Ein Seminarist am Priesterkolleg in Avignon berichtet: „Mutter Teresa zog mich aus dem Müll heraus“

Emmanuel Leclercq besucht Waisenhaus dem er sein Leben verdankt.
Erstellt von Radio Vatikan am 6. September 2016 um 07:30 Uhr
Priesterkragen

Avignon (kathnews/RV). Mutter Teresas größte Wunder sind jene Kinder, die sie rettete. Mit einem von ihnen haben unsere Kollegen von der französischen Abteilung von Radio Vatikan gesprochen: Emmanuel Leclercq kam in Indien zur Welt. Mutter Teresa rettete das wenige Tage alte Neugeborene aus einem Mülleimer. Später adoptierte ein französisches Paar den Jungen. Heute ist Emmanuel Seminarist am Priesterkolleg in Avignon.

„Ich bin am 9. September 1982 geboren und wurde zehn Tage nach meiner Geburt ausgesetzt. Das war in einem Slum von Bombay – dem heutigen Mumbai – und ich wurde dort in einem Abfalleimer weggeworfen, genau gegenüber einem Waisenhaus der Missionarinnen der Nächstenliebe. Zufälligerweise war damals Mutter Teresa zu Besuch. Sie selbst fand mich und zog mich aus dem Müll.“

In diesem Sommer ist Emmanuel drei Wochen in Indien gewesen – er selbst wünschte es sich, und sein Bischof empfahl es ihm. In Mumbai suchte der Seminarist das Waisenhaus auf, dem er sein Leben verdankt, traf dort auch mehrere Mutter-Teresa-Schwester, darunter eine, die im Augenblick seiner Rettung vor 34 Jahren dabei war.

„Für mich war die Begegnung in Indien ein Moment der Gnade. Mir wurde das in diesem Moment so gegenwärtig: Meine Mutter, die mich dort aussetzt. Sie hatte mir – das sagte mir die alte Schwester – ein Bändchen um das Handgelenk gebunden, darauf stand das Datum und mein Name. Und ich habe Gott gedankt dafür, dass er mir eine Mutter geschenkt hat, die mir einen Namen gab und mich damit anerkannt hat. Sie hat mich, so glaube ich, aus Liebe hergegeben. Sie sicherte mir so das Überleben. Sie hätte mich auch anderswo ablegen können, nicht gerade vor den Missionarinnen der Nächstenliebe. Ich habe meinen leiblichen Eltern gedankt und meinen Adoptiveltern. Meine leibliche Mutter hat mich verschenkt, indem sie mich aussetzte. Mein Leben soll von jetzt an anderen gehören. Mit Gottes Gnade werde ich das als Priester tun.“

Emmanuel hat, wie er sagt, vier Mütter: Maria, die Gottesmutter, seine leibliche Mutter in Indien; Mutter Teresa, die ihn aus dem Müll hervorzog, und seine Adoptivmutter. Auch die Menschen in Indien selbst haben ihn beeindruckt, erzählt der angehende Priester, der in Kalkutta in einem der Häuser von Mutter Teresa auch mit Hand anlegte.

„Der Grund meiner Reise war es, den Armen zu helfen. Zugleich komme ich selbst aus einem Slum, und so war ich dort gewissermaßen in meinem Element. Die Armut ist nichts, was man sich wählen soll, aber was man wählen soll, ist Einfachheit. Mich hat das schon länger beschäftigt – und ich habe es bei meiner Indienreise neu entdeckt. Die Inder haben mich da sehr beeindruckt. Sie haben nichts, aber sie geben alles.“

Foto: Priesterkragen – Bildquelle: Kathnews