„Großes Mitgefühl mit dem Papst“

Deutscher Botschafter bezeichnet „Vatileaks“-Affäre als schwere Prüfung.
Erstellt von Radio Vatikan am 1. Juni 2012 um 14:41 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Vatikan (kathnes/RV). Die sogenannte „Vatileaks“-Affäre wird natürlich auch von den Diplomaten aus aller Welt beobachtet, die beim Vatikan akkreditiert sind. Reinhard Schweppe ist seit 2011 deutscher Botschafter beim Heiligen Stuhl. Er sagte uns an diesem Donnerstag: „Ich habe großes Mitgefühl mit dem, was im Vatikan passiert ist; der Heilige Vater, seine Mitarbeiter und der Vatikan insgesamt gehen durch eine Zeit schwerer Prüfung hindurch. Allerdings könnte ich mir auf der anderen Seite vorstellen: Jede Krise hat auch die Chance, dass man zu Änderungen kommt, zu Verbesserungen. Ich halte es für wichtig, dass es jetzt zu einer klaren Aufarbeitung, Aufklärung des Falles kommt.“

Schweppe kam gleich nach einer Unterredung im Vatikan zu uns ins Studio; er hat erlebt, dass man im Papst-Palast besorgt ist über Vatileaks. „Das ist natürlich ein Gesprächsthema, und auf dieses Thema bin ich vorhin auch angesprochen worden, ja.“ Berlins Mann in Rom will dem Heiligen Stuhl keine Ratschläge erteilen – nur soviel: Der Vatikan sollte die Untersuchung zu Vatileaks mit aller Energie vorantreiben. „Um Vertrauen wiederherzustellen, ist es wichtig, dass man zunächst einmal alle Aspekte sehr genau aufklärt – und dann kann man immer noch entscheiden, was man im einzelnen macht. Da sind natürlich auch politische Opportunitäten, die zu berücksichtigen sind… Wir in Deutschland haben in der Vergangenheit ähnliche Fälle erlebt, die auch ähnlich schlimm waren. Aber am Ende hat das dazu geführt, dass die richtigen Konsequenzen gezogen wurden.“

Botschafter Schweppe hat registriert, dass der Vatikan richtiggehend in die Offensive gegangen ist: Interviews in der Vatikanzeitung „Osservatore Romano“, eine Äußerung von Benedikt XVI. zu Vatileaks, wiederholte Pressekonferenzen von Papstsprecher Federico Lombardi. „Ich fand es sehr gut, dass der Heilige Vater bei der Generalaudienz etwas gesagt hat; denn wir hatten ja vorher mehrere Tage lang die Situation, dass die Presse hochgegangen ist und auf der anderen Seite im „Osservatore“ lange Zeit nichts berichtet worden ist. Ich glaube, es war der Substitut Becciù, der als erster im „Osservatore“ zu der Sache Stellung genommen hat; das war am letzten Dienstag. Insofern glaube ich: Das ist richtig!“

Foto: Papst Benedikt XVI. – Bildquelle: Martin Lohmann