Eine Aussage des Papstes sorgt wieder einmal für Unruhe

Ein Diskussionsbeitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 22. Oktober 2020 um 22:46 Uhr
Papst Franziskus

Vatikan (kathnews).Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie. Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“ Mit diesen Worten sorgte Papst Franziskus erneut für Unruhe. Der Papst ist bekannt für seine undeutliche Rhetorik. Der Kontext der jüngsten Äußerungen von Papst Franziskus, so Kardinal Burke in einem heutige Statement, und die Gelegenheit, in der der Papst sich geäußert habe, legten es nahe, dass sie keinerlei lehramtliches Gewicht haben. Daher seien sie, so Kardinal Burke weiter, als Privatmeinung des Papstes zu interpretieren und binden in keinster Weise das Gewissen der Gläubigen. Die Gläubigen seien darum weiterhin an die Vorgaben der Offenbarung, der Tradition, des authentischen Lehramt der Kirche gebunden. Man kann noch ergänzen: Für Nichtkatholiken gilt das natürliche Sittengesetz, das mit dem gesunden Menschenverstand erkannt wird und mit den Vorgaben der Offenbarung, d.h. der Heiligen Schrift, übereinstimmt. Doch was meinte der Papst eigentlich genau? Die einen interpretieren es so, die anderen so. Kathnew-Mitarbeiter Clemens Victor Oldendorf hat folgenden Interpretationsvorschlag:

Diskussionsbeitrag von Clemens Victor Oldendorf

In einem Dokumentarfilm, der über ihn erstellt worden ist, hat Papst Franziskus eine Aussage getroffen, für die er bei linken politischen und kirchlichen Kreisen wieder einmal begeisterte Zustimmung erntet, konservative Katholiken aber gelinde gesagt in Unruhe versetzt.

Was hat der Papst gesagt? Der Wortlaut ist offenbar folgender: „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein. Sie sind Kinder Gottes und haben das Recht auf eine Familie. Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht.“

a) „Homosexuelle haben das Recht, in einer Familie zu sein“: Naturgemäß entstammt jeder Mensch einer biologischen Familie, ist von einem Vater gezeugt, von einer Mutter empfangen und geboren worden. Zu dieser Familie gehören die Frau oder der Mann mit homosexueller Lebensweise oder Tendenz als Tochter oder Sohn, Schwester oder Bruder, Cousine oder Cousin, Tante oder Onkel und so weiter. Aus dieser Familie dürfen sie nicht aufgrund ihrer Neigung allein verstoßen oder ausgeschlossen werden. Das entspricht ganz der Linie, die schon im Katechismus der Katholischen Kirche zur Geltung gekommen ist, kann also nicht speziell dem gegenwärtigen Papst angelastet werden.

b) „Sie sind Kinder Gottes“: Diese Aussage ist ungenau und die am meisten problematische im gesamten Kontext. Sie insinuiert, alle Menschen (und deshalb selbstredend auch alle homosexuellen Menschen) seien Kinder Gottes. Tatsächlich sind zwar alle Menschen nach Gottes Bild und Gleichnis erschaffen. Dennoch sind alle Menschen zunächst lediglich Gottes Geschöpfe. Die Gotteskindschaft erlangt der Mensch jedoch durch die Taufe. Im strengen Sinne sind daher nur alle Getauften (und somit selbstverständlich auch alle getauften Menschen mit homosexuellen Tendenzen) Kinder Gottes.

c) Sie „haben das Recht auf eine Familie“: Hier gilt das unter a) Gesagte, darüberhinaus ist nicht von der Gründung einer Familie die Rede, also offensichtlich die Ursprungsfamilie der betreffenden Personen gemeint.

d) „Was wir benötigen, ist ein Gesetz, das eine zivile Partnerschaft ermöglicht“: Wenn man hier überhaupt von einer Forderung des Papstes sprechen wollte oder kann, müsste man das strenggenommen in Anführungszeichen setzen, denn die Möglichkeit einer eingetragenen Partnerschaft ist längst ein Faktum der meisten Rechtsordnungen. Unausgesprochen spricht sich Franziskus mit dieser Bemerkung sogar erneut gegen die zivile Ehe für alle aus, also eine staatliche Ehedefinition, die von der Verschiedengeschlechtlichkeit der Ehepartner absieht, für die diese jedenfalls nicht länger konstitutiv und unabdingbar ist.

Medien und progressive Kirchenkreise bejubeln einmal mehr Papst Franziskus für etwas, was er so nicht gesagt hat. Konservative interpretieren ihn reflexartig in der von Medien und Liberalen favorisierten Weise. Das ist unnötig und unklug.

Ergo: Daran, dass Franziskus häufig extemporiert und wenig präzise spricht und seine Gedanken auch nicht nachträglich präzisiert, müsste man inzwischen gewohnt sein. Das schafft tatsächlich Verunsicherung und ist insofern sehr bedenklich. Papst Franziskus fordert diesmal aber  – prinzipiell unabhängig von jeder Art praktizierter Sexualität oder sexueller Inaktivität der Personen – eine Möglichkeit zivilrechtlicher, juristischer Absicherung für Menschen desselben Geschlechts vor dem weltanschaulich neutralen Staat, die die allermeisten Staaten Europas und der Welt längst gewähren, und der regierende Heilige Vater lehnt zugleich den weiteren Schritt einer Gleichstellung mit der Ehe oder die erweiterte Verwendung dieses Begriffes auch für die Partnerschaft von Menschen gleichen Geschlechts ab. Darüberhinaus sagt er nichts, was nicht schon bisher im Einklang mit der Lehre der Kirche und den Aussagen des Weltkatechismus steht.

Es sei in diesem Zusammenhang schließlich daran erinnert, dass Papst Benedikt XVI. im Falle homosexueller Prostitution die Verwendung von Kondomen befürwortet hatte. Wer wollte behaupten, damit habe er diese Art der Prostitution gutgeheißen oder zu ihr aufgerufen? Er wollte vielmehr lediglich das Übel abmildern, da es keine Möglichkeit gibt, die Sünde an sich gänzlich abzustellen.

Foto: Papst Franziskus – Bildquelle: Kathnews