Der Römische Ritus hat zwei Ordnungen für das Kirchenjahr

Die Kollekten (Tagesgebete) der klassischen und der ordentlichen Form sind nicht immer identisch. Kathnews setzt Reihe in der Fastenzeit fort. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 11. Januar 2020 um 15:11 Uhr
Missale Romanum

Das Kirchenjahr umfaßt als liturgisches Jahr außer den beiden großen Festkreisen der Advents- und Weihnachtszeit auf der einen Seite und der Fasten- und Osterzeit auf der anderen Seite auch Sonntage außerhalb dieser beiden Festkreise.

Unterschieliche Struktur des Kirchenjahres

Der Römische Ritus kennt seit der Erneuerung der Ordnung des Kirchenjahres durch das Motu Proprio „Mysterii paschalis“ von 1969 zwei unterschiedliche Strukturen des Kirchenjahres. Die klassische Form des Römischen Ritus unterscheidet eine „Zeit nach Erscheinung“ (Epiphanie) und eine „Zeit nach Pfingsten“. Der Umfang beider Abschnitte kann wegen des Ostertermins verschieden sein. In der ordentlichen Form des Römischen Ritus besteht das liturgische Kirchenjahr aus den beiden Festkreisen und 33 (34) Sonntagen der „Zeit im Jahreskreis“. Am Sonntag nach Epiphanie, an dem das Fest der Taufe des  Herrn begangen wird, kommt in der ordentlichen Form die Weihnachtszeit zum Abschluss. In der klassischen Form feiert die Kirche am Sonntag nach Erscheinung das Fest der Heligen Familie Jesus, Maria und Joseph. Die „Zeit im Jahreskreis“ in der ordentlichen From des Römischen Ritus dauert bis zum Aschermittwoch. Nach Pfingsten werden die Sonntage der „Zeit im Jahreskreis“ bis einschließlich Christkönigssonntag fortgesetzt, während in der klassischen Form die „Zeit nach Pfingsten“ beginnt, die bis zum 1. Advent dauert.

Unterschiedliche Tagesgebete

Die Neuordnung der Sonntage, die den Jahreskreis betreffen, ist einer der Gründe  geführt, dass der Römische Ritus zum großen Teil unterschiedliche Orationen für die verschiedenen Sonntage kennt. Für die ordentliche Form des Römischen Ritus wurde bei der Revision des Römischen Messbuches die Anzahl der Kollekten (Tagesgebete) erheblich vergrößert, einige ältere Gebete wurden übernommen, aber stilistisch verbessert, andere nicht mehr berücksichtigt. Darüber hinaus erhielten Gebete einen anderen Platz im Messbuch. Manche Gebete des alten Messbuches fanden im neuen Aufnahme, die vorher in Messformularen standen, die es im neuen Messbuch nicht mehr gibt. Neben diesen Änderungen  sind auch  ganz neue Gebete geschaffen worden. Dabei orientierte sich die nachkonziliare Liturgiereform an Bibel- und Vätertexte.

Durch die verschiedenen Ordnungen des Kirchenjahres, die unterschiedlichen Gebete und deren abweichende Platzierung in den jeweiligen Messbüchern des Römischen Ritus ist ein Vergleich der Kollekten beider Formen für die liturgische Zeit außerhalb der beiden Festkreise nicht möglich. Aus diesem Grunde wird die von Kathnews anlässlich des 50jährigen Bestehens des neuen Römischen Messbuches begonnene Reihe über die Kollekten im Römischen Ritus mit dem Fest der Taufe des Herrn in der ordentlichen Form und dem ersten Sonntag nach Epiphanie, der in der klassischen Form als Fest der Heiligen Familie begangen wird, unterbrochen und vor dem ersten Sonntag der Fastenzeit fortgesetzt.

Foto: Missale Romanum – Bildquelle. C. Steindorf, kathnews