlĂ€uft nach einer Grundstruktur, die durch alle Jahrhunderte bis in unsere Zeit gleich geblieben ist. Sie entfaltet sich in zwei großen Teilen, die im Grunde eine Einheit bilden:

– die Zusammenkunft, der Wortgottesdienst mit den Lesungen, der Homilie und den FĂŒrbitten;

– die Eucharistiefeier mit der Darbringung von Brot und Wein, deren Konsekration in der [eucharistischen] Danksagung und die Kommunion.

Wortgottesdienst und Eucharistiefeier bilden „einen einzigen Kultakt“ (SC 56). Der Tisch, der uns in der Eucharistie gedeckt wird, ist zugleich der Tisch des Wortes Gottes und des Leibes des Herrn [Vgl. DV 21.].

1347 Entspricht das nicht dem Ablauf des österlichen Mahles, das der auferstandene Jesus mit den JĂŒngern hielt? WĂ€hrend sie des Weges gingen, erklĂ€rte er ihnen die Schrift und setzte sich dann mit ihnen zu Tisch, „nahm das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen“ (Lk 24,30) [Vgl. Lk 24,13-35].

  1. Eucharistie und Danksagung

1359 Die Eucharistie, das Sakrament unseres durch Christus am Kreuz vollbrachten Heiles, ist auch ein Lobopfer zur Danksagung fĂŒr das Werk der Schöpfung. Im eucharistischen Opfer wird die ganze von Gott geliebte Schöpfung durch den Tod und die Auferstehung Christi dem Vater dargebracht. Durch Christus kann die Kirche das Opfer des Lobes darbringen zum Dank fĂŒr alles, was Gott in der Schöpfung und in der Menschheit an Gutem, Schönem und Gerechtem getan hat.

1360 Die Eucharistie ist Opfer der Danksagung an den Vater. Sie ist Lobpreis, durch den die Kirche Gott ihren Dank zum Ausdruck bringt fĂŒr alle seine Wohltaten: fĂŒr alles, was er in der Schöpfung, Erlösung und Heiligung vollbracht hat. Eucharistie bedeutet also zunĂ€chst Danksagung.

1361 Die Eucharistie ist auch das Opfer des Lobes, durch das die Kirche im Namen der ganzen Schöpfung Gott verherrlicht. Dieses Lobopfer ist nur durch Christus möglich: Er vereint die GlĂ€ubigen mit seiner Person, seinem Lobpreis und seiner FĂŒrbitte, so daß das Lobopfer an den Vater durch Christus und mit ihm dargebracht wird, um in ihm angenommen zu werden.

  1. Eucharistie als Opfer

610 „In der Nacht, in der er ausgeliefert wurde“ (1 Kor 11,23), gab Jesus seiner freien Hingabe feierlich Ausdruck im Mahl mit den zwölf Aposteln [Vgl. Mt 26,20.]. Am Abend vor seinem Leiden, als er noch in Freiheit war, machte Jesus dieses letzte Mahl mit seinen Aposteln zur Gedenkfeier der freiwilligen Hingabe seiner selbst an den Vater [Vgl. 1 Kor 5,7.] zum Heil der Menschen: „Das ist mein Leib, der fĂŒr euch hingegeben wird“ (Lk 22,19); „das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das fĂŒr viele vergossen wird zur Vergebung der SĂŒnden“ (Mt 26,28).

Das OpfergedÀchtnis Christi und seines Leibes, der Kirche

1362 Die Eucharistie ist das GedÀchtnis des Pascha Christi, die sakramentale VergegenwÀrtigung und Darbringung seines einzigen Opfers in der Liturgie seines Leibes, der Kirche. In allen Hochgebeten finden wir nach den Einsetzungsworten ein Gebet, das Anamnese oder GedÀchtnis genannt wird.

1363 Im Sinn der Heiligen Schrift ist das GedĂ€chtnis nicht nur ein Sich-Erinnern an Ereignisse der Vergangenheit, sondern die VerkĂŒndigung der großen Taten, die Gott fĂŒr die Menschen getan hat‘. In der liturgischen Feier dieser Ereignisse werden sie gegenwĂ€rtig und wieder lebendig. Auf diese Weise versteht das Volk Israel seine Befreiung aus Ägypten: Jedesmal, wenn das Pascha gefeiert wird, werden die Ereignisse des Auszugs dem GedĂ€chtnis der GlĂ€ubigen wieder gegenwĂ€rtig gemacht, damit diese ihr Leben diesen Ereignissen entsprechend gestalten.

1364 Im Neuen Bund erhĂ€lt das GedĂ€chtnis einen neuen Sinn. Wenn die Kirche Eucharistie feiert, gedenkt sie des Pascha Christi; dieses wird gegenwĂ€rtig. Das Opfer, das Christus am Kreuz ein fĂŒr allemal dargebracht hat, bleibt stets gegenwĂ€rtig wirksam [Vgl. Hebr 7,25-27]: „Sooft das Kreuzesopfer, in dem ‚Christus, unser Osterlamm, geopfert wurde‘, auf dem Altar gefeiert wird, vollzieht sich das Werk unserer Erlösung“ (LG 3).

1365 Die Eucharistie ist auch ein Opfer, weil sie GedĂ€chtnis an das Pascha Christi ist. Der Opfercharakter der Eucharistie tritt schon in den Einsetzungsworten zutage: „Das ist mein Leib, der fĂŒr euch dahingegeben wird“, und „dieser Kelch ist der Neue Bund in meinem Blut, das fĂŒr euch vergossen wird“ (Lk 22, 19-20). In der Eucharistie schenkt Christus diesen Leib, den er fĂŒr uns am Kreuz dahingegeben hat, und dieses Blut, das er „fĂŒr viele vergossen“ hat „zur Vergebung der SĂŒnden“ (Mt 26,28).

1366 Die Eucharistie ist also ein Opfer, denn sie stellt das Opfer des Kreuzes dar (und macht es dadurch gegenwĂ€rtig), ist dessen GedĂ€chtnis und wendet dessen Frucht zu: Christus „hat zwar sich selbst ein fĂŒr allemal auf dem Altar des Kreuzes durch den eintretenden Tod Gott, dem Vater opfern wollen [Vgl. Hebr 7,27], um fĂŒr jene [die Menschen] ewige Erlösung zu wirken; weil jedoch sein Priestertum durch den Tod nicht ausgelöscht werden sollte [Vgl. Hebr 7,24.], hat er beim Letzten Abendmahle, ‚in der Nacht, da er verraten wurde‘ (1 Kor 11,23), seiner geliebten Braut, der Kirche, ein sichtbares (wie es die Natur des Menschen erfordert) Opfer hinterlassen, durch das jenes blutige [Opfer], das einmal am Kreuz dargebracht werden sollte, vergegenwĂ€rtigt werden, sein GedĂ€chtnis bis zum Ende der Zeit fortdauern und dessen heilbringende Kraft fĂŒr die Vergebung der SĂŒnden, die von uns tĂ€glich begangen werden, zugewandt werden sollte“ (K. v. Trient: DS 1740).

1367 Das Opfer Christi und das Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer: „Denn die Opfergabe ist ein und dieselbe; derselbe, der sich selbst damals am Kreuze opferte, opfert jetzt durch den Dienst der Priester; allein die Weise des Opferns ist verschieden“. „In diesem göttlichen Opfer, das in der Messe vollzogen wird, [ist] jener selbe Christus enthalten und [wird] unblutig geopfert … der auf dem Altar des Kreuzes ein fĂŒr allemal sich selbst blutig opferte“ (K. v. Trient: DS 1743).

1368 Die Eucharistie ist auch das Opfer der Kirche. Die Kirche, der Leib Christi, nimmt am Opfer ihres Hauptes teil. Mit ihm wird sie selbst ganz dargebracht. Sie vereinigt sich mit seiner FĂŒrbitte beim Vater fĂŒr alle Menschen. In der Eucharistie wird das Opfer Christi auch zum Opfer der Glieder seines Leibes. Das Leben der GlĂ€ubigen, ihr Lobpreis, ihr Leiden, ihr Gebet und ihre Arbeit werden mit denen Christi und mit seiner Ganzhingabe vereinigt und erhalten so einen neuen Wert. Das auf dem Altar gegenwĂ€rtige Opfer Christi gibt allen Generationen von Christen die Möglichkeit, mit seinem Opfer vereint zu sein.

In den Katakomben ist die Kirche oft als eine betende Frau dargestellt, mit weit ausgebreiteten Armen, in der Haltung einer Orante [Betergestalt]. Sie opfert sich wie Christus, der die Arme auf dem Kreuz ausgestreckt hat, durch ihn, mit ihm und in ihm und tritt fĂŒr alle Menschen ein.

1369 Die ganze Kirche ist mit dem Opfer und der FĂŒrbitte Christi vereinigt. Da der Papst mit dem Petrusdienst in der Kirche betraut ist, ist er an jeder Eucharistiefeier beteiligt, in der er als Zeichen und Diener der Einheit der Gesamtkirche genannt wird. Der Ortsbischof ist stets fĂŒr die Feier der Eucharistie verantwortlich, selbst dann, wenn ihr ein Priester vorsteht; sein Name wird genannt, um darauf hinzuweisen, daß er inmitten des Presbyteriums und mit der Assistenz der Diakone den Vorsitz ĂŒber die Teilkirche fĂŒhrt. Die Gemeinde tritt auch fĂŒr alle zum Dienst in der Kirche Bestellten ein, die fĂŒr sie und mit ihr das eucharistische Opfer darbringen.

„Jene Eucharistiefeier gelte als zuverlĂ€ssig, die unter dem Bischof oder einem von ihm Beauftragten stattfindet“ (Ignatius v. Antiochien, Smyrn. 8,1).

„Durch den Dienst der Priester vollendet sich das geistige Opfer der GlĂ€ubigen in Einheit mit dem Opfer des einzigen Mittlers Christus, das durch die HĂ€nde der Priester im Namen der ganzen Kirche bei der Feier der Eucharistie auf unblutige und sakramentale Weise dargebracht wird, bis der Herr selbst kommt“ (P0 2).

1370 Mit dem Opfer Christi vereinigen sich nicht nur die Glieder Christi, die noch auf Erden weiten, sondern auch jene, die schon in der Herrlichkeit des Himmels sind. Die Kirche bringt das eucharistische Opfer in Gemeinschaft mit der heiligen Jungfrau Maria dar sowie im Gedenken an sie und alle Heiligen. In der Eucharistie steht die Kirche mit Maria gleichsam zu FĂŒĂŸen des Kreuzes, mit dem Opfer und der FĂŒrbitte Christi vereint.

1371 Das eucharistische Opfer wird auch fĂŒr die in Christus gestorbenen GlĂ€ubigen dargebracht, „die noch nicht vollstĂ€ndig gereinigt sind“ (K. v. Trient: DS 1743), damit sie in das Reich Christi, in das Reich des Lichtes und des Friedens eingehen können:

„Begrabt diesen Leib, wo immer er sei: um ihn sollt ihr euch keine Sorgen machen. Nur um das eine bitte ich euch: Wo ihr auch sein werdet, gedenkt meiner am Altare des Herrn“ (die hl. Monika vor ihrem Tode zum hl. Augustinus und zu seinem Bruder: Augustinus, conf. 9,11,27).

„Dann beten wir [in der Anaphora] fĂŒr die bereits entschlafenen heiligen VĂ€ter und Bischöfe und ĂŒberhaupt fĂŒr alle unsere Verstorbenen. Wir glauben nĂ€mlich, daß die Seelen, fĂŒr welche wĂ€hrend des heiligen, erhabensten Opfers gebetet wird, sehr großen Nutzen davon haben … Wir bringen Gott fĂŒr die Verstorbenen, obwohl sie SĂŒnder waren, unsere Gebete dar … Wir opfern den fĂŒr unsere SĂŒnden hingeopferten Christus. Dadurch versöhnen wir den menschenfreundlichen Gott mit ihnen und mit uns“ (Cyrill v. Jerusalem, catech. myst. 5,9.10).

1372 Diese Lehre bewegt uns zu einer immer vollstĂ€ndigeren Beteiligung am Opfer unseres Erlösers, das wir in der Eucharistie feiern. Sie wurde vom hl. Augustinus vortrefflich zusammengefaßt:

„Die gesamte erlöste Gemeinde, das ist die Vereinigung und Gemeinschaft der Heiligen, wird als ein allumfassendes Opfer Gott dargebracht durch den Hohenpriester, der sich in Knechtsgestalt seinerseits auch fĂŒr uns dargebracht hat in seinem Leiden, damit wir der Leib eines so erhabenen Hauptes seien. Das ist das Opfer der Christen: ‚die Vielen ein Leib in Christus‘ (Röm 12,5). Dieses Opfer feiert die Kirche durch das den GlĂ€ubigen bekannte Sakrament des Altars, worin ihr vor Augen gehalten wird, daß sie in dem, was sie darbringt, selbst dargebracht wird“ (civ. 10,6).

1382 Die Messe ist zugleich und untrennbar das OpfergedĂ€chtnis, in welchem das Kreuzesopfer fĂŒr immer fortlebt, und das heilige Mahl der Kommunion mit dem Leib und dem Blut des Herrn. Die Feier des eucharistischen Opfers ist ganz auf die innige Vereinigung mit Christus durch die Kommunion ausgerichtet. Kommunizieren heißt, Christus selbst empfangen, der sich fĂŒr uns hingegeben hat.

1436 Eucharistie und Buße. Die tĂ€gliche Umkehr und Buße finden ihre Quelle und Nahrung in der Eucharistie, denn in ihr wird das Opfer Christi gegenwĂ€rtig, das uns mit Gott versöhnt hat. Durch sie wird genĂ€hrt und gestĂ€rkt, wer aus dem Leben Christi lebt. Sie ist das „Gegenmittel, durch das wir von der tĂ€glichen Schuld befreit und vor TodsĂŒnden bewahrt werden sollen“ (K. v. Trient: DS 1638).

  1. Die wahre Gegenwart Christi in der Eucharistie

1373 „Christus Jesus, der gestorben ist, mehr noch: der auferweckt worden ist, sitzt zur Rechten Gottes und tritt fĂŒr uns ein“ (Röm 8,34). Er ist in seiner Kirche auf mehrfache Weise gegenwĂ€rtig [Vgl. Mt 25,31-46]: in seinem Wort, im Gebet seiner Kirche, „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“ (Mt 18,20), in den Armen, den Kranken, den Gefangenen [Vgl. LG 48], in seinen Sakramenten, deren Urheber er ist, im Meßopfer und in der Person dessen, der den priesterlichen Dienst vollzieht, aber „vor allem unter den eucharistischen Gestalten“ (SC 7).

1374 Die Weise der Gegenwart Christi unter den eucharistischen Gestalten ist einzigartig. Sie erhebt die Eucharistie ĂŒber alle Sakramente, so daß sie „gleichsam die Vollendung des geistigen Lebens und das Ziel aller Sakramente“ ist (Thomas v. A., s. th. 3,73,3). Im heiligsten Sakrament der Eucharistie ist „wahrhaft, wirklich und substanzhaft der Leib und das Blut zusammen mit der Seele und Gottheit unseres Herrn Jesus Christus und daher der ganze Christus enthalten“ (K. v. Trient: DS 1651). Diese „Gegenwart wird nicht ausschlußweise ‚wirklich‘ genannt, als ob die anderen nicht ‚wirklich‘ seien, sondern vorzugsweise, weil sie substantiell ist; in ihr wird nĂ€mlich der ganze und unversehrte Christus, Gott und Mensch, gegenwĂ€rtig“ (MF 39).

1375 Christus wird in diesem Sakrament gegenwĂ€rtig durch die Verwandlung des Brotes und des Weines in den Leib und das Blut Christi. Die KirchenvĂ€ter betonten entschieden den Glauben der Kirche, daß das Wort Christi und das Walten des Heiligen Geistes so wirkkrĂ€ftig sind, daß sie diese Verwandlung zu bewirken vermögen. Der hl. Johannes Chrysostomus erklĂ€rt:

„Nicht der Mensch bewirkt, daß die Opfergaben Leib und Blut Christi werden, sondern Christus selbst, der fĂŒr uns gekreuzigt worden ist. Der Priester, der Christus reprĂ€sentiert, spricht diese Worte aus, aber ihre Wirkkraft und Gnade kommen von Gott. Das ist mein Leib, sagt er. Dieses Wort verwandelt die Opfergaben“ (prod. Jud. 1,6).

Und der hi. Ambrosius sagt ĂŒber diese Verwandlung:

„Hier liegt etwas vor, was nicht die Natur gebildet, sondern die Segnung konsekriert hat, und die Wirksamkeit der Segnung geht ĂŒber die Natur hinaus, indem sogar die Natur selbst kraft der Segnung verwandelt wird … Das Wort Christi, das noch nicht Seiende aus dem Nichts zu schaffen vermochte, soll Seiendes nicht in etwas verwandeln können, was es vorher nicht war? Nichts Geringeres ist es, neue Dinge zu erschaffen, als Naturen zu verwandeln“ (myst. 9,50,52).

1376 Das Konzil von Trient faßt den katholischen Glauben zusammen, wenn es erklĂ€rt: „Weil aber Christus, unser Erlöser, sagte, das, was er unter der Gestalt des Brotes darbrachte, sei wahrhaft sein Leib, deshalb hat in der Kirche Gottes stets die Überzeugung geherrscht, und dieses heilige Konzil erklĂ€rt es jetzt von neuem: Durch die Konsekration des Brotes und Weines geschieht eine Verwandlung der ganzen Substanz des Brotes in die Substanz des Leibes Christi, unseres Herrn, und der ganzen Substanz des Weines in die Substanz seines Blutes. Diese Wandlung wurde von der heiligen katholischen Kirche treffend und im eigentlichen Sinne Wesensverwandlung [Transsubstantiation] genannt“ (DS 1642).

1377 Die eucharistische Gegenwart Christi beginnt im Zeitpunkt der Konsekration und dauert so lange, wie die eucharistischen Gestalten bestehen. In jeder der Gestalten und in jedem ihrer Teile ist der ganze Christus enthalten, so daß das Brechen des Brotes Christus nicht teilt [Vgl. K. v. Trient: DS 1641 [Vgl. K. v. Trient: DS 1641.].

1378 Die Verehrung der Eucharistie. Wir bringen in der Meßliturgie unseren Glauben, daß Christus unter den Gestalten von Brot und Wein wirklich zugegen ist, unter anderem dadurch zum Ausdruck, daß wir zum Zeichen der Anbetung des Herrn die Knie beugen oder uns tief verneigen. „Die katholische Kirche erweist der heiligen Eucharistie nicht nur wĂ€hrend der heiligen Messe, sondern auch außerhalb der Meßfeier den Kult der Anbetung, indem sie die konsekrierten Hostien mit grĂ¶ĂŸter Sorgfalt aufbewahrt, sie den GlĂ€ubigen zur feierlichen Verehrung aussetzt und sie in Prozession trĂ€gt“ (MF 56).

1379 Die „heilige Reserve“ (Tabernakel) war zunĂ€chst dazu bestimmt, die Eucharistie wĂŒrdig aufzubewahren, damit sie den Kranken und Abwesenden außerhalb der Messe gebracht werden könne. Durch die Vertiefung des Glaubens an die wirkliche Gegenwart Christi in seiner Eucharistie wurde sich die Kirche bewußt, daß es sinnvoll ist, den unter den eucharistischen Gestalten anwesenden Herrn anzubeten. Darum muß sich der Tabernakel an einem besonders wĂŒrdigen Ort in der Kirche befinden und so angefertigt sein, daß er die Wahrheit der wirklichen Gegenwart Christi im heiligen Sakrament hervorhebt und darstellt.

1380 Es hat einen tiefen Sinn, daß Christus in dieser einzigartigen Weise in seiner Kirche gegenwĂ€rtig bleiben wollte. Weil Christus seiner sichtbaren Gestalt nach die Seinen verließ, wollte er uns seine sakramentale Gegenwart schenken; weil er sich am Kreuz darbrachte, um uns zu retten, wollte er, daß wir das Zeichen des GedĂ€chtnisses der Liebe bei uns haben, mit der er uns „bis zur Vollendung“ liebte (Joh 13, 1), bis zur Hingabe seines Lebens. In seiner eucharistischen Gegenwart bleibt er geheimnisvoll in unserer Mitte als der, welcher uns geliebt und sich fĂŒr uns hingegeben hat [Vgl. Gal 2,20.], und er bleibt unter den Zeichen gegenwĂ€rtig, die diese Liebe zum Ausdruck bringen und mitteilen.

„Die Kirche und die Welt haben die Verehrung der Eucharistie sehr nötig. In diesem Sakrament der Liebe wartet Jesus selbst auf uns. Keine Zeit sei uns dafĂŒr zu schade, um ihm dort zu begegnen: in der Anbetung, in einer Kontemplation voller Glauben, bereit, die große Schuld und alles Unrecht der Welt zu sĂŒhnen. Unsere Anbetung sollte nie aufhören“ (Johannes Paul II., Brief „DominicĂŠ cenĂŠ“ 3).

1381 Thomas von Aquin sagt: „Daß der wahre Leib und das wahre Blut Christi in diesem Sakrament seien, lĂ€ĂŸt sich nicht mit den Sinnen erfassen sondern nur durch den Glauben, der sich auf die göttliche AutoritĂ€t stĂŒtzt.

Deshalb sagt Cyrill zur Schriftstelle ‚Das ist mein Leib, der fĂŒr euch hingegeben wird‘ (Lk 22,19):

‚Zweifle nicht, ob das wahr sei. Nimm vielmehr die Worte des Erlösers im Glauben auf. Da er die Wahrheit ist, lĂŒgt er nicht“ (s. th. 3,75, 1; zitiert von Paul VI., MF 18).

Gottheit, tief verborgen, betend nah ich dir.

Unter diesen Zeichen bist du wahrhaft hier.

Sieh, mit ganzem Herzen schenk ich dir mich hin, weil vor solchem Wunder ich nur Armut bin.

Augen, Mund und HÀnde tÀuschen sich in dir, doch des Wortes Botschaft offenbart dich mir.

Was Gott Sohn gesprochen, nehm ich glaubend an; er iSt selbst die Wahrheit, die nicht trĂŒgen kann. (Thomas v. A., Hymnus „Adoro te devote“)

  1. Die heilige Kommunion

1384 Der Herr richtet an uns eine eindringliche Einladung, ihn im Sakrament der Eucharistie zu empfangen. „Amen, amen, das sage ich euch: Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht eßt und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch“ (Joh 6,53).

1385 Um dieser Einladung zu entsprechen, mĂŒssen wir uns auf diesen so hohen, so heiligen Moment vorbereiten. Der hl. Paulus fordert zu einer Gewissenserforschung auf: „Wer unwĂŒrdig von dem Brot ißt und aus dem Kelch des Herrn trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prĂŒfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken. Denn wer davon ißt und trinkt, ohne zu bedenken, daß es der Leib des Herrn ist, der zieht sich das Gericht zu, indem er ißt und trinkt“ (1 Kor 11,27-29). Wer sich einer schweren SĂŒnde bewußt ist, muß das Sakrament der Buße empfangen, bevor er die Kommunion empfĂ€ngt.

1386 Angesichts der GrĂ¶ĂŸe dieses Sakramentes kann sich der GlĂ€ubige nur demĂŒtig und in festem Glauben das Wort des Hauptmanns [Vgl. Mt 8,8.] zu eigen machen:

„Herr, ich bin nicht wĂŒrdig, daß du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund“. In der Göttlichen Liturgie des hl. Johannes Chrysostomus beten die GlĂ€ubigen im gleichen Geist:

„An deinem mystischen Mahl laß mich heute teilhaben, Sohn Gottes. Nicht werde ich das Geheimnis deinen Feinden verraten, noch dir einen Kuß geben wie Judas, sondern wie der SchĂ€cher rufe ich dir zu: Gedenke meiner, Herr, in deinem Reiche!“

1387 Um sich auf den Empfang dieses Sakramentes richtig vorzubereiten, werden die GlĂ€ubigen das in ihrer Kirche vorgeschriebene Fasten [Vgl.  CIC, can. 919] beobachten. In der Haltung (Gesten, Kleidung) werden sich die Ehrfurcht, die Feierlichkeit und die Freude Ă€ußern, die diesem Moment entsprechen, in dem Christus unser Gast wird.

1388 Es entspricht dem Sinn der Eucharistie, daß die GlĂ€ubigen, falls sie die Voraussetzungen erfĂŒllen, jedesmal kommunizieren, wenn sie an der Messe teilnehmen: „Mit Nachdruck wird jene vollkommenere Teilnahme an der Messe empfohlen, bei der die GlĂ€ubigen nach der Kommunion des Priesters aus derselben Opferfeier den Herrenleib entgegennehmen“ (SC 55).

1389 Die Kirche verpflichtet die GlĂ€ubigen, „an den Sonn- und Feiertagen der Göttlichen Liturgie … beizuwohnen“ (OE 15) und, durch das Bußsakrament darauf vorbereitet, wenigstens einmal im Jahr die Eucharistie zu empfangen, wenn möglich in der österlichen Zeit [Vgl. CIC, can. 920]. Die Kirche empfiehlt jedoch den GlĂ€ubigen nachdrĂŒcklich, die heilige Eucharistie an den Sonn- und Feiertagen oder noch öfter, ja tĂ€glich zu empfangen.

1390 Christus ist unter jeder der beiden Gestalten sakramental gegenwĂ€rtig. Deshalb kann auch dann die ganze Gnadenfrucht der Eucharistie empfangen werden, wenn nur unter der Gestalt des Brotes kommuniziert wird. Zu Recht ist aus pastoralen GrĂŒnden im lateinischen Ritus diese Art zu kommunizieren am gebrĂ€uchlichsten. Doch „ihre volle Zeichenhaftigkeit gewinnt die Kommunion, wenn sie unter beiden Gestalten gereicht wird. In dieser Form wird das Zeichen des eucharistischen Mahles auf vollkommenere Art zum Ausdruck gebracht“ (IGMR 240). In den ostkirchlichen Riten ist dies die ĂŒbliche Art zu kommunizieren.

Die FrĂŒchte der Kommunion

1391 Die Kommunion vertieft unsere Vereinigung mit Christus. Der Empfang der Eucharistie in der Kommunion bringt als Hauptfrucht die innige Vereinigung mit Christus Jesus. Der Herr sagt ja: „Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, der bleibt in mir, und ich bleibe in ihm“ (Joh 6,56). Das Leben in Christus hat seine Grundlage im eucharistischen Mahl: „Wie mich der lebendige Vater gesandt hat und wie ich durch den Vater lebe, so wird jeder, der mich ißt, durch mich leben“ (Joh 6,57).

„Wenn an den Festen des Herrn die GlĂ€ubigen den Leib des Sohnes empfangen, verkĂŒnden sie einander die Frohbotschaft, daß die Erstlingsgaben des Lebens geschenkt werden, wie damals, als der Engel zu Maria von Magdala sagte: ‚Christus ist auferstanden‘. Auch jetzt werden das Leben und die Auferstehung dem geschenkt, der Christus empfĂ€ngt“ (FanqĂźth, Syrisches Offizium von Antiochien, Band 1, Commune, 5. 237a-b).

1392 Was die leibliche Speise in unserem leiblichen Leben, bewirkt die Kommunion auf wunderbare Weise in unserem geistlichen Leben. Die Kommunion mit dem Fleisch des auferstandenen Christus, „das durch den Heiligen Geist lebt und Leben schafft“ (PO 5), bewahrt, vermehrt und erneuert das in der Taufe erhaltene Gnadenleben. Damit das christliche Leben wĂ€chst, muß es durch die eucharistische Kommunion, das Brot unserer Pilgerschaft, genĂ€hrt werden bis zur Todesstunde, in der es uns als Wegzehrung gereicht wird.

1393 Die Kommunion trennt uns von der SĂŒnde. Der Leib Christi, den wir in der Kommunion empfangen, ist „fĂŒr uns hingegeben“, und das Blut, das wir trinken, ist „vergossen worden fĂŒr die Vielen zur Vergebung der SĂŒnden“. Darum kann uns die Eucharistie nicht mit Christus vereinen, ohne uns zugleich von den begangenen SĂŒnden zu reinigen und vor neuen SĂŒnden zu bewahren.

„Sooft wir ihn empfangen, verkĂŒnden wir den Tod des Herrn [Vgl. 1 Kor 11,26]. Wenn wir den Tod des Herrn verkĂŒnden, verkĂŒnden wir die Vergebung der SĂŒnden. Falls sein Blut jedesmal, wenn es vergossen wird, zur Vergebung der SĂŒnden vergossen wird, muß ich es stets empfangen, damit es stets meine SĂŒnden nachlĂ€ĂŸt. Ich, der ich immer sĂŒndige, muß immer ein Heilmittel haben“ (Ambrosius, sacr. 4,28).

1394 Wie die leibliche Nahrung dazu dient, die verbrauchten KrĂ€fte wiederherzustellen, so stĂ€rkt die Eucharistie die Liebe, die im tĂ€glichen Leben zu erlahmen droht. Diese neubelebte Liebe tilgt die lĂ€ĂŸlichen SĂŒnden [Vgl. K. v. Trient: DS 1638]. Wenn Christus sich uns schenkt, belebt er unsere Liebe und gibt uns Kraft, mit ungeordneten AnhĂ€nglichkeiten an Geschöpfe zu brechen und uns in ihm zu verwurzeln.

„Da Christus aus Liebe fĂŒr uns gestorben ist, bitten wir, wenn wir das GedĂ€chtnis an seinen Tod halten, im Moment des Opfers darum, daß durch das Kommen des Heiligen Geistes uns die Liebe gewĂ€hrt werde. Wir bitten demĂŒtig, daß kraft dieser Liebe, deretwegen Christus fĂŒr uns sterben wollte, auch wir dadurch, daß wir die Gnade des Heiligen Geistes empfangen, die Welt als fĂŒr uns gekreuzigt und uns als fĂŒr die Welt gekreuzigt ansehen können … Laßt uns, da wir die Liebe geschenkt erhalten haben, der SĂŒnde sterben und fĂŒr Gott leben !“ (Fulgentius v. Ruspe, Fab. 28,16-19).

1395 Durch diese Liebe, die die Eucharistie in uns entzĂŒndet, bewahrt sie uns vor zukĂŒnftigen TodsĂŒnden. Je mehr wir am Leben Christi teilhaben und je weiter wir in seiner Freundschaft fortschreiten, desto geringer wird die Gefahr sein, sich durch eine TodsĂŒnde von ihm zu trennen. Zur Vergebung von TodsĂŒnden ist aber nicht die Eucharistie bestimmt, sondern das Bußsakrament. Die Eucharistie ist das Sakrament derer, die in der vollen Gemeinschaft der Kirche stehen.

1396 Die Einheit des mystischen Leibes: Die Eucharistie baut die Kirche. Wer die Eucharistie empfĂ€ngt, wird enger mit Christus vereint. Dadurch vereint ihn Christus auch mit allen GlĂ€ubigen zu einem einzigen Leib: zur Kirche. Die Kommunion erneuert, stĂ€rkt und vertieft die Eingliederung in die Kirche, die bereits durch die Taufe erfolgt ist. In der Taufe wurden wir berufen, einen einzigen Leib zu bilden [Vgl. 1 Kor 12,13]. Die Eucharistie verwirklicht diese Berufung: „Ist der Kelch des Segens, ĂŒber den wir den Segen sprechen, nicht Teilhabe am Blut Christi? Ist das Brot, das wir brechen, nicht Teilhabe am Leib Christi? Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib; denn wir alle haben teil an dem einen Brot“ (Vgl. 1 Kor 10,16-17):

„Wenn ihr der Leib Christi und seine Glieder seid, wird das Sakrament, das ihr selber seid, auf den Tisch des Herrn gelegt; ihr empfangt das Sakrament, das ihr selber seid. Ihr antwortet auf das, was ihr empfangt, mit ‚Amen [Ja, es ist so]‘, und ihr unterzeichnet es, indem ihr darauf antwortet. Du hörst das Wort ‚Der Leib Christi‘, und du antwortest: ‚Amen‘. Sei also ein Glied Christi, damit dein Amen wahr sei !“ (Augustinus, serm. 272).

1397 Die Eucharistie verpflichtet gegenĂŒber den Armen. Um den Leib und das Blut Christi, die fĂŒr uns hingegeben wurden, in Wahrheit zu empfangen, mĂŒssen wir Christus auch in den Ärmsten, seinen BrĂŒdern, erkennen [Vgl. Mt 25,40].

„Du hast das Blut des Herrn verkostet – und erkennst doch deinen Bruder nicht. Du entehrst diesen Tisch, denn du hĂ€ltst den nicht fĂŒr wĂŒrdig deine Nahrung zu teilen, der gewĂŒrdigt wurde, an diesem Tisch teilzuhaben. Gott hat dich von allen deinen SĂŒnden befreit und dich dazu eingeladen. Und du bist nicht einmal dann barmherziger geworden“ (Johannes Chrysostomus, hom. in 1 Cor. 27,4) 

1398 Die Eucharistie und die Einheit der Christen. Angesichts der GrĂ¶ĂŸe dieses Mysteriums ruft der hl. Augustinus aus: „O Sakrament der Ehrfurcht! O Zeichen der Einheit! O Band der Liebe!“ (ev. Jo 26,6,13) [Vgl. SC 47]. Umso schmerzlicher empfindet man die Spaltungen der Kirche, die die gemeinsame Teilnahme am Tisch des Herrn abbrechen; umso dringlicher sind die Gebete zum Herrn, damit die Tage der vollen Einheit aller, die an ihn glauben, wiederkehren.

1399 Die Ostkirchen, die mit der katholischen Kirche nicht in voller Gemeinschaft stehen, feiern die Eucharistie mit großer Liebe. „Da nun diese Kirchen trotz ihrer Trennung wahre Sakramente besitzen, vor allem aber in der Kraft der apostolischen Sukzession das Priestertum und die Eucharistie, wodurch sie in ganz enger Gemeinschaft bis heute mit uns verbunden sind, so ist eine gewisse Gottesdienstgemeinschaft“ – eine Gemeinschaft „in sacris“, also in der Eucharistie – „unter gegebenen geeigneten UmstĂ€nden mit Billigung der kirchlichen AutoritĂ€t nicht nur möglich, sondern auch ratsam“ (UR 15) [Vgl. CIC, can. 844, § 3].

1400 Die aus der Reformation hervorgegangenen, von der katholischen Kirche getrennten kirchlichen Gemeinschaften haben „vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprĂŒngliche und vollstĂ€ndige Wirklichkeit des eucharistischen Mysteriums nicht bewahrt“ (UR 22). Aus diesem Grund ist fĂŒr die katholische Kirche die eucharistische Interkommunion mit diesen Gemeinschaften nicht möglich. Doch diese Gemeinschaften „bekennen … bei der GedĂ€chtnisfeier des Todes und der Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl, daß hier die lebendige Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde, und sie erwarten seine glorreiche Wiederkunft“ (UR 22).

1401 Wenn nach dem Urteil des Diözesanbischofs eine schwere Notlage dazu drĂ€ngt, spenden katholische Priester die Sakramente der Buße, der Eucharistie und der Krankensalbung erlaubt auch den ĂŒbrigen nicht in der vollen Gemeinschaft mit der katholischen Kirche stehenden Christen, die von sich aus darum bitten, sofern sie bezĂŒglich dieser Sakramente den katholischen Glauben bekunden und in rechter Weise disponiert sind [Vgl.  CIC, can. 844, § 4].

2837 TĂ€glich. Dieses Wort, epioĂșsios, findet sich im Neuen Testament nur hier. Im zeitlichen Sinn verstanden, nimmt es erzieherisch das „Heute“ wieder auf, um uns in einem „unbedingten“ Vertrauen zu bestĂ€rken. Im qualitativen Sinn genommen, bedeutet es das Lebensnotwendige und, weiter gefaßt, jedes Gut, das zum Lebensunterhalt genĂŒgt [Vgl. Ex 16, 19-21]. BuchstĂ€blich [epioĂșsios ĂŒberwesentlich] bezeichnet es unmittelbar das Brot des Lebens, den Leib Christi und die „Arznei der Unsterblichkeit“ (Ignatius v. Antiochien, Eph. 20,2), ohne die wir das Leben nicht in uns haben [Vgl. Joh 6,53-56]. Mit dem buchstĂ€blichen wird auch der himmlische Sinn dieser Bitte offensichtlich: „dieser Tag“ bezeichnet den Tag des Herrn. Dieser ist der Tag des Festmahls im Reiche Gottes, der in der Eucharistie vorweggenommen wird, die Vorgeschmack des kommenden Reiches ist. Darum ist es angemessen, die Eucharistie jeden Tag zu feiern.

„Die Eucharistie ist unser tĂ€gliches Brot. Dieser göttlichen Speise eignet die Kraft der Einigung: sie vereint uns mit dem Leib des Herrn und macht uns zu seinen Gliedern, damit wir das werden, was wir empfangen … Dieses tĂ€gliche Brot ist auch in den Lesungen, die ihr jeden Tag in der Kirche anhört, in den Hymnen, die ihr hört und die ihr singt. All das benötigen wir fĂŒr unsere Pilgerschaft“ (Augustinus, serm. 57,7,7).

Der Vater im Himmel ermahnt uns, als Kinder des Himmels um das Brot des Himmels zu bitten [Vgl. Joh 6,51]. Christus „selbst ist das Brot, das in die Jungfrau gesĂ€t, im Fleisch durchsĂ€uert, im Leiden geknetet, im Ofen des Grabes gebacken, in der Kirche aufbewahrt und auf den AltĂ€ren geopfert wird. Dieses Brot teilt er Tag fĂŒr Tag den GlĂ€ubigen aus als eine himmlische Nahrung“ (Petrus Chrysologus, serm. 67).

Foto: Christus mit der heiligen Eucharistie – Bildquelle: The Yorck Project / Wikipedia

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