„Gerechtigkeit heißt mehr als strafen“

Heiliger Vater für bessere Haftbedingungen in Gefängnissen.
Erstellt von Radio Vatikan am 23. November 2012 um 10:55 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Vatikan (kathnews/RV). Gerechtigkeit herstellen bedeutet mehr als Prozess und Strafe, es braucht einen Bewusstseinswandel innerhalb und außerhalb der Gefängnisse. Daran hat der Papst an diesem Donnerstag vor rund 200 Teilnehmern der 17. Konferenz der Direktoren der Gefängniseinrichtungen des Europarates erinnert. Auch in der Rechtsprechung und Strafjustiz müssten die Menschenrechte geschützt werden, so der Papst mit Blick auf die katastrophalen Haftbedingungen in vielen Gefängnissen Europas. In Italien wird zum Beispiel aktuell wieder einmal über dichtgedrängte Gefängnisse diskutiert, auch italienische Politiker hörten dem Papst an diesem Donnerstag zu. Der Papst sagte: „Man muss sich konkret – und nicht nur als Bestätigung eines Prinzips – für eine wirksame Erziehung des Menschen einsetzen, um seiner Würde willen und um seiner sozialen Reintegration willen. Der persönliche Bedarf des Gefängnisinsassen nach einer Zeit der Rehabilitation und der Reifung ist in der Tat zugleich ein Bedürfnis der Gesellschaft – und zwar um eine Person wiederzuerlangen, die einen wertvollen Beitrag zum Wohl aller leisten kann, und andererseits, um kriminelle Tendenzen und Gefahren in der Gesellschaft abzuschwächen.“

Für eine Verbesserung der Situation in den Gefängnissen brauche es angemessene Finanzierungen, um Haftanstalten würdevoller zu gestalten und dort etwa mehr Bildungsangebote für die Inhaftierten zu schaffen, so der Papst weiter. Zugleich müsse die Haftstrafe immer einer erzieherische Funktion haben, erinnerte Benedikt XVI. weiter. Dieser Aspekt sei keineswegs sekundär: „Um „Gerechtigkeit“ zu schaffen, reicht es nicht, denjenigen einfach zu bestrafen, der eines Vergehens für schuldig befunden wurde. Man muss mit der Strafe alles tun, was möglich ist, um den Menschen zu verbessern und ihn zu berichtigen. Wenn dies nicht passiert, ist Gerechtigkeit im umfassenden Sinn nicht hergestellt.“ Freilich sei dafür die Bereitschaft des Insassen zur Erziehung und zum Bewusstseinswandel unerlässlich, führte der Papst weiter aus. Auf jeden Fall müsse man aber verhindern, dass eine im erzieherischen Sinne gescheiterte Haftstrafe weitere negative Effekte auf den betreffenden Menschen habe – diese könne paradoxerweise zu einer weiteren kriminellen Gefährdung der Gesellschaft führen. Die Rolle der Sozialarbeiter und Gefängnismitarbeiter sei in gewissem Sinne fast wichtiger als die Rolle der Rechtsprechung, so der Papst weiter: ihre Sensibilität, Fähigkeit und Aufmerksamkeit verhülfe dem zum Erfolg, was auf dem Papier festgelegt worden sei.

Foto: Papst Benedikt XVI. – Bildquelle: Fabio Pozzebom/ABr