Durch die österlichen Sakramente erneuert und zur Gotteskindschaft erhoben

Gedanken zur Collecta (Tagesgebet) des 3. Sonntages der Osterzeit. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 24. April 2020 um 15:41 Uhr

Die Collecta (Tagesgebet) des 3. Sonntages der Osterzeit ist neu. Sie tritt an die Stelle der Collecta, die in der klassischen Form des Römischen Messritus für diesen Sonntag (2. Sonntag nach Ostern) vorgesehen ist. Allerdings ist die alte Collecta nicht aus dem neuen Messbuch verschwunden. Im Zuge der nachkonziliaren Liturgiereform hat sie – in ihrem Wortlaut geringfügig geändert – ihren neuen Platz am 14. Sonntag im Jahreskreis erhalten.

Während in der klassischen Form bereits heute der Sonntag vom Guten Hirten gefeiert wird (in der ordentlichen Form geschieht das am kommenden 4. Sonntag der Osterzeit), greift der 3. Sonntag der Osterzeit in der ordentlichen Form  des römischen Ritus erneut die dankbare Freude der Osternacht auf. Das zeigt sich im lateinischen Text des Oration durch das durchlaufende Thema der Freude: exsultet, laetatur: das Volk Gottes möge frohlocken (exsultet),  und es freut sich (laetatur):

Semper exsultet populus tuus, Deus, renovata animae iuventute, ut, qui nunc laetatur in adoptionis se gloriam restitutum, resurrectionis diem spe certae gratulationis exspectet. Per Dominum.

Allmächtiger Gott, lass die österliche Freude in uns fortdauern, denn du hast deine Kirche neue Lebenskraft geschenkt und die Würde unserer Gotteskindschaft in neuem Glanz erstrahlen lassen. Gibt, dass wir den Tag der Auferstehung voll Zuversicht erwarten als einen Tag des Jubels und des Dankes. Darum bitten wrr durch Jesus Christus. (Übersetzung Deutsches Messbuch).

Das erste Verb (exsultet) erinnert an das Exsultet (Osterjubelgesang) der Osternacht.  Die Kirche ruft am heutigen 3. Ostersonntag erneut auf zu frohlockender Freude. Der Grund ist die Erneuerung der Jugend, der Vitalität, der „neue(n) Lebenskraft“ der menschlichen Seele durch das Ostergeheimnis – in der lateinischen Oration prägnant ausgedrückt durch einen Ablativus absolutus: renovata animae iuventute.  Denn Kreuz und Auferstehung bewirken vermittels der Taufe, dass der Mensch in Christus vom himmlischen Vater als Sohn, als Kind angenommen wird. So freut sich (laetatur) der Getaufte darüber, dass er in die Ehre und den Glanz (gloria) der Gotteskindschaft (adoptio) wieder zurückgeführt worden ist (vgl.  den Relativsatz mit dem folgenden durch eine Ellipse – das Hilfsverb esse ist aus rhythmischen Gründen ausgelassen – auffallenden Accusativus cum Infinitivo : qui nunc laetatur in adoptionis se gloriam restitutum [esse]). Der durch Christi Kreuz und Auferstehung zu neuem Leben geborene und durch die Gotteskindschaft gerechtfertigte Mensch soll nun selber den Tag seiner eigenen Auferstehung in der Hoffnung „sicheren Glückes“ (spe certae gratulationis) erwarten (ut … exspectet).

Durch die österlichen Sakramente erneuert und zur Würde der Gotteskindschaft erhoben, haben wir selber Grund zur Hoffnung, dass wir einst in der Gemeinschaft mit Christus in einem ihm gleichgestalteten und verklärten Leib auferstehen werden. Christi Auferstehung ist der Grund für unsere eigene Auferstehung am Jüngten Tag.

Foto: Taufbecken von Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI.) – Bildquelle: Kathnews