„Ehre sei Gott in der Höhe“. Papst Paul VI. und die Erforschung des Mondes

Der neue selige Pontifex zeigte sich dem technischen Fortschritt gegenüber aufgeschlossen, setzte ihn aber stets in Bezug zum Glauben.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 18. Oktober 2014 um 21:38 Uhr
Vaticanum II, Papst Paul VI.

Von Ulrich Nersinger:

Das NASA-Programm zur Erforschung des Mondes verfolgte Papst Paul VI. mit großem Interesse. Zu Beginn des Jahres 1969 besuchte Captain Frank Borman, der Kommandant von Apollo VIII, auf Einladung der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Rom, wo er Vorlesungen über das Raumfahrtprogramm der USA hielt. Am 15. Februar hatten sich in der Aula der Bischofssynode rund zwanzig Kardinäle, das beim Heiligen Stuhl akkreditierte Diplomatische Korps sowie eine beträchtliche Anzahl von Persönlichkeiten der Römischen Kurie und des Vatikans eingefunden. Borman referierte über seinen Mondflug und zeigte einen an Bord von Apollo VIII gedrehten Farbfilm; die Erde als Ganzes zu sehen, bezeichnete der Astronaut als die großartigste Schau, die ihm auf seinen Flug ins Weltall zuteil geworden sei, seinen Vortrag schloss er mit den Worten: „Von dort oben aus sind die Grenzen, die die Völker trennen, nicht zu sehen“. Anschließend wurde Captain Borman zusammen mit seiner Frau Susan und seinen beiden Söhnen von Papst Paul VI. in Privataudienz empfangen. Zur Begrüßung sagte der Heilige Vater: „Wir sind glücklich, einen der unerschrockenen Raumfahrer zu grüßen, die dazu beigetragen haben, die Kenntnis der göttlichen Schöpfung bei den Menschen so zu vertiefen und damit die Bewunderung des Menschen für das Werk Gottes zu vermehren. Wir bewundern auf das höchste den Mut, den Sie und Ihre Kameraden auf dem Flug bewiesen haben“. Während der Audienz überreichte ihm Papst Paul VI. eine kleine Flagge des Vatikanstaates. Frank Borman versprach, dass sie bei einer der kommenden Landungen auf dem Erdtrabanten mitgenommen würde.

 Mit der ganzen katholischen Kirche grüßt Euch Papst Paul VI.

1969 setzte der erste Mensch seinen Fuß auf den Mond. Der Heilige Vater begab sich am Abend des 20. Juli vom Apostolischen Palast in Castel Gandolfo in die nahegelegene Sternwarte des Vatikans. Durch das Teleskop beobachtete er eine Weile das „Meer der Ruhe“. Am Fernsehbildschirm verfolgte er dann interessiert die Übertragungen vom Landemanöver. Unmittelbar nach dem Aufsetzen der Mondfähre richtete Papst Paul VI. über Radio eine Botschaft an die Welt und die Astronauten: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden, die guten Willens sind! Wir, demütiger Stellvertreter jenes Christus, der aus der Tiefe der Göttlichkeit zu uns kommend diese selige Stimme am Firmament hat erschallen lassen, machen Uns heute zum Echo dieser Stimme und wiederholen sie als festlichen Hymnus unserer ganzen Weltkugel, die nicht mehr unüberschreitbare Grenze der menschlichen Existenz, sondern offene Schwelle zur Weite des grenzenlosen Raumes und zu neuen Bestimmungen ist. Ehre sei Gott! Und Ehre den Menschen, die dieses große Raumfahrtunternehmen bewerkstelligt haben! Ehre den Verantwortlichen, den Wissenschaftlern, den Erdenkern, den Organisatoren, den Arbeitern! Ehre allen, die diesen so kühnen Flug ermöglicht haben! Ehre allen, die in irgendeiner Weise damit zu tun haben! Ehre allen, die vor ihren wunderbaren Apparaten sitzend das Unternehmen leiten, und allen, die der Welt das Werk und die Stunde bekannt geben, die die wissende und mutige Herrschaft des Menschen auf die himmlischen Tiefen ausdehnt.“ An die Astronauten gewandt sagte der Heilige Vater mit bewegter Stimme: „Hier spricht zu Euch, von seiner Sternwarte in Castelgandolfo in der Nähe von Rom aus, Papst Paul VI. Ehre, Gruß und Segen Euch, die ihr den Mond erobert habt, das bleiche Licht unserer Nächte und unserer Träume. Bringt dem Mond mit unserer lebhaften Teilnahme die Stimme des Geistes, den Hymnus für Gott, unseren Schöpfer und Vater. Wir sind Euch nahe mit Unseren Wünschen und mit Unseren Gebeten. Mit der ganzen katholischen Kirche grüßt Euch Papst Paul VI.“. Gegen 23.00 Uhr verließ der Heilige Vater das Observatorium und begab sich wieder in seine Gemächer im Apostolischen Palast. Gegen 4.00 Uhr wurde er vom Direktor der Sternwarte, dem irischen Jesuitenpater Joseph O’Connell, telephonisch geweckt. Der Papst sah sich dann bis 5.30 Uhr am Fernsehschirm die Direktübertragung vom Mond an.

Die Kongregation blieb geschlossen

Dieses bedeutende Ereignis in der Geschichte der Menschheit war nicht nur beim Papst sondern im ganzen Vatikan auf großes Interesse gestoßen. Eine katholische Nachrichtenagentur berichtete: „In der historischen Nacht der Mondlandung vom 20. zum 21. Juli blieben auch im Vatikan viele Fenster erleuchtet. Zahlreiche Kurienkardinäle und –prälaten verbrachten die ganze Nacht vor dem Bildschirm, um das große Ereignis auf diese Weise mitzuerleben. Besonders festlich ging es dabei in der Wohnung des US-amerikanischen Kurienkardinals John Joseph Wright, des Präfekten der Kongregation für den Klerus, zu. Zusammen mit einigen Gästen verfolgte der Kardinal die ganze Nacht hindurch die Übertragungen. Dafür blieb die von ihm geleitete Kongregation am Montag geschlossen – ein noch nie dagewesenes Faktum im Vatikan. Am Montagvormittag, 21. Juli, zelebrierte Kardinal Wright dann eine heilige Messe für die Astronauten und alle, die am Gelingen des Mondlande-Unternehmens mitgewirkt hatten“.

Zeitliches und sittliches Wohl des Menschen

In den Tagen vor und nach der Mondlandung hatte sich Papst Paul VI. intensiv mit allen Dimensionen dieses historischen Geschehens befasst. Am Mittag des 20. Juli fanden sich Tausende von Pilgern und Touristen zum Angelusgebet in der päpstlichen Sommerresidenz ein. Vor dem „Engel des Herrn“ lobte der Papst überschwänglich das Unternehmen, ließ jedoch auch warnende Worte vernehmen: „Im Taumel dieses prophetischen Tages, dieses wahren Triumphs der vom Menschen zur Beherrschung des Kosmos geschaffenen Mittel, dürfen wir nicht vergessen, wie notwendig und pflichtgemäß es ist, dass sich der Mensch selbst zu beherrschen vermag. Auf dem Antlitz der Erde, wir wissen es alle, immer noch drei Kriege im Gange: in Vietnam, in Afrika und im Nahen Osten. Dazu ist noch ein vierter gekommen, der gerade in diesen Tagen in Salvador und Honduras Tausende von Opfern gefordert hat. Und dann der Hunger, der immer noch ganze Völker bedrängt. Wo ist die wahre Menschlichkeit? Wo ist die Brüderlichkeit? Wo ist der Friede? Wo bliebe der wahre Fortschritt des Menschen, wenn dieses Unglück weiterbestünde und sich verschlimmerte? Heute feiern wir einen erhabenen Sieg dieses Fortschrittes. Möge er sich doch endlich dem wahren zeitlichen und sittlichen Wohl der Menschheit zuwenden.“

Vatikanflagge mit einem Stück Mondgestein

Nach der bisher letzten Mondlandung am 7. Dezember 1972 besuchte der Kommandant von Apollo XVII, Eugen Cernan, Paul VI. Er dankte dem Papst dafür, dass er die Mondlandungen mit seinem Gebet begleitet habe und gab ihm die auf den Mond mitgenommene Vatikanflagge zurück, zusammen mit einem Stück Mondgestein als Geschenk des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika.

Foto: Papst Paul VI. im Petersdom – Bildquelle:  Lothar Wolleh / Wikipedia