Eine neue Ehelehre? – Kardinal Brandmüller spricht unmissverständlich von „Häresie“

Der Bischof im Interview mit der katholischen Website LifeSiteNews.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 20. April 2015 um 08:26 Uhr
Hochzeitsbank

Front Royal, Virginia (kathnews/fsspx.de/LifeSiteNews). In einem Interview mit eine der größten katholischen Websites der USA, LifeSiteNews, hat Walter Kardinal Brandmüller die Verteidiger einer neuen Ehelehre als Häretiker bezeichnet, selbst wenn es sich um Bischöfe handelt. Auf die Frage, ob die Kirche den „Wiederverheirateten“ Geschiedenen die Hl. Kommunion geben kann, antwortet der Kardinal unmissverständlich: „Das wäre möglich, wenn die betreffenden Paare die Entscheidung treffen würden, in Zukunft wie Bruder und Schwester zu leben. Diese Lösung ist besonders dann eine Überlegung wert, wenn die Betreuung von Kindern eine Trennung verbietet. Die Entscheidung für einen solchen Weg wäre ein überzeugender Ausdruck der Buße für den vorherigen und langwierigen Ehebruch.“

Die Interviewerin, Frau Dr. Maike Hickson stellt weiter die Frage, ob die Kirche in dieser Frage überhaupt eine Änderung der Lehre aus pastoralen Gründen vornehmen kann, ohne in die Häresie zu fallen. Auch hier ist die Antwort von Kardinal Brandmüller eindeutig: „Es ist offensichtlich, dass die pastorale Praxis der Kirche nicht im Gegensatz stehen kann zu der bindenden Lehre und diese auch nicht einfach ignorieren kann. In gleicher Weise könnte ein Architekt vielleicht die schönste Brücke bauen. Wenn er allerdings nicht die Gesetze der Statik beachten, riskiert er den Zusammenbruch seiner Konstruktion. In gleicher Weise hat jede pastorale Praxis dem Wort Gottes zu folgen, wenn wir nicht wollen, dass sie zum Scheitern verurteilt ist. Eine Änderung der Lehre, des Dogmas, ist undenkbar. Wer dies dennoch bewusst tut, oder dies beharrlich fordert, ist ein Häretiker – auch wenn er den römischen Purpur trägt.“

Der Kardinal bestätigt auf die Frage der Interviewerin das heute auch unter Katholiken weit verbreitete Missverständnis, dass es sich beim Empfang der Heiligen Kommunion bloß um Brot und Wein handelt und nicht um den wahren Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus. „In der Tat gibt es eine unlösbare innere Widerspruch in jemanden, der den Leib und das Blut Christi empfangen will um sich mit ihm zu vereinigen, während er zur gleichen Zeit bewusst seine Gebot missachtet. Wie soll das funktionieren?“, so der Kardinal. Weiter sagt der Kardinal: „Sie haben Recht. Bei weitem nicht alle Katholiken glauben an die wirkliche Gegenwart Christi in der Hostie. Man kann diese Tatsache bereits in der Art und Weise vieler Personen sehen – auch von Priester – die an dem Tabernakel vorbeigehen, ohne eine Kniebeuge zu machen“.

Zu den Gründen für die Angriffe auf die Unauflöslichkeit der Ehe nennt Kardinal den moralischen Relativismus, die Missachtung des Naturrechts mit der Konsequenz, dass jeder glaubt das tun zu können, was ihm gefällt. Hinzu kommt die individualistische Auffassung des Lebens, die dieses als eine einzelne Veränderung des eigenen Lebens betrachtet und nicht als eine Sendung des Schöpfers. Auch das zunehmende Unverständnis und das Verschweigen der Erbsünde, tragen zu diesem moralischen Relativismus bei, obwohl das eigene Leben nicht verständlich ist, ohne die Erbsünde. Daher sollte die Erbsündenlehre wieder eine zentrale Bedeutung in der Predigt erlangen.

Das vollständige Interview in englischer Sprache kann hier nachgelesen werden.

Foto: Hochzeitsbank – Bildquelle: Alexander Hauk / www.bayern-nachrichten.de