Die Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft seit dem Jahre 2000

P. Franz Schmidberger veröffentlicht einen chronologischen Überblick seitens der FSSPX.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 31. Januar 2018 um 08:45 Uhr
P. Schmidberger (FSSPX)

Zaitzkofen (kathnews/fsspx). P. Franz Schmidberger (FSSPX), Regens des Priesterseminars Herz-Jesu in Zaitzkofen, gibt auf der Internetseite der Priesterbruderschaft St. Pius X. einen chronologischen Überblick hinsichtlich der bisherigen Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl in Rom seit dem Jahre 2000.

Kathnews dokumentiert die Zusammenstellung:

„Nach den Bischofskonsekrationen des Jahres 1988 durch Erzbischof Lefebvre und den Mitkonsekrator, Bischof de Castro Mayer aus Campos, Brasilien, verhĂ€ngt der Vatikan ĂŒber Weihespender und WeiheempfĂ€nger die Exkommunikation, von der Bruderschaft wegen der Notsituation der Kirche immer als ungĂŒltig betrachtet. So kĂŒhlen sich die Beziehungen der Bruderschaft zu den Vatikanischen Behörden deutlich ab, ohne jemals abzubrechen.

Mai 2000
Kardinal Castrillón Hoyos, neuer PrÀsident der PÀpstlichen Kommission Ecclesia Dei nimmt mit einem Brief an die vier Bischöfe der Bruderschaft den Kontakt auf.

August 2000
Am Ende der Wallfahrt der Bruderschaft nach Rom zum Heiligen Jahr lĂ€dt Kardinal CastrillĂłn Hoyos die vier Weihbischöfe der Bruderschaft zu einem GesprĂ€ch und einem Mittagessen ein. Drei von ihnen folgen der Einladung, der vierte ist schon auf der RĂŒckreise nach Spanien. Der Kardinal meint, die kirchenrechtliche Lage der Bruderschaft könne und mĂŒsse bereinigt werden, und dies sei ohne allzu große Schwierigkeiten möglich.

Dezember 2000
Am 29. Dezember ist Bischof Fellay bei Kardinal CastrillĂłn Hoyos in Rom; die Kirche hat entschieden, eine Lösung fĂŒr die Bruderschaft zu suchen; Mgr. Fellay schlĂ€gt vor etwas zu suchen nach dem Beispiel des Abkommens von Brest-Litovsk, wo fĂŒr die Griechisch-Katholischen ein Sonderstatus ausgehandelt worden ist. Am Tag darauf, dem 30. Dezember, begegnet Bischof Fellay zum ersten Mal Papst Johannes Paul II.

Januar 2001
Der Generalrat der Bruderschaft berĂ€t zusammen mit Pater Rifan von Campos, Brasilien, ĂŒber eine Antwort auf die Initiative Roms hin. Man einigt sich, von Rom zwei Vorleistungen zu erbitten, um in eine ernsthafte Diskussion einzutreten: Die Erlaubnis fĂŒr einen jeden Priester der Kirche, die ĂŒberlieferte hl. Messe zu feiern und die RĂŒcknahme des Exkommunikationsdekrets, um ein gĂŒnstiges GesprĂ€chsklima zu schaffen. Kardinal CastrillĂłn Hoyos antwortet, das erste sei unter den gegebenen UmstĂ€nden bei den Bischofskonferenzen nicht durchsetzbar, werde sich aber nach und nach ergeben. Das zweite werde automatisch erfĂŒllt, wenn die Bruderschaft nur ein „Abkommen“ unterschreibe. Die Bruderschaft antwortet, in der Bitte handle es sich um Vorleistungen, nicht um BegleitumstĂ€nde oder um Folgerungen. So tritt man zunĂ€chst auf der Stelle.

Mai 2001
In einem Brief von Kardinal CastrillĂłn Hoyos an Bischof Fellay geht er ausfĂŒhrlich auf das Problem ein und erklĂ€rt, warum Rom die zwei von der Bruderschaft erbetenen Vorleistungen nicht erfĂŒllen kann.

Januar 2003
Mons. Perl, SekretĂ€r der Kommission Ecclesia Dei, schreibt am 18. Januar an einen GlĂ€ubigen: „Im strikten Sinn können Sie Ihre Sonntagspflicht erfĂŒllen, indem Sie einer Messe beiwohnen, die von einem Priester der Priesterbruderschaft St. Pius X. zelebriert wird.“ „Es scheint, dass ein bescheidener Beitrag zur Sonntagskollekte gerechtfertigt sein kann.“

Mai 2003
Kard. CastrillĂłn Hoyos zelebriert am 24. Mai in der Basilika Sancta Maria Maggiore in Rom ein Pontifikalamt im ĂŒberlieferten Ritus und stellt bald danach in einem Interview fest, dass die Messe, so wie sie von Pius V. approbiert worden ist, nie abgeschafft wurde. Auch sagt er, dass die Bischofskonsekrationen kein formales Schisma darstellen.

April 2005
Papst Johannes Paul II. verstirbt am 2. April; Kardinal Ratzinger besteigt als Benedikt XVI. am 19. April den pÀpstlichen Thron.

August 2005
Am 29. August empfĂ€ngt der neue Papst Bischof Fellay. Der Heilige Stuhl gibt daraufhin folgendes PressekommuniquĂ© heraus: Der Heilige Vater, Papst Benedikt XVI., hat heute Morgen im Apostolischen Palast von Castel Gandolfo den Generaloberen der Priesterbruderschaft St. Pius X., Mgr. Bernard Fellay, empfangen, der darum nachgesucht hatte. Der Papst war begleitet von Seiner Eminenz, Daria Kardinal CastrillĂłn Hoyos, PrĂ€sident der PĂ€pstlichen Kommission Ecclesia Dei. Das Treffen verlief in einem Klima der Liebe zur Kirche und dem Wunsch, zur vollen Gemeinschaft zu gelangen. Da sie [der Papst und Bischof Fellay] sich der Schwierigkeit bewusst sind, haben sie den Willen geĂ€ußert, schrittweise und mit vernĂŒnftigen Zeitabschnitten vorzugehen.“

Juli 2007
Am 7. Juli veröffentlicht der Vatikan das Motu proprio Summorum pontificum, mit dem der ĂŒberlieferten hl. Messe wieder einigermaßen Heimatrecht in der Kirche gegeben wird. Es heißt darin wörtlich: „DemgemĂ€ĂŸ ist es erlaubt, das Messopfer nach der vom seligen Johannes XXIII. promulgierten und niemals abgeschafften Editio typica des römischen Messbuchs als außerordentliche Form der Liturgie der Kirche zu feiern.“ Und im Begleitbrief an die Bischöfe unter demselben Datum heißt es: „Was nun die Verwendung des Messbuchs von 1962 als Forma extra ordinaria der Liturgie angeht, so möchte ich darauf aufmerksam machen, dass dieses Missale nie rechtlich abrogiert wurde und insofern im Prinzip immer zugelassen blieb.“

Dezember 2008
Nach der Wallfahrt der Bruderschaft nach Lourdes, wo man die Bischöfe der Bruderschaft nicht zelebrieren ließ unter dem Vorwand, sie seien schismatisch, schreibt Bischof Fellay Kardinal CastrillĂłn Hoyos. Er sagt in dem Brief, dass es ihn jedes Mal einen heldenhaften Akt des Glaubens koste, nach Rom zu reisen und die Mitglieder der Hierarchie aufzusuchen.

Januar 2009
Unter dem Datum des 21. Januar nimmt Rom die Exkommunikation der Bischöfe der Bruderschaft zurĂŒck. Leider gaben die Äußerungen von Bischof Williamson im schwedischen Fernsehen zum jĂŒdischen Holocaust im Dritten Reich, genau in diesem Augenblick vom schwedischen Fernsehen ausgestrahlt, unseren Feinden die willkommene Gelegenheit zu versuchen, die Bruderschaft zu vernichten. Noch mehr galt der Angriff der Massenmedien dem Papst selbst.

MĂ€rz 2009
Papst Benedikt XVI. schreibt am 10. MĂ€rz einen bedeutungsvollen Brief an die Bischöfe der Weltkirche bezĂŒglich der RĂŒcknahme des Exkommunikationsdekrets von 1988. Es heißt dort: „BetrĂŒbt hat mich, dass auch Katholiken, die es eigentlich besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feinseligkeit auf mich einschlagen zu mĂŒssen glaubten. (
) Manchmal hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenĂŒber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf. Und wer sie anzurĂŒhren wagte – in diesem Fall der Papst -, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und ZurĂŒckhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden.“ Dann spricht er ĂŒber die neue Stellung der Kommission „Ecclesia Dei“: „Angesichts dieser Situation beabsichtige ich, die PĂ€pstliche Kommission „Ecclesia Dei“, die seit 1988 fĂŒr diejenigen Gemeinschaften und Personen zustĂ€ndig ist, die von der Bruderschaft Pius X. oder Ă€hnlichen Gruppierungen kommend in die volle Gemeinschaft mit dem Papst zurĂŒckkehren wollen, in Zukunft mit der Glaubenskongregation zu verbinden. Damit soll deutlich werden, dass die jetzt zu behandelnden Probleme wesentlich doktrineller Natur sind, vor allem die Annahme des II. Vatikanischen Konzils und des nachkonziliaren Lehramts der PĂ€pste betreffen. Die kollegialen Organe, mit denen die Kongregation die anfallenden Fragen bearbeitet (besonders die regelmĂ€ĂŸige Kardinalsversammlung an den Mittwochen und die ein- bis zweijĂ€hrige Vollversammlung), garantieren die Einbeziehung der PrĂ€fekten verschiedener römischer Kongregationen und des weltweiten Episkopats in die zu fĂ€llenden Entscheidungen. Man kann die LehrautoritĂ€t der Kirche nicht im Jahre 1962 einfrieren – das muss der Bruderschaft ganz klar sein. Aber manchen von denen, die sich als große Verteidiger des Konzils hervortun, muss auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vatikanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trĂ€gt. Wer ihm gehorsam sein will, muss den Glauben der Jahrhunderte annehmen und darf nicht die Wurzeln abschneiden, von denen der Baum lebt.“

Herbst 2009 – FrĂŒhjahr 2011
Gleichzeitig fordert der Papst nunmehr theologische Diskussionen zwischen der Bruderschaft und dem Heiligen Stuhl. Diese beginnen im Herbst 2009 und reichen bis ins FrĂŒhjahr 2011 hinein. Diese insgesamt sieben Sitzungen in Rom behandeln die neue Messe, die Religionsfreiheit, das subsistit in in Lumen gentium Nr. 8, die KollegialitĂ€t, die Ekklesiologie, das Lehramt und die Tradition. Die Differenzen sind groß und scheinen unĂŒberwindlich. Trotzdem denkt Rom an eine PersonalprĂ€latur fĂŒr die Bruderschaft. Bedingung dafĂŒr ist allerdings die Unterschrift unter eine lehrmĂ€ĂŸige PrĂ€ambel, die im Wesentlichen eine Anerkennung des II. Vatikanums in toto wie auch die LegitimitĂ€t des Novus Ordo Missae beinhaltet. Sie ist damit fĂŒr uns unannehmbar.

September 2011
Ein erster Vorschlag Roms an uns umfasst einen lehrmĂ€ĂŸigen und einen kirchenrechtlichen Text.

Mai 2012
Wir sind einer Lösung nahe. Da schiebt Rom weitere Forderungen bezĂŒglich des Konzils und des Novus Ordo Missae nach.

MĂ€rz 2013
Nach dem RĂŒcktritt von Papst Benedikt XVI. am 28. Februar besteigt Kardinal Bergolio am 13. MĂ€rz den pĂ€pstlichen Stuhl und gibt sich den Namen Franziskus.

Dezember 2014
Die PĂ€pstliche Kommission Ecclesia Dei lĂ€dt mehrere der Bruderschaft wohlgesinnte PrĂ€laten ein, einige ihrer Niederlassungen zu besuchen und theologische Diskussionen zu den verschiedenen strittigen Punkten zu fĂŒhren. Kardinal BrandmĂŒller besucht Zaitzkofen, Bischof Arrieta EcĂŽne, Weihbischof Athanasius Schneider Flavigny und Winona, Bischof Huonder das Priorat Oberriet/Schweiz. Es ergehen jeweils Berichte an die Kommission „Ecclesia Dei“, unseres Wissens nach durchaus positiv.

September 2015
Am 1. September verleiht der Papst den Patres der Priesterbruderschaft fĂŒr die Zeit des Jahres der Barmherzigkeit die Beichtjurisdiktion. Freilich waren auch unsere Beichten vorher aufgrund der Notlage der Kirche und der Seelen zweifelsfrei gĂŒltig.

November 2016
Am 21. November verlĂ€ngert der Papst die Beichtjurisdiktion fĂŒr die Patres der Bruderschaft bis zu einer neuen Regelung. UngefĂ€hr zur gleichen Zeit sagt Erzbischof Pozzo sinngemĂ€ĂŸ, man könne von der Bruderschaft nicht mehr verlangen, als die Zustimmung zum katholischen Glauben. Da das II. Vatikanum auch zeitbedingte Dokumente beinhalte, könne man zu diesen niemand absolut verpflichten.

MĂ€rz 2017
Gerhard Kardinal MĂŒller, PrĂ€fekt der Glaubenskongregation, schreibt am 27. MĂ€rz einen Brief an die KardinĂ€le, Bischöfe und Erzbischöfe, in dem er auf Anweisung des Heiligen Vaters hin die hochwĂŒrdigsten Ortsordinarien bevollmĂ€chtigt, den Patres der FSSPX die Jurisdiktion zur Eheschließung zu geben.

Juni 2017
In einem Brief an Bischof Fellay fordert Kardinal MĂŒller von allen Mitgliedern der Bruderschaft die Annahme der Lehren des II. Vatikanischen Konzils und jene der nachkonziliaren Zeit sowie die Anerkennung der LegitimitĂ€t des Ritus der Messe und der Sakramente gemĂ€ĂŸ den liturgischen BĂŒchern, die nach dem II. Vatikanischen Konzil promulgiert worden sind. Am 30. Juni teilt Papst Franziskus Kardinal MĂŒller mit, dass er sein Mandat als PrĂ€fekt der Glaubenskongregation nicht erneuern werde. Er ernennt Erzbischof Ladaria zum neuen PrĂ€fekten der Glaubenskongregation.“

„Seit dem Jahr 2000 gibt es in den Beziehungen der Priesterbruderschaft St. Pius X. zum Heiligen Stuhl eine schrittweise AnnĂ€herung. Eine endgĂŒltige kirchenrechtliche Regelung blieb uns allerdings bis zum heutigen Tag versagt“, so P. Schmidberger weiter. Als GrĂŒnde dafĂŒr fĂŒhrt er an, dass die Priesterbruderschaft den „Konzils(un)geist“ zurĂŒckweise und auf eine KlĂ€rung bzw. Korrektur einiger Konzilstexte drĂ€nge. Ferner habe an der Erarbeitung des Novus Ordo Missae, der nach Ansicht der Piusbruderschaft keinen katholischen Geist atme, sechs protestantische Pastoren mitgewirkt. Daher könne man ihn nicht als legitimen Ritus bezeichnen. Man fĂŒhle sich dem GrĂŒnder der Priesterbruderschaft St. Pius X. – Erzbischof Marcel Lefebvre – verpflichtet, der sich trotz kontroverser Ansichten mit Rom gleichzeitig aber auch immer um eine kirchenrechtliche Lösung bemĂŒhte.

Textquelle: FSSPX

Foto: P. Schmidberger (FSSPX) – Bildquelle: Kathnews

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