Die Tradition in guter Kondition

Piusbrüder spielen Eishockey bei Priestertreffen.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 12. März 2014 um 08:23 Uhr
Kleriker beim Eishockey

Winona (kathnews/pius.info). Zum dritten Mal in 24 Jahren gewannen die Priester das Hockeyspiel während des Priestertreffens in Winona, zu dem die Priester des US-Distrikts im Seminar zusammenkommen. In dem traditionellen Spiel treten Seminaristen gegen Priester an! Es besteht kein Zweifel: die Tradition lebt. Eines der wichtigen jährlichen Ereignisse beim einwöchigen Treffen der Priester des US-Distriktes im Seminar St. Thomas von Aquin ist das Eishockeyspiel zwischen den Priestern und den Seminaristen. Unter den Klerikern des US-Distrikts kennt man eine Hockeyrivalität, die der Intensität des Hockeyspiels der USA gegen die Sowjetunion bei den Olympischen Spielen von 1980 gleichkommt. Jedes Jahr, wenn das Seminar St. Thomas von Aquin die Priester zur Tagungswoche beherbergt, entfacht diese Rivalität aufs Neue. Obschon die Priester daran denken, ihre Notebooks und Stifte für diesen Anlass einzupacken, vergessen sie doch nicht, auch ihre Schlittschuhe und Hockeyschläger für das jährliche Eishockeyspiel Priester gegen. Seminaristen mitzubringen.

Jedes Jahr kehren die Flyin‘ Fathers zu ihrer Alma Mater zurück, mit einem etwas enger sitzenden Zingulum, etwas grauerem Haar und einer dahinschwindenden Erinnerung daran, wie man Eis läuft. Die Rivalität jedoch setzt ihre lahmen Schläger in Bewegung. Sie gewöhnen sich wieder ans Eis und spielen mit dem Gedanken, ob eventuell – durch irgendeinen Zufall – es möglich wäre, den Russen … genauer gesagt den Seminaristen … den Sieg mal eben abspenstig zu machen. Wenn es gelingt, bedeutet das ein ganzes Jahr Prahlrecht und Anspruch auf den begehrten Winona Pokal. Mittwoch, der 22. Februar war der Tag des Spieles 2014, und von Anfang an bis zur letzten Minute wurden die Zuschauer nicht enttäuscht. Auf frühzeitige Tore der Priester reagierten die Seminaristen mit Unerschütterlichkeit. P. Richard Boyle versengte dann das Tornetz mit dem Puck des zuvor gewonnenen Bullys [Kampf um den eingeworfenen Puck] 20 Sekunden vor Ende des ersten Drittels, wodurch die Priester mit einem Punktestand von 3:2 in die erste Pause gingen. Das zweite Drittel war ebenso knapp, da die Seminaristen mit den Priestern Tor für Tor immer wieder gleichzogen. Zu Beginn des letzten Drittels zeigte die Anzeigentafel dann einen knappen Vorsprung von 5:4 für die Priester.

Wie war es möglich, dass die Priester nach dieser langen Spielzeit tatsächlich noch Chancen auf den Sieg hatten? Konnte es gar sein, dass die Priester den jungen, frischbeinigen Nachwuchs besiegen würden wie einst die Amerikaner ihre weit überlegenen russischen Rivalen? Es ist dies ja nun kein Flug zu einem Dienst oder ein Gemeinde – Potluck [Jeder-bringt-was-mit-Essen], es ist dies eine physische Prüfung der Ausdauer und Teamarbeit, um dranzubleiben „usque ad finem“ (bis zuletzt). Im letzten Drittel auf frischem Eis zu spielen würde das Spiel beschleunigen, denn die jungen Hüpfer kamen soeben auf Betriebstemperatur und waren dabei, Oberwasser zu bekommen. Ein souveränes Tor des Seminaristen Dan Reuter in der Hälfte des Drittels brachte den Spielstand mit 5:5 auf unentschieden. Nun konnten die Priester sich nicht mehr länger darauf stützen, defensiv auf Zeit zu spielen, sie mussten schon tiefer schürfen und das Tor traktieren. Schließlich, knapp zwei Minuten vor Ende des Drittels, kam ihre Chance. Ein aus der Priesterzone gekickter freier Puck riss die Fans auf die Füße – es war ein Breakaway [freier Weg zum Tor nach Befreiung aus der gegnerischen Abwehr] für die Priester. Jedoch kurz bevor P. Patrick Rutledge sich auf den Weg zum Tor machte, holte ihn ein Seminarist, der alles gab, um ihn noch zu erwischen, aus Versehen von den Beinen. Zum Trost der Priester pfiff der Schiedsrichter. Dies bedeutete jedoch nicht einfach bloß ein Powerplay [Überzahlspiel und Versuch sich in der gegnerischen Verteidigungszone festzusetzen], sondern bedeutete einen Penalty Shot [der ausführende Spieler bewegt sich alleine von der Mittellinie auf das Tor zu] – einen Freistoß Richtung Goalie [Torhüter] – einer gegen einen. In der Arena herrschte Stille als er den Torhüter erreichte, und nach dem Schuss erhöhte ein kurzes Zögern des Schiedsrichters die allgemeine Spannung. Doch dann kam der Pfiff – ein Tor für die Priester, die nun mit 6:5 in Führung gingen und jetzt noch 2 Minuten totschlagen mussten.

Auf dem Eis brach der Krieg aus in den letzten zwei Minuten. Beide Teams gaben ihr Bestes. Die Schwalben der Männer der Selbstaufopferung sowie die extremen Anstrengungen der zukünftigen Priester sorgten in den letzten beiden Minuten wie immer für Unterhaltung. Wie schon die Russen von 1980 machten die Seminaristen in ihren roten Trikots allen erdenklichen Druck aufs Tor, wobei ihnen aber P. Daniel Dailey im Weg stand, der ihre Schüsse abwies, während die Priesterbank nach Luft schnappte. Aber dann endlich kam der Uhrzeiger auf Null zu stehen und die Priester feierten, als hätten sie olympisches Gold gewonnen. Man konnte schier den Kommentator von 1980 fragen hören: „Glauben Sie an Wunder?“ P. Arnaud Rostand überreichte den Priestern ihre Trophäe und segnete die ermüdeten Kleriker, bevor dann alle der Gottesmutter zu Ehren das Ave Regina Caelorum sangen. Dieser Sieg der Priester brachte diese im Hinblick auf ihr priesterliches Leben zum Staunen wie sonst nichts: vielleicht hatten die Flüge und die Stunden im Beichtstuhl ihre Knochen doch noch nicht vollständig versteift. Könnte sein, dass die Gemeinde-Potlucks doch ohne Auswirkung auf ihre Beweglichkeit geblieben waren. Allerdings ist der Triumph in diesem Leben nur von kurzer Dauer, weil ja die Rivalität im nächsten Jahr weitergehen wird, und so war allen Priestern und Seminaristen am Ende des Tages klar, dass sie in erster Linie Gottesmänner sind, und dann erst – in weiter Ferne dahinter – Hockeyspieler.

Quelle: pius.info

Foto: Kleriker beim Eishockey – Bildquelle: pius.info