Gott ist in unser Kleinsein verliebt

Papst Franziskus zelebriert Christmette im Petersdom.
Erstellt von Radio Vatikan am 25. Dezember 2014 um 01:04 Uhr

Vatikan (kathnews/RV). Und er wurde Mensch: Wolfgang Amadeus Mozart steuerte die Musik zur Feier des wichtigsten Momentes der Christmette bei, während des Gloria erklang sein „et incarnatus est“ aus der c-Moll Messe. Etwa 10.000 Menschen waren gekommen, um die Christmette mit Papst Franziskus zu feiern. In seiner Predigt sprach der Papst von Freude und Glück, vom Licht, dass die Dunkelheiten auflöse.

„Auch wir sind in dieser Heiligen Nacht durch die Finsternis, welche die Erde umhüllt, zum Haus Gottes gekommen, aber wir waren geleitet von der Flamme des Glaubens, die unsere Schritte erleuchtet, und beseelt von der Hoffnung, das „helle Licht“ zu finden. Wenn wir unser Herz öffnen, haben auch wir die Möglichkeit, das Wunder jenes Kindes zu betrachten, das wie die Sonne aufstrahlt aus der Höhe und den Horizont erhellt.“ Der Ursprung der Finsternis, von der die Welt umhüllt ist, verliere sich in der Nacht der Zeiten, führte Papst Franziskus aus. Der Lauf der Jahrhunderte sei von der Erschaffung der Welt und Kain und Abel an gezeichnet von Gewalt, Krieg, Hass und Unterdrückung. Gott aber habe geduldig gewartet, er habe nicht aufgegeben.

Nicht Wutanfall, sondern Geduld

„Den Weg der Geschichte hindurch offenbart uns das Licht, welches das Dunkel durchbricht, dass Gott ein Vater ist und dass seine geduldige Treue stärker ist als die Finsternis und die Korruption. Das ist die eigentliche Botschaft der Weihnacht. Gott kennt keinen Wutanfall und keine Ungeduld; er ist immer da, wie der Vater im Gleichnis vom verlorenen Sohn, in der Erwartung, von weitem die Rückkehr des Sohnes zu erkennen.“ Das Zeichen für diese liebende Geduld Gottes sei das Kind, das die Hirten in der Krippe sagen, die „bis zum Äußersten getriebene Demut Gottes“. Die Botschaft, auf die alle warteten, sei nichts anderes als Gottes Zärtlichkeit, „Gott, der in unser Kleinsein verliebt ist“.

„Wenn wir in dieser Heiligen Nacht das Jesuskind betrachten, wie es gleich nach der Geburt in eine Futterkrippe gelegt wird, sind wir zum Nachdenken eingeladen. Wie nehmen wir die Zärtlichkeit Gottes an? Lasse ich mich von ihm erreichen, lasse ich mich umarmen oder hindere ich ihn daran, mir nahe zu kommen. „Aber ich suche doch den Herrn“, könnten wir einwenden. Das Wichtigste ist allerdings nicht, ihn zu suchen, sondern zuzulassen, dass er mich findet und mich liebevoll streichelt.“ Letztlich sei das die Frage, die das Christuskind am Weihnachtsfest stelle: Lasse ich die Liebe Gottes zu?

„Gehen wir noch einen Schritt weiter: Haben wir den Mut, mit Zärtlichkeit die schwierigen Situationen und die Probleme des Menschen neben uns mitzutragen, oder ziehen wir es vor, sachliche Lösungen zu suchen, die vielleicht effizient sind, aber der Glut des Evangeliums entbehren? Wie sehr braucht doch die Welt von heute Zärtlichkeit! Die Antwort des Christen kann nicht anders sein als jene, die Gott angesichts unseres Kleinseins gibt. Das Leben muss mit Güte, mit Sanftmut angegangen werden. Wenn wir uns bewusst werden, dass Gott in unser Kleinsein verliebt ist, dass er selbst sich klein macht, um uns besser zu begegnen, können wir nicht anders, als ihm unser Herz zu öffnen und ihn zu bitten: „Herr, hilf mir, wie du zu sein; gib mir die Gnade der Zärtlichkeit in den schwierigsten Lebensumständen; gib mir die Gnade, in jeder Not nahe zu sein, die Gnade der Sanftheit in welchen Konflikten auch immer“.“

Das einfache Volk habe das Licht gesehen, wiederholte der Papst die Weihnachtsbotschaft; nicht gesehen hätten es die Überheblichen, die Stolzen, diejenigen, die die Gesetze nach ihren persönlichen Maßstäben festlegten, die in ihrer Haltung verschlossen seien. Und er schloss mit dem Gebet: „O Maria, zeige uns Jesus!“.

Bildquelle: Heilige Messe im Petersdom – Bildquelle: Andreas Gehrmann