Gereinigt, wiedergeboren, erkauft

Gedanken zum Tagesgebet (Collecta) des zweiten Sonntages der Osterzeit. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 18. April 2020 um 11:21 Uhr
Taufbecken

Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat die Collecta, also das Tagesgebet, des zweiten Sonntages der Osterzeit (Dominica in albis = „Weißer Sonntag“) erneuert. In der überlieferten Form des Römischen Ritus wird das Osterfest laut der Collecta als vergangen betrachtet:

Gewähre, so bitten wir, allmächtiger Gott, dass wir, die wir das Osterfest begangen haben, es mit Deiner Gnade im Wandel und im Leben festhalten. Durch unseren Herrn“ (Übersetzung von  Pater M. Ramm FSSP)

Diese Übersetzung ist eine getreue Wiedergabe des lateinischen Originals im Römischen Messbuch der klassischen Form des Römischen Ritus:

Praesta, quaesumus, omnipotens Deus, ut, qui paschalia festa peregimus, haec, te largiente, moribus et vita teneamus. Per Dominum.

Da die Osterfeier jedoch nicht mit dem Weißen Sonntag, sondern erst mit Pfingsten zu Ende geht, findet sich in der ordentlichen Form des Römischen Ritus eine ganz  neue Oration. Diese spornt acht Tage nach der Osterfeier am Ostersonntag in ihrem lateinischen Original durch eine dreifache asyndetische (Asyndeton = Aneinanderreihung von Wörtern ohne Konjunktion) Anapher (=Wiederholung ein und desselben Wortes am Anfang eines Satzes: hier quo … quo … quo) rhetorisch eindrücklich die Gläubigen an, über Wasser, Geist und Blut nachzudenken, aus denen sie wiedergeboren, gerechtfertigt und in das göttliche Leben eingegliedert worden sind. Der in der dreifachen Anapher ausgesagte Inhalt bildet eine Klimax (= Steigerung): Wasser (Taufe) und Geist (Firmung) kulminieren in der Eucharistie (Blut) als dem Zielpunkt der christlichen Initiation (= Eingliederung in Christus und seinen mystischen Leib, die Kirche).

In der gegenüber dem lateinischen Original geringfügig verkürzten Übersetzung des Deutschen Messbuches heißt es :

Barmherziger Gott, durch die jährliche Osterfeier erneuerst du den Glauben deines Volkes. Lass uns immer tiefer erkennen, wie heilig das Bad der Taufe ist, das uns gereinigt hat, wie mächtig der Geist, aus dem wir wiedergeboren sind, und wie kostbar das Blut, durch da wir erkauft sind.“

Das lateinische Original der Editio Typica des Römischen Messbuches lautet wie folgt:

Deus misericordiae sempiternae, qui in ipso paschalis festi recursu fidem sacratae tibi plebis accendis, auge gratiam quam dedisti, ut digna omnes intelligentia comprehendat, quo lavacro abluti, quo spiritu regenerati, quo sanguine sunt redempti.

Durch die Taufe sind die Gläubigen eingetreten in das österliche Geheimnis des Leidens, des Todes und der Auferstehung Christi. In der Osternacht haben sie ihr Taufversprechen erneuert. In der Liturgie des zweiten Sonntages der Osterzeit, der die festliche Osteroktav beschließt, danken sie Gott für das wunderbare Geschenk ihrer Eingliederung in das Ostergeheimnis durch Taufe, Firmung und Eucharistie. Durch die Taufe sind sie gereinigt, im Heiligen Geist wiedergeboren und durch die heilige Eucharistie erhalten sie immer wieder auf Neue Anteil am kostbaren Blut Christi, das Christus am Kreuz vergossen und durch das er uns erkauft hat.

Foto: Taufbecken – Bildquelle: Ib Rasmussen / Wikipedia