Die Heilige Familie – Lehrschule für die Familien

Das „Tagesgebet“ (Collecta) der Messe vom Sonntag der heiligen Familie. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 28. Dezember 2019 um 11:49 Uhr
Beschneidung Christi

Den Sonntag der heiligen Familie feiert die Kirche  wegen der beiden Formen des römischen Ritus an zwei verschiedenen Sonntagen. In der klassischen Form hat er seinen Platz am 1. Sonntag nach Epiphanie (Fest der sogenannten „Heiligen Drei Könige“). In der ordentlichen Form feiert die Kirche ihn bereits am Sonntag nach dem Fest der Geburt des Herren,  also innerhalb der Weihnachtsoktav,  und damit „im Bannkreis des bürgerlichen Familienhochfestes schlechthin. Mehr noch als im früheren Kalendarium stellt es sich nun als Fest einer Idee, ja eines Ideals dar“ (Alex Stock).

Christus ist die Mitter der Familie

Das Missale Pauls VI., das nunmehr 50 Jahre alt ist, bietet die Collecta (Tagesgebet) vom Familiensonntag in einer sprachlich neu konstruierten, aber in ihrer inhaltlich Zielaussage mit der Collecta der überlieferten Form des Römischen Ritus weitaus übereinstimmenden Version. In beiden Formen wird  die heilige Familie als durch Tugend und Liebe geeinte Gemeinschaft von Eltern und Kind(ern) gesehen, wodurch sie uns zur Lehrschule für das eigene Familienleben wird.  Die Oration der klassischen Form hebt dabei die christologische Mitte der Familie heraus, indem sie formuliert, dass Christus durch sein tugendhaftes Leben in Unterordnung unter seinen Eltern das häusliche Leben geheiligt hat. Sodann bittet die Kirche in der Collecta in beiden Formen, dass wir und unsere Familien in der Nachfolge der heiligen Familie die Freude des ewigen Lebens erlangen.

Übersetzungen

Was die Übersetzungen angeht, so hält sich die im Volksmissale von Pater Ramm FSSP wie immer sehr eng an das lateinische Original. Die amtliche Übersetzung der Oration der Editio typica des neuen Messbuches durch die DBK folgt syntaktisch nicht dem Original, übersetzt freier und ersetzt lateinische Formulierungen durch andere. So klammert sie z. B. die Tugenden (virtutes) aus und interpretiert diese als „Frömmigkeit und Eintracht“. Entsprechend dem lateinischen Original wendet diese Übersetzung den Blick von der Mitte der  heiligen Familie – Christus – auf die gesamte Familie ohne die Namen Jesus, Maria und Joseph zu nennen.  Alex Stock erwähnt die theologische Schwäche er deutschen amtlichen Übersetzung.  (Alex Stock, Orationen. Die Tagesgebete der Festzeiten neu übersetzt und erklärt, Regensburg 2014, 46.). Seine eigene Übersetzung, die unten vorgestellt wird, lehnt sich mehr an die des alten römischen Messbuches an.

Collecta zum Sonntag der Familie

 

  • Klassische Form des Römischen Ritus (1. Sonntag nach Epiphanie)

Domine Iesu Christe,

qui Maria et Ioseph subditus

domesticam vitam ineffabilibus virtutibus consecrasti,

fac nos utriusque auxilio Familiae sanctae tuae exemplis instrui

et consortium consequi sempiternum.

Qui vivis …

 

Herr Jesus Christus,

der Du, Maria und Josef untertan,

dass häusliche Leben durch unaussprechliche Tugenden geheiligt hast,

lass uns mit Hilfe dieser beiden

durch das Vorbild Deiner Heiligen Familie unterwiesen werden

und die ewige Gemeinschaft mit ihr erlangen.

Der du lebst …  

 

  • Ordentliche Form des Römischen Ritus (Sonntag in der Weihnachtsoktav)

 

Deus,

qui praeclara nobis sanctae Familie dignatus es exempla praebere,

concede propitius,

ut domesticis virtutibus caritatisque vinculis illam sectantes

in laetitia domus tuae praemiis fruamur aeternis.

Per Dominum …

 

Herr, unser Gott,

in der Heiligen Familie hast du uns ein leuchtendes Vorbild geschenkt.

Gib unseren Familien die Gnade,

dass auch sie in Frömmigkeit und Eintracht leben

und einander in der Liebe verbunden bleiben.

Führe uns alle zur ewigen Gemeinschaft in deinem Vaterhaus.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

 

  • Vorschlag einer Übersetzung von Prof. em. Alex Stock

 

Gott, du hast das leuchtende Vorbild

Der Heiligen Familie gegeben.

Gib, dass wir ihren häuslichen Tugenden

und ihrer liebevollen Verbundenheit folgen

und so zu deinem Haus gelangen,

wo wir in Freude den ewigen Lohn genießen.

 

Zusammen mit dem Introitus, dem Eröffnungsvers der heiligen Messe, hebt die Collecta („Tagesgebet“) das liturgische Geheimnis, das am jeweiligen Tag gefeiert wird, ins Wort. Die Übersetzung der Collecta im Messbuch der klassischen Form ist dem Volksmissale für das  römische Messbuch nach der Ordnung von 1962 entnommen und stammt vom Pater Martin Ramm FSSP. Die Übersetzung der Collecta aus dem Messbuch der sog. ordentlichen Form von 1969 folgt der amtlichen Übersetzung der Deutschen Bischofskonferenz.

Foto: Beschneidung Christi – Bildquelle: Kathnews