Die Beichte – Das Sakrament der Umkehr

Von Ehrendomherr Dr. Franz Weidemann.
Erstellt von Felizitas KĂŒble am 7. MĂ€rz 2018 um 09:43 Uhr
Foto: Beichtstuhl, St. Leonhard in Leonberg

Das Evangelium von der Tempelreinigung (Joh 2,13-25) fĂŒhrt uns leicht hin auf das Thema der heiligen Beichte. Jesus verhĂ€lt sich ein wenig aufgebracht. Er reinigt das Gotteshaus von allem, was nicht hineingehört. So sollen auch wir unseren inneren Tempel reinigen. SĂ€ubern wir das Herz, das mit allem Möglichen zugestellt ist. Alles, was nicht dort den eigentlichen Platz hat, soll weggegeben werden und wir sollen davon frei werden.

Erinnern wir uns an das Wort Jesu vom ersten Fastensonntag aus dem Markus Evangelium (Mk 1,15): „Die Zeit ist erfĂŒllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Wenn Jesus damit die Menschen zum Glauben einlĂ€dt, spricht er gleichzeitig die große Vorbedingung dazu aus. Er sagt: „Kehrt um!“. So sind Glaube und Umkehr aufeinander bezogene Forderungen Gottes an den Menschen, zugleich aber auch die österlichen Gaben des Auferstandenen an uns.

Die Beichte ist fĂŒr unser ganzes Leben von entscheidender Bedeutung, jedoch zugleich in große Vergessenheit geraten.

Allein das Wort erweckt in vielen Menschen unangenehme GefĂŒhle; sie reichen von totaler Ablehnung bis hin zu völliger GleichgĂŒltigkeit. Von den einen abgelehnt, weil sie den Beichtstuhl vielleicht tatsĂ€chlich als Ort der DemĂŒtigung oder der Indiskretion erlebt haben, und von den anderen ahnungslos belĂ€chelt, weil sie nie erfahren durften, was fĂŒr ein Geschenk die Beichte fĂŒr den Menschen eigentlich ist: so ist dieses Sakrament zunehmend nicht nur zum ungeliebten und vergessenen, sondern auch zum unbekannten Sakrament geworden. Doch gerade darin liegt fĂŒr unsere heutige, an Geist und Geistlichkeit so arme Zeit die große Chance, die befreiende und belebende Wirkung der Beichte neu zu entdecken.

Als Beichtvater wie als SĂŒnder, der selbst zur Beichte geht und genau weiß, wie schwer dieser Schritt sein kann, bin ich ĂŒberzeugt: der Beichtstuhl ist der Ort, an dem nicht nur der Einzelne, sondern die ganze Welt ihre grĂ¶ĂŸte „Reparatur“ erfahren kann. Die Beichte ist das Sakrament der Umkehr, denn sie vollzieht die Umkehr, zu der Jesus uns aufruft – die RĂŒckkehr zum Vater, von dem sich ein Mensch durch die SĂŒnde entfernt hat. Sie ist daher auch das Sakrament der Buße, weil sie einen persönlichen Schritt der Umkehr, der Reue und Genugtuung des sĂŒndigen Christen darstellt.

Das Bekenntnis unserer SĂŒnden vor dem Priester ist ein wesentliches Element dieses Sakramentes. Dadurch wird es zum Sakrament der Vergebung, denn durch die sakramentale Lossprechung des Priesters gewĂ€hrt Gott selbst dem Beichtenden Verzeihung und Frieden. Das macht die Beichte zum Sakrament der Versöhnung, denn es schenkt dem SĂŒnder die versöhnende Liebe Gottes. Durch diese Versöhnung wird die Beichte zum Sakrament der Heilung. Hier erfĂ€hrt der Mensch die Wiederherstellung zerbrochener Beziehungen: zu sich selbst, zu seinen Mitmenschen und dadurch letztlich zu Gott, der den innersten Kern unseres Menschseins darstellt.

Ein Mensch, der sagt, dass er ohne SĂŒnde sei, die Beichte nicht brauche und alles mit und fĂŒr sich selbst regeln könne, belĂŒgt sich selbst – das sagte schon der Apostel Johannes. Dieser Selbstbetrug kommt in der heutigen Zeit leider hĂ€ufig vor. Papst Franziskus sagt es ganz klar: „Es gibt keine Situation, die Gott nicht Ă€ndern kann, es gibt keine SĂŒnde, die er nicht vergeben kann, wenn wir uns IHM öffnen.“

Das fĂŒhrt uns zur entscheidenden Frage: Wie kann ich so beichten, dass es mir echte innere Heilung ermöglicht? Der Artikel „Das Sakrament der Buße und der Versöhnung“ im „Gotteslob“ Nr. 593 zeigt uns einige Schritte, wie wir die Beichte als echtes Geschenk erfahren können, die uns Frieden, Befreiung und Lebensfreude bringt.

Ich lade alle ein, diese besondere Zeit vor Ostern auch als Chance der persönlichen Umkehr zu sehen, um das eigene Leben wieder etwas intensiver zu reflektieren, es in seinen dunklen Bereichen aufzuhellen, um ein StĂŒck mehr mit sich, mit den Mitmenschen und mit Gott ins Reine zu kommen. Jeder von uns weiß ziemlich genau, wo die unterbelichteten Stellen in der eigenen Biografie zu finden sind.

Jenen unter uns, die regelmĂ€ĂŸig beichten, wĂŒnsche ich dabei, dass das Sakrament fĂŒr sie nicht zur oberflĂ€chlichen Routine wird, sondern dass es immer wieder den Weg ins Innere finden kann.

Jenen unter uns, die schon lĂ€ngere Zeit nicht mehr beichten waren oder ĂŒberhaupt noch nie einen Beichtstuhl von innen gesehen haben, möchte ich Mut machen: Nehmt Euch selbst so wichtig, wie Gott es tut! Verweigert Euch nicht dem wunderbaren Heilmittel der Versöhnung, das ER fĂŒr Euch bereithĂ€lt!

Legt den alten Menschen ab und lebt als neue Menschen! Gott schenke uns eine erfĂŒllte Fastenzeit, eine gute Beichte und lasse uns mit großer innerer Freude das Osterfest feiern!

Textquelle: Christliches Forum

Der Autor Dr. Franz Weidemann ist Gemeindepfarrer in Dortmund

Foto: Beichtstuhl – Bildquelle: Kathnews

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