„Er lässt andere die Drecksarbeit machen“

Peter Bringmann-Henselder vom Kölner Betroffenenbeirat übt unverblümt scharfe Kritik an Kardinal Marx wegen dessen Rücktrittsbitte an den Papst und verteidigt den Kölner Kardinal Woelki.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 5. Juni 2021 um 14:50 Uhr
Kardinal Reinhard Marx

Köln/München (kathnews). Peter Bringmann-Henseler vom Betroffenenbeirat des Erzbistums Köln übt scharfe Kritik am Rücktrittsersuchen von Kardinal Marx. „Eines muss man Kardinal Marx lassen: Er hat den Medien jetzt eine Steilvorlage geliefert, die schon seit geraumer Zeit den Wettbewerb austragen: ‚Wer schafft es, dass Woelki zurücktritt'“, sagt Peter Bringmann-Henselder in einem Interview der katholischen Wochenzeitung „Die Tagespost“ fest. Das Rücktrittsangebot von Marx sei „Wasser auf die Mühlen der Medien, die sich an Woelki abarbeiten und nicht müde werden, ihn in ein schlechtes Licht zu rücken“. Es werde dabei „geflissentlich übersehen, dass er der erste war, der einen Betroffenenbeirat eingerichtet und 2018 versprochen hat: ‚Ich kläre auf!‘ Und mit dem Gercke-Gutachten hat er bewiesen, dass es ihm damit ernst ist. Kein anderes Bistum hat bisher ein solch umfassendes Gutachten vorgelegt, das für jeden Interessierten ungekürzt und ungeschwärzt einsehbar ist“, so Peter Bringmann-Henselder weiter.

Dieser kritisiert Kardinal Marx, weil er sich mit dem Rückzug gerade nicht der Aufarbeitung und der Aufklärung „und den richtigen Schritte zur Vermeidung“ von Missbrauchstaten stellen würde. „Er zieht sich zurück und lässt andere die Drecksarbeit machen“, klagt Bringemann-Henselder. Er fragt sich, ob der Rücktritt von Kardinal Marx die anstehenden Probleme wohl lösen. „Eher nicht, er stiehlt sich aus der Verantwortung. Er überlässt seinem Nachfolger diese heikle Aufgabe. Selbst das von ihm angekündigte neue Gutachten, was im Sommer dieses Jahres vorgelegt werden soll, will er nicht selbst präsentieren. Woran könnte das liegen? Wird er in diesem Gutachten womöglich der Vertuschung überführt? Will er nicht in den Strudel der negativen Presse geraten, wie es Kardinal Woelki erfahren hat und noch immer erfährt? Stößt ihm selbst auf, dass er im Laufe der letzten Monate mit eingestimmt hat in die Kritik an Woelki, der lieber ein neues Gutachten anfertigen ließ als mit dem ersten Gutachten eine Bauchlandung hinzulegen?“

Zum Interview in: „Die Tagespost“

Foto: Reinhard Kardinal Marx – Bildquelle: Wolfgang Roucka

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmen Sie dem zu. Datenschutzerklärung