Einkleidung und Tonsur bei der Piusbruderschaft

Bischof Alfonso de Galarreta in Zaitzkofen.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 5. Februar 2015 um 10:02 Uhr

Zaitzkofen (kathnews/pius.info). Am 2. Februar, dem Feste Mariä Reinigung („Lichtmess“), fanden in Zaitzkofen die Einkleidung der neuen Seminaristen und die Tonsur der Priesteramtskandidaten des 2. Jahrganges statt. Durch die Einkleidung legten insgesamt acht junge Männer (drei Deutsche, zwei Österreicher, ein Pole, ein Tscheche, ein Ungar) „die Schmach des weltlichen Gewandes“ (Zitat aus der Liturgie) ab, um im Talar ganz sichtbar Jesus Christus anzuziehen.

Der schwarze Talar (Soutane), der den Körper ganz bedeckt, ist ein Zeichen dafür, dass der Jünger Christi der Welt gestorben ist. Die Zeremonie der Einkleidung gehört zu den besonders ergreifenden Zeremonien. Die Kandidaten ziehen in ihrem weltlichen Anzug ein, den Talar tragen sie schon auf ihrem Arm. Ihre Eltern, Geschwister und Freunde sind zu diesem Tag gekommen und sehen nun mit Spannung und vielleicht etwas Wehmut, wie der Bischof die Talare segnet. Anschließend ziehen die Kandidaten aus der Kirche aus, um ihre neue Kleidung anzulegen. Dann ziehen sie unter den gespannten Augen ihrer Angehörigen und Mitbrüder ein, nun äußerlich ganz verändert. Anschließend überreicht der Bischof ihnen ein geweihtes Kreuz als Aufforderung, sich täglich mehr dem gekreuzigten Heiland gleichförmig zu machen.

Die Tonsur, die den vier Seminaristen des 2. Jahrganges (zwei Deutsche, ein Pole, ein Tscheche) erteilt wurde, ist die Aufnahme in den Klerikerstand mit all dessen Rechten und Pflichten. Bei der Tonsur schneidet der Bischof den Tonsuranden in Kreuzform fünf Haarbüschel ab. Dabei spricht der Tonsurand: „Der Herr ist der Anteil meines Erbes und meines Kelches; Du bist es, der mir zurückstellen wird mein Erbe“. Er erwählt damit den Herrn und den geistlichen Stand als sein Erbteil und widersagt der Welt. Der Bischof betet anschließend: „Verleihe, wir bitten Dich, allmächtiger Gott, dass diese Deine Diener, deren Haupthaar wir abgeschnitten haben, in Deiner Liebe beständig verharren, und bewahre Du sie unbefleckt in Ewigkeit.“ Anschließend singt der Chor: „Diese werden empfangen den Segen von dem Herrn und Barmherzigkeit von Gott, ihrem Heilande; denn das ist das Geschlecht derer, die den Herrn suchen“. Danach bekleidet der Bischof die Tonsurierten mit dem weißen Chorrock.

In seiner Predigt betonte Bischof de Galarreta, dass die Einkleidung und die Tonsur die beiden wesentlichen Aspekte der Nachfolge Christi als Jünger des Herrn zum Ausdruck brächten. Die Soutane zeige die Trennung von der Welt und auch die Verleugnung seiner selbst an, während die Tonsur die gänzliche Zugehörigkeit zu unserem Herrn, zur hl. Kirche, die gänzliche und dauernde Weihe an den Kult des wahren Gottes versinnbildliche. Damit vollzögen die Kandidaten den ersten Schritt hin zum Priestertum. Die Disposition, welche die Seminaristen heute haben müssten, sei sehr schön im Festgedanken Mariä Reinigung vorgezeichnet. Maria habe das alttestamentliche Reinigungsopfer dargebracht, und der Jesusknabe sei im Tempel dargestellt und ausgelöst worden gemäß dem jüdischen Gesetz. Beide Vorschriften hingen mit der Erbsünde zusammen. Jesus und Maria waren aber ganz von der Sünde frei und so hätten sie diese Vorschriften nicht zu erfüllen brauchen.

Aber aus Demut, Gehorsam und Ehrfurcht gegenüber dem Gesetz Gottes seien sie den Gesetzesbestimmungen nachgekommen. Sie hätten damit auch die Hingabe ihrer selbst an Gott, ihre Opfergesinnung zum Ausdruck gebracht. Wie bei seiner Geburt habe der Herr bei seiner Darstellung im Tempel gesprochen: „Opfer und Gabe verlangtest Du nicht, einen Leib aber hast Du mir bereitet; an Brand und Sühnopfern fandest Du kein Gefallen. Da sprach ich: Siehe, ich komme – in der Buchrolle steht es von mir geschrieben –, Deinen Willen, o Gott, zu vollbringen“ (Hebr 10,5–7). Dieses Wort habe Christus bei seinem Opfer am Kreuz, das er aus Gehorsam und Liebe zum Vater und aus Liebe zu den Menschen dargebracht hat, eingelöst. Dieselbe Gesinnung der Demut, des Gehorsams und der Ganzhingabe an Gott sollten auch die Seminaristen in ihren Herzen erwecken und erneuern.

Foto: Tonsur bei der Piusbruderschaft – Bildquelle: pius.info