Deutsche Priesterausbildung ist an der Nulllinie

WĂ€hrend in den 80er Jahren im Bistum Paderborn gut 30 junge MĂ€nner pro Jahr zu Priestern geweiht wurden, sind es nun gerade mal noch drei. ... In anderen BistĂŒmern werden auch schon mal null (!) junge MĂ€nner zu Priestern geweiht. Ein Kommentar von Peter Winnemöller.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 9. MĂ€rz 2017 um 21:42 Uhr
Kardinal Reinhard Marx

Von Peter Winnemöller.

(Kathnews/TheGermanz). Wenn ein Thema in der Vollversammlung der deutschen Bischofskonferenz angekommen ist, dann ist es nicht selten schon bis zum Erbrechen diskutiert worden. Nun hat die Konferenz keine Kompetenz. Sie ist ein Organ, das dazu dient, die Pastoral in einem Staat oder einem Kulturraum zu koordinieren. Der Priestermangel ist nun schon gut und gerne 30 Jahre alt. WĂ€hrend in den 80er Jahren im Bistum Paderborn gut 30 junge MĂ€nner pro Jahr zu Priestern geweiht wurden, sind es nun gerade mal noch drei. Der Faktor zehn ist schon ein krĂ€ftiges Argument. In anderen BistĂŒmern werden auch schon mal null(!) junge MĂ€nner zu Priestern geweiht. Nicht von ungefĂ€hr sagte der Sprecher der deutschen Regenten (Leiter der Priesterausbildung in einem Bistum), die Priesterausbildung in Deutschland habe die Nulllinie erreicht. Die Nulllinie meint den Herztod, da gibt es nichts zu deuteln.

Die Lösungsmuster der meist linkskatholischen VerbĂ€nde und ihrem Zentralkomitee sind denkbar einfach. Frauen zu Priestern weihen und den Zölibat aufheben. Man fragt sich, wie realitĂ€tsfern so ein deutscher FunktionĂ€r eigentlich sein kann. Die Frage von Frauenpriestertum hat der Heilige Papst Johannes Paul II. ein fĂŒr alle mal geklĂ€rt. Diese TĂŒr sei zu, sagt auch Papst Franziskus. Der Freistellung des priesterlichen Zölibats hat der angebliche Superreformpapst gerade in einem Interview mit der Wochenzeitung DIE ZEIT eine klare Absage erteilt. Über Viri probati (wörtl. erfahrene MĂ€nner) will er nachdenken lassen. Darin sagt er auch, dass wir dann ĂŒber die Aufgaben der Viri probati nachdenken mĂŒĂŸten. Von einer Lösung fĂŒr Priestermangel spricht der Papst da nicht. Viri probati wĂŒrden uns sehr schnell sehr viel alte Priester bringen. Das will eigentlich auch keiner. Das löst auch keine Problem. Sind – wie dies in den letzten Jahren tausend mal passiert – alle Nichtlösungen abgehakt, setzt eine verhaltene Ratlosigkeit ein. Die FunktionĂ€re warten auf das nĂ€chste Memorandum, die Presse verkĂŒndet den Untergang der Kirche und die Traditionalisten postulieren die RĂŒckkehr zur Alten Messe.

Diese Langeweile verbreitet sich in der und um die Kirche seit Jahrzehnten. Seit Jahrzehnten finden sich Personalplaner in den BistĂŒmern damit ab, daß sie immer mehr Priesterstellen streichen mĂŒssen und immer weniger Priesterstellen besetzen können. Bis zur nĂ€chsten Runde der Stellenstreichungen sind die Personalchefs in der Regel damit beschĂ€ftigt, ein Loch mit dem anderen zu stopfen. Die Gemeinden mĂŒssen sich damit abfinden, daß der nĂ€chstwohnende Priester immer weiter weg ist.

Die Kirche ist nun einmal sakramental. Das Amt ist sakramental und die Seelsorge ist sakramental. Da beißt keine Maus den Faden ab. Sicher machen hauptamtliche Laien oft eine gute Seelsorge, aber die SakramentalitĂ€t fehlt und damit ist das nur ein Notbehelf. Alles Drumherumgerede von wegen Wert und WĂŒrde der Laien in der Pastoral ist schlicht und ergreifend Quark, wenn nicht eines klar ist: Sobald wieder genug Priester da sind, werden sie auch in der Seelsorge eingesetzt. Im Gegensatz zum Priester, der kein Angestellter ist, können hauptamtliche Mitarbeiter in der Pastoral durchaus entlassen werden. Einen Priester kann der Bischof nicht entlassen, wenn nicht eine schwerwiegende Verfehlung vorliegt.

Wenn wir also zu wenig Priester haben, dann ist das Amt in der Krise. Ob wir zu wenig Priester haben oder nicht, darĂŒber kann man weidlich streiten. Eines dĂŒrfte sicher sein, wenn die Weihe ein Sakrament ist, ein Zeichen des Heils, dann kann es davon nie zu viel geben. Zu viele Priester, das wĂ€re ein Widerspruch in sich. Zu wenige Priester gibt es dann und genau dann, wenn die Laien einen Mangel empfinden. Der Mangel Ă€ußert sich nicht darin, daß die Messe nicht zu der Uhrzeit gefeiert wird, zu der sie vor 100 Jahren schon gefeiert wurde. Ein Mangel ist es sicher nicht, zehn Kilometer zur Messe fahren zu mĂŒssen. Wir fahren hunderte von Kilometern ins nĂ€chste Outletcenter. Also bitte!

Doch es ist ein Mangel, wenn Alte und Kranke keinen Priester mehr zu sehen bekommen. Wenn die Krankensalbung oder der Versehgang fĂŒr einen Sterbenden zu einem Problem wird. Es ist ein Mangel, wenn kein Requiem fĂŒr einen Toten gefeiert wird. Beerdigen kann jeder, wenn das kein Priester macht, ist das kein Mangel. Ein Mangel liegt immer dann vor, wenn die sakramentale Begleitung eines GlĂ€ubigen zu Recht gewĂŒnscht aber nicht möglich ist. Wenn wir diese Definition von Mangel ansetzen, dann haben wir Mangel, obwohl das VerhĂ€ltnis von praktizierenden GlĂ€ubigen zu Priestern noch nie so gut war.

Nun beschĂ€ftigen sich also unsere Bischöfe mit dem dramatischen Priestermangel. Die Erwartungen dĂŒrfen ruhig nach ganz unten geschraubt werden. Da wird kein großer Wurf herauskommen. Und dennoch gibt es ein paar gute Gedanken. Der Papst sagte im oben genannten Interview, es mĂŒsse mehr Kinder geben, dann gebe es mehr Priester. Da steckt eine nicht zu leugnende Logik drin. Das Gebet betont der Papst immer. Auch das zu Recht. Einen weiteren guten Gedanken Ă€ußerte der Jugendbischof der DBK gestern auf einer Pressekonferenz. Jugendarbeit sei Beziehungsarbeit, so der Bischof von Passau. Daß Berufungspastoral und Jugendpastoral Hand in Hand gehen, dĂŒrfte klar sein. Nun frage man einmal einen Priester nach seinem Berufungsweg. In den allermeisten FĂ€llen taucht darin ein Priester oder Ordensmann als geistliches Vorbild auf. Woher sollen also die jungen Priester kommen, wenn die alten Priester nur noch in Strukturen gefangen sind und keine Zeit fĂŒr Beziehungsarbeit mehr haben? Ob sich in kĂŒnftigen Pastoralkonzepten allerdings eine Option fĂŒr beziehungsorientierte Jugendarbeit findet, darf man durchaus bezweifeln. Dennoch: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Es wird Zeit fĂŒr innovative AnsĂ€tze in der Berufungspastoral.

Foto: Kardinal Reinhard Marx, Vorsitzender der DBK – Bildquelle: Wolfgang Roucka

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