Dokudrama über Karl den Großen im Fernsehen

Der Sender Arte und die ARD senden einen spektakulären Film über den mächtigsten Herrscher des Mittelalters und den „Vater Europas".
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 17. April 2013 um 22:44 Uhr
Aachener Dom

Aachen (kathnews). Am vergangenen Montag war Weltpremiere in Aachen: Zur Aufführung vor geladenen Gästen kam das spektakuläre Dokudrama mit dem Titel „Karl der Große“. Der Sender Arte bringt den Film am kommenden Samstag, dem 20. April, als Dreiteiler in seinem Abendprogramm, die ARD strahlt eine kürzere Version von 90 Minuten am 1. Mai aus. Anlass des Films ist der 1200. Sterbetag des „Vaters Europas“ 2014. Karl starb am 28. Januar 814 in Aachen. Die Stadt und das Aachener Domkapitel bereiten das Gedenkjahr vor. Geplant sind unter anderem drei große Sonderausstellungen (im Aachener Rathaus, im Centre Charlemagne und in der Domschatzkammer) um die Person des Frankenkaisers unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck.

Mischung aus Spielfilm und historischen Einordnungen

Das spektakuläre Dokudrama erweckt den Kaiser zu neuem Leben mit allen seinen Facetten. Große Aufmerksamkeit wendet der Film den Kriegen zu, die Karl geführt hat und durch die er zum Herrscher von beinahe ganz Europa aufstieg. Am Ende des Films wird das in Erinnerung gerufen, was als die „Karolingische Reform“ in die Geistes- und Kulturgeschichte eingegangen ist: die großangelegte Kulturpolitik Karls auf der Grundlage der griechisch-römischen Antike und des Christentums, den beiden Fundamenten des heutigen Europas. Neben den aufwendig produzierten Spielszenen steht die historische Spurensuche im Mittelpunkt dieses Films. Wissenschaftler kommen zu Wort, kommentieren die einzelnen Szenen und setzen sie in den jeweiligen historischen Kontext.

Aachener Dompropst ist sehr zufrieden

Der Aachener Dompropst Prälat Dr. Helmut Poqué war bei der Premiere dabei und gab dem Film eine gute Note: „Ein toller Film. Aber ich bin gespannt auf die Szenen, die in der gekürzten Fassung nicht gezeigt wurden. Die Geschichte ist ausgewogen, und man bekommt gute Informationen über Karls Leben.“

Aachen selber kommt etwas zu kurz

Der Aachener Historiker Max Kerner, Professor für mittelalterliche Geschichte an der RWTH in Aachen und anerkannter Experte für Karl den Großen, empfahl den Film ebenfalls: „Der Film ist sehr anregend. Es wird das Bild Karls des Großen prägen. Und Karl hat jetzt ein Geschicht.“ Dennoch findet der Historiker: „Der Film läuft um das Jahr 800 aus, da fehlen 14 Jahre. In Aachen hat Karl das geistige Leben auf den Weg gebracht. Das hätte man breiter darstellen können.“ Tatsächlich steht im Film der Kriegsherr Karl im Mittelpunkt des Interesses, wodurch der Film etwas einseitig erscheint. Die für die Kulturgeschichte Europas so entscheidenden Aachener Jahre Karls kommen zu kurz. Aachen war bekanntlich für Karl den Großen das „Rom des Nordens“. Die Aachener Pfalz, seine Liebelingspfalz, und hier vor allem die Pfalzkapelle, den heutigen Dom mit seinem imposanten Oktogon, hat er bewußt nach römisch-byzantinischen Vorbildern erbauen lassen. In Aachen lag das kulturelle und politische Zentrum Europas. Hierher an den Aachener Hof hatte Karl die namhaftesten Gelehrten seiner Zeit aus ganz Europa berufen. Als sehr gelungen findet der Aachener Historiker dagegen, dass Einhard, der Verfasser der „Vita Karoli Magni, der Biographie Karls des Großen, durch den Film führt. „Das hilft dem Zuschauer, bei ihm fühlt man sich aufgeboben“, bemerkt der Historiker.

Foto: Aachener Dom – Bildquelle: Lokilech

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