Die „Pentlinger Predigten” von Papst Benedikt sind erschienen

Joseph Ratzinger - ein begnadeter Prediger.
Erstellt von Felizitas Küble am 4. Januar 2016 um 23:08 Uhr
Papst Benedikt XVI.

Regensburg (kathnews/CF/Bistum Regensburg). 2015 sind in Regensburg die Predigten erschienen, die Kardinal Ratzinger in den 1980er und 1990er Jahren in der Kirche St. Johannes in Pentling, seinem Wohnort vor den Toren Regensburgs, gehalten hat. Der Band beim Verlag Schnell & Steiner umfasst 80 Seiten und enthält zehn Predigten. Der kath. Theologe Prof. Dr. Josef Kreiml nimmt sie in den Blick:

In seinem Vorwort betont Benedikt XVI., dass das Lesen der Tonbandnachschriften für ihn „zu einer Wanderschaft des Herzens in schöne vergangene Tage hinein“ geworden ist. Dabei sei vor ihm „das Glauben, Beten und Singen der Menschen, bei denen ich mich zuhause wusste“, wieder aufgestiegen. Der emeritierte Papst verbindet mit dem Buch die Hoffnung, dass es den Lesern helfe, das Evangelium „zu verstehen und zu leben“.

Die erste Predigt „Das rechte Stehen vor Gott ist aller Mühe wert“ hat der Kardinal am 21. Sonntag im Jahreskreis 1986 anlässlich der Segnung des Missionskreuzes gehalten (S. 9-15). Er verweist dabei auf die russische Exilantin Tatjana Goritschewa, die lebendig und dramatisch geschildert hat, dass viele Menschen in Russland, die die ganze atheistische Erziehung durchschritten haben, „plötzlich neu das Gesicht Jesu Christi entdecken“. Der zweite Text gibt die Homilie wieder, die Kardinal Ratzinger am 31. Mai 1987 anlässlich der Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Pentling an ihn gehalten hat: Er erinnert daran, dass wir in den grundlegenden Dingen immer wieder neu beginnen müssen; „Es versteht sich nicht von selbst, dass die nächste Generation wieder Kirche ist“.

Wir können nicht alles selbst machen, sondern müssen wieder glauben lernen, dass es den HERRN wirklich gibt und dass er wirklich handelt in dieser Welt. Damit Kirche werde, „ist Versammlung um den eucharistischen Herrn notwendig“. Das „kann Opfer kosten“, denn oft möchte man seinen eigenen Dingen nachgehen. Die dritte Predigt (S. 25-29) hat der Kardinal am 21. Sonntag im Jahreskreis 1989 gehalten. An Jesus wird die Frage gerichtet: „HERR, sind es nur wenige, die gerettet werden?“ Kardinal Ratzinger zeigt, dass hinter dieser Frage oft Selbstgerechtigkeit, Unsicherheit und Kalkül stecken. Wenn wir uns unter die Augen Gottes und unter das Maß seines Wortes stellen, werden wir sehen, „dass es Bemühung braucht“. (…)

Die letzte Predigt der vorliegenden Textsammlung (S. 75-80) hat der Kardinal am 21. Sonntag im Jahreskreis 1999 zum Thema „Die Schlüssel des Himmelreiches“ gehalten: Die Kirche ist „kein Selbstbedienungsladen“, in dem sich jeder heraussucht, was er für heute noch als passend ansieht. Jesus gibt Petrus und mit ihm der Kirche die Vollmacht, zu lehren und zu leiten, d. h. zu sagen, was der HERR von uns will. Schlüsselgewalt bedeutet „zuerst Lehrvollmacht, Auftrag und Vollmacht, aufzuschließen, was der HERR uns an Erkenntnis gibt“.

Diese Homilien zeigen, dass der große Theologe Joseph Ratzinger auch ein begnadeter Prediger war und ist. Den Verantwortlichen des Institutes Papst Benedikt XVI. in Regensburg ist zu danken, dass sie diese zehn Texte – mit neun farbigen Bildmotiven sehr ansprechend illustriert – der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und damit das Gesamtwerk Joseph Ratzingers um eine wertvolle Facette erweitert haben. Die Publikation beweist, dass „Dogma und Verkündigung“ – ein Buchtitel des papa emerito – in der Person des Predigers eine großartige Synthese gefunden haben.

Prof. Dr. Josef Kreiml

Buch-Daten:
Joseph Ratzinger
Pentlinger Predigten
80 Seiten
Verlag Schnell & Steiner, Regensburg 2015
ISBN 978-3-7954-3017-7
12,95 Euro

Textquelle: Christliches Forum und Bistum Regensburg

Foto: Papst (em.) Benedikt XVI. – Bildquelle: David Bohrer, White House