Die Welt, nicht der Altar oder die Kanzel ist der eigentliche Ort des Laien

Vatikanum II über den Weltcharakter des Laien. Artikel 31 von Lumen gentium.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 6. Februar 2015 um 22:47 Uhr
Vaticanum II, Papst Paul VI.

Einleitung von Gero P. Weishaupt:

Nach der Reihe „Papst Benedikt XVI. und der Islam“ setzt Kathnews die Reihe über ausgewählte Texte des Zweiten Vatikanischen Konzils fort. Diese Reihe versteht Kathnews als eine Würdigung des Zweiten Vatikanischen Konzils, das vor 50 Jahren tagte und am 8. Dezember 1965 beendet wurde. Mit der Veröffentlichung einschlägiger Texte des letzten Konzils will Kathnews dem Wunsch Papst Benedikts XVI., der seinerzeit Peritus des Kölner Erzbischofs Joseph Kardinal Frings auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gewesen ist, entsprechend zur breiten Kenntnis der Konzilstexte beitragen. Das Studium der Texte ist die Voraussetzung für die Interpretation und die Anwendung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Einen von den Texten (und ihrer Genese) losgelösten „Geist des Konzils“ gibt es nicht. Nur im Erfassen der Texte und ihrer Redaktionsgeschichte erhebt sich der authentische Geist, der die Konzilsväter beseelte. Ziel des Konzils war es, die Kirche durch ein Aggiornamento („Verheutigung“ der Kirche) auf der Grundlage eines Ressourcement (d.h. durch ein erneutes Schöpfen aus den Quellen der Heiligen Schrift und der 2000jährigen Tradition der Kirche) zu erneuern. Darum versteht das Konzil nur, wer es liest in einer „Hermeneutik der Reform in Kontinuität“ (so Benedikt XVI. in seiner Weichen stellenden und berühmten Rede vom 22. Dezember 2005 vor der Römischen Kurie).

Der Laie

In Artikel 31 der Kirchenkonstitution Lumen gentium bieten die Konzilsväter eine Beschreibung (keine Definition!) des Laien. Danach ist der Laie ein Christgläubiger, der nicht durch eine besondere Weihe Kleriker ist oder aufgrund eines Gelübdes zu einem Institut des geweihten Lebens gehört. Der Laie zeichnet sich durch die Taufe aus, wodurch er Anteil erhält am dreifachen Amt Christi: dem Priester, Propheten- und Hirtenamt, freilich auf eine andere Weise als die geweihten Christgläubigen, die Kleriker.

Die Welt, nicht der Altar oder die Kanzel ist der eigentliche Ort des Laien

Den entscheidende Unterschied des Laien zum Kleriker- und Ordensstand ist nach der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils der Weltcharakter (indoles saecularis). Was das konkret bedeutet, formulieren die Konzilsväter in den folgenden zentralen Sätzen des Artikels: „Sache der Laien ist es, kraft der ihnen eigenen Berufung in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen. Sie leben in der Welt, das heißt in all den einzelnen irdischen Aufgaben und Werken und den normalen Verhältnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist. Dort sind sie von Gott gerufen, ihre eigentümliche Aufgabe, vom Geist des Evangeliums geleitet, auszuüben und so wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt gewissermaßen von innen her beizutragen und vor allem durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen.“ Dieser für die Laien typische „Weltcharakter“ schließt freilich nicht aus, dass sie auch an der amtlichen, hierarchischen Sendung der Kirche kraft Taufe und Firmung teilnehmen können. Allerdings ist der eigentliche Ort des Laien in der Kirche nicht Kanzel und Altar. Dem Laien kommt es zu, das Reich Gottes „in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge“ zu suchen und auf diese Weise „wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt“ ihren Beitrag zu leisten.

Text von Lumen gentium, Artikel 31

„Unter der Bezeichnung Laien sind hier alle Christgläubigen verstanden mit Ausnahme der Glieder des Weihestandes und des in der Kirche anerkannten Ordensstandes, das heißt die Christgläubigen, die, durch die Taufe Christus einverleibt, zum Volk Gottes gemacht und des priesterlichen, prophetischen und königlichen Amtes Christi auf ihre Weise teilhaftig, zu ihrem Teil die Sendung des ganzen christlichen Volkes in der Kirche und in der Welt ausüben.

Den Laien ist der Weltcharakter in besonderer Weise eigen. … Sache der Laien ist es, kraft der ihnen eigenen Berufung in der Verwaltung und gottgemäßen Regelung der zeitlichen Dinge das Reich Gottes zu suchen. Sie leben in der Welt, das heißt in all den einzelnen irdischen Aufgaben und Werken und den normalen Verhältnissen des Familien- und Gesellschaftslebens, aus denen ihre Existenz gleichsam zusammengewoben ist. Dort sind sie von Gott gerufen, ihre eigentümliche Aufgabe, vom Geist des Evangeliums geleitet, auszuüben und so wie ein Sauerteig zur Heiligung der Welt gewissermaßen von innen her beizutragen und vor allem durch das Zeugnis ihres Lebens, im Glanz von Glaube, Hoffnung und Liebe Christus den anderen kund zu machen. Ihre Aufgabe ist es also in besonderer Weise, alle zeitlichen Dinge, mit denen sie eng verbunden sind, so zu durchleuchten und zu ordnen, daß sie immer Christus entsprechend geschehen und sich entwickeln und zum Lob des Schöpfers und Erlösers gereichen.“

Foto: Papst Paul VI. in der Konzilsaula – Bildquelle: Lothar Wolleh / Wikipedia