„Gott – Vater“ – Referate der „Internationalen Theologischen Sommerakademie 2015“ des Linzer Priesterkreises

Eine Buchbesprechung von Hans Jakob Bürger.
Erstellt von Hans Jakob Bürger am 2. August 2016 um 14:23 Uhr

Die „Internationale Theologische Sommerakademie“ in Aigen fand 2015 bereits zum 27. Mal statt und befasste sich mit dem Thema „Gott – Vater“. Inzwischen ist auch der obligatorische Tagungsband im Christiana-Verlag erschienen, der insgesamt acht Vorträge sowie zwei Predigten enthält. Die Referenten beleuchten aus verschiedenen Perspektiven, was über die Vaterschaft Gottes bzw. die Vaterschaft auf Erden im Hinblick auf Gott gesagt werden kann.

Der bekannte Priester und Münchner Pastoraltheologe Andreas Wollbold etwa behandelt die geistliche Vaterschaft des Priesters. Helmut Prader, der Herausgeber des Tagungsbandes, fasst im Vorwort den Kern von Wollbolds Vortrag mit den Worten zusammen: „Die Krise der Berufungen hat auch damit zu tun, dass die Klarheit und Sicherheit im Amt fehlt, was auch damit zusammenhängt, dass der Priester nicht mehr Vater sein dürfe. Das Vaterbild des Priesters wird durch eine ‚Verbrüderung‘ und eine ‚Vermütterlichung‘ abgeschwächt und in Frage gestellt. Ein starker, entscheidungsfreudiger Pfarrer ist wenig gefragt. Gesprächsfähigkeit, Teamfähigkeit treten an diese Stelle, das Teamgespräch wird das ‚achte Sakrament‘. Wollbold plädiert für die Wiedererringung des Vaterbildes, das durch das Vorbild Einzelner gefördert werden kann.“

Neben diesem exzellenten Vortrag, der den Priester also wieder an die richtige Stelle rückt, finden sich weitere lesenswerte Texte, etwa von Hanna-Barbara Gerl-Falkowitz unter dem Motto „Schluss mit den drei Monotheismen!“ Die in Heiligenkreuz lehrende Professorin betrachtet das Vaterverständnis in den sogenannten monotheistischen Religionen, was angesichts der jüngsten, aus der mohammedanischen Religion motivierten Terroranschläge eine überaus aktuelle Frage ist. „Die Vorstellung eines Gottes als des Vaters Aller ist im Koran undenkbar, vielmehr wird im Namen Gottes Krieg denkbar und unter Umständen geboten.“

Bekanntere Namen, die sich ebenfalls zum Thema „Gott – Vater“ ihre Gedanken machten, sind Pater Karl Wallner OCist aus Heiligenkreuz und der inzwischen seit einiger Zeit in Rom tätige Priester Stefan Heid, der als Kirchenhistoriker über den Bischof als Vater in der frühen Kirche referierte. Rund 230 Seiten umfasst das Büchlein „Gott – Vater“, und gerade für Priester und Seminaristen ist es zu empfehlen. Nichtsdestotrotz dürften auch Nichttheologen Gewinn aus dem Buch ziehen. Ihnen sei besonders der Beitrag von Johannes Nebel ans Herz gelegt: „Gott in der Theologie Leo Scheffczyks – ausgehend vom Ideal des christlichen Familienvaters.“

Hans Jakob Bürger

Helmut Prader (Hrsg.)
„Gott – Vater“
Referate der „Internationalen Theologischen Sommerakademie 2015“ des Linzer Priesterkreises
Christiana-Verlag im fe-Medienverlag 2016
228 Seiten; 9,90 Euro
ISBN: 9783717112617

Foto: Gott – Vater – Bildquelle: Christiana im fe-Medienverlag