Die theologische Deformierung auf dem Synodalen Weg

Ein kritischer Kommentar von Dr. Margarete Strauss zur vergangenen Synodalversammlung in Frankfurt.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 6. Februar 2022 um 23:13 Uhr
Margarete Strauss

Man kann die dritte Vollversammlung des Synodalen Wegs mit verschiedenen Begriffen zusammenfassen – immer wieder fallen in den kritischen Beiträgen Begriffe wie „Wunschkonzert“ und „Räubersynode“. Zweiteres ist im weiteren Sinne zu verstehen, fehlt dem Synodalen Weg in Deutschland schließlich eine kirchenrechtliche Grundlage. Es waren drei Tage voller Verwirrung und theologischer Augenwischerei, angetrieben von Funktionären, denen die Reformen nicht schnell genug gehen und nicht radikal genug sind. Innerhalb der Synodalversammlung beobachtet man tiefe Gräben zwischen den Parteien: einerseits die überwältigende Mehrheit der Progressiven, andererseits die Minderheit jener, die der Oberflächlichkeit in den abzustimmenden Texten theologische Tiefe und gesunden Menschenverstand verleihen möchten und den eigenmächtigen Paradigmenwechsel anmahnen. Am ersten Tag sind der Orientierungstext (178 zu 28) sowie der Grundtext „Macht und Gewaltenteilung“ (178 zu 24) endgültig angenommen worden. Bedenkenswert ist die Verteilung der bischöflichen Stimmen, die diesen fragwürdigen Texten zugestimmt haben. Besonders offenbart sich ein unangemessener Umgang mit dem Begriff der „Zeichen der Zeit“ als locus theologicus sowie seine Verhältnisbestimmung zum Lehramt, wie auch einige mutige Stimmen angemahnt haben. Dies erwirkt besonders die einseitige Zitation von Gaudium et Spes, der Pastoralkonstitution des II. Vaticanums. Aussagen wie in GS 4, „nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“, werden einseitig verstanden. Die Deutung von der göttlichen Offenbarung her ist der Dreh- und Angelpunkt, nicht so auf dem Synodalen Weg.

Der erste Tag offenbarte in erschreckender Weise die schon zuvor immer wieder wahrgenommene gescheiterte Dialogkultur. Dies verdichtete sich beim prompten Missverständnis der Aussagen Voderholzers zum Umgang mit Missbrauch in den 1970er Jahren. Die Aussagen damaliger Sexualwissenschaft wurden fälschlicherweise als seine eigene Meinung aufgefasst und ihm in einem verbalen Schussregen die Verharmlosung von Missbrauch vorgeworfen. Kraftausdrücke aus der BDKJ-Fraktion sorgten beim Zuschauer im Stream für eine große Portion Fremdscham. Peinlich waren auch die kritischen Bemerkungen gegenüber der KPE, die angeblich fundamentalistische Tendenzen aufweise. Wer mit einem Finger auf den anderen zeigt, richtet zugleich drei Finger auf sich selbst. Höchste Zeit in den Jugendverbänden aufzuräumen!

Auch der zweite Tag der Vollversammlung zeugte von hitzigen Debatten und haarsträubenden theologischen Thesen. Der Handlungstext zum Zölibat wurde mit 86 Prozent der Stimmen angenommen. Die vorausgegangene Diskussion zeugt von Spagatübungen Richtung Ostkirche und unlogischen Schlussfolgerungen (Neher: Wenn es durch Konvertiten sowieso schon verheiratete Priester gibt, warum nicht gleich verallgemeinern?).

Nach einer Messe mit Bischof Bätzing mitten in der Messe-Aula, Laienpredigt und weiteren liturgischen No-Gos wurde am Nachmittag unter anderem hitzig über den Frauen-Grundtext diskutiert, ein Exemplar mit besonders schwerwiegenden exegetischen Mängeln. Es wurde von Christusrepräsentanz gesprochen, ohne den Unterschied zwischen „in persona Christi“ und „im Namen der Kirche“ zu erklären. Frau Flachsbarth wunderte sich, warum Papst Franziskus der Würdigung der hl. Maria Magdalena als Apostolin der Apostel keine konkreten Taten folgen lässt, konkret die Öffnung des Weihesakraments für Frauen. Offensichtlich steckt dahinter das Missverständnis, dass Maria Magdalena im gleichen Sinne Apostolin sei wie der Zwölferkreis. Anregungen, den Weg der Weihefixiertheit zu vermeiden und den Laienapostolat zu stärken, wie beispielsweise durch den Redebeitrag Bischof Hankes geschah, wurden in den Wind geschlagen. Die Redebeiträge offenbarten einmal mehr die Uneinigkeit unter den Reformern: Beim Thema Geschlechtergerechtigkeit solle die gesamte Bandbreite an Geschlechterkonzepten berücksichtigt werden, so die Jugendverbände. Nichts Neues. Auf dem Gender-Altar soll das Damen-Opfer dargebracht werden. Der Druck war groß. Immer wieder wurde für den Frauentext geworben und unter Zeitdruck war eine Vertiefung und kritische Auseinandersetzung mit den theologischen Thesen fast unmöglich. Ein historischer Moment war gekommen – so einige Synodale – als nicht nur der Grundtext mit 174 Ja-Stimmen angenommen wurde, sondern auch die Handlungstexte zum sakramentalen Amt der Frau und dem Frauendiakonat mehrheitlich beschlossen worden waren. Alle Texte wurden regelrecht durchgewunken, die kritischen Stimmen gingen unter im Applaus der Dekonstrukteure.

Ein Wort des Appells markierte den Beginn des letzten Sitzungstages, als der Nuntius Nikola Eterovic zu einer richtig verstandenen Synodalität anmahnte. Papst Franziskus warne vor Parlamentarismus. Der hl. Geist solle entscheiden, nicht die Mehrheit eines Parlaments. Es gehe nicht um Meinungsforschung, sondern um Unterscheidung.

Seiner Mahnung schenkte die Versammlung allerdings wenig Gehör, betrachtet man die Lobeshymnen an #outinchurch und an die Handlungstexte des vierten Synodalforums. Der KKK soll verändert werden, die sakramentale Ehe wurde in den Texten bereits neu definiert. Ein Paradigmenwechsel, wie kritische Stimmen in den Redebeiträgen warnten. Die Theologie des Leibes, Amoris Laetitia – die gesamte bisherige katholische Ehelehre steht nun auf dem Abstellgleis. Mit unvergleichlichem Euphemismus war die Rede von „Vertiefung“ der Lehre. Mit 169 Stimmen wurde der Handlungstext angenommen – der KKK soll sich ändern. Dies betrifft auch die Aussagen über die Homosexualität. Genderfragen sollen viel mehr berücksichtigt werden und die Kirche laut Michael Berentzen nicht mehr gegen die Wissenschaft arbeiten – eine plumpe Unterstellung, wobei immer wieder die Humanwissenschaften wie ein Damoklesschwert über jenen schwebten, die sich für die Lehre der Kirche aussprachen. Zu keinem Zeitpunkt wurden diese Wissenschaften jedoch konkret herangezogen, die ein recht heterogenes und uneindeutiges Bild in der Frage bieten. Der KKK soll Homosexualität neu bewerten, dafür stimmten 174 Stimmen. Auch der Handlungstext zu den Segnungsfeiern wurde mit großer Mehrheit angenommen (161 Stimmen). Die Diskussion um erkennbare Unterschiede zwischen Segen und Ehe erübrigen sich mit den unverblümten Äußerungen, dass das eigentliche Ziel die sakramentale Ehe sei – so wie schon beim Handlungstext zum Frauendiakonat. Dieser sei als Mindestanforderung und Zwischenlösung bezeichnet worden. Auch der Unterschied zwischen der Segnung von Einzelpersonen, Gegenständen und Beziehungen ist immer wieder verwischt worden. So verhallte die Bemerkung Voderholzers ungehört, dass nur eine einzige Beziehung gesegnet werde, und zwar die Ehe von Mann und Frau. Das sei ein Alleinstellungsmerkmal. Dem Zuschauer stellt sich die ganze Zeit die Frage nach der Definition von Liebe, die die Synodalen voraussetzen – offensichtlich nicht die johanneische. Abschließend vergoss eine nonbinäre Synodale Krokodilstränen, um zu unterstreichen, wie ungerecht das Arbeitsrecht der Kirche sei. Mit großer Mehrheit wurde der entsprechende Handlungstext angenommen (181 Stimmen), der ein erschreckendes Verständnis von Kirche offenbart: Sie ist keine Gemeinschaft von Gläubigen, die mit ihrer Anstellung ein besonderes Zeugnis für das Evangelium ablegen, das den ganzen Menschen einbezieht, sondern eine Institution mit Mitarbeitern, deren Privatleben niemanden etwas angeht. Ironisch, wenn man bedenkt, wie sehr auf das II. Vaticanum gepocht wurde.

Insgesamt wurden wir Zeugen einer weiteren Etappe der Pseudosynode, einer „Alibiveranstaltung“ und ein „Täuschungsmanöver“, wie es der Kirchenrechtler Lüdecke sagte. Auf lange Sicht könnte es entweder zu einem teilkirchlichen oder gesamtkirchlichen Schisma kommen. Die Absurdität und der Aufwand dieses jahrelangen Unterfangens können nur verwundern. Birgit Kelle vergleicht es mit Forderungen zur Außenpolitik in einer bekannten Talkshow: „Kann man machen, ist aber in rechtlicher Konsequenz egal.“ Es bleibt abzuwarten, welche Konsequenzen die „bahnbrechenden“ Beschlüsse wirklich nach sich ziehen werden.

Foto: Dr. Margarete Strauss – Bildquelle: Privatarchiv

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