Der Herr ruft auf zur Hoffnung

3. Sonntag der Osterzeit. Homilie des heiligen Augustinus. Sermo 234, 1-2: Edit. Maurist. T. 5, 987-988. Übersetzung: Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 25. April 2020 um 20:06 Uhr
Mit Jesus auf dem Weg

Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. … (Luk 24, 13-35)

In diesen Tagen kommt die Auferstehung des Herrn nach allen vier Evangelisten zum Vortrag. Darum ist es notwendig, dass wir alle vier lesen, denn die einzelnen Evangelisten haben nicht über alle Ereignisse berichtet. Was der eine ausgelassen hat, das hat der andere berücksichtigt. Alle machten gewissermaßen dem anderen Platz. So sollten die Berichte aller notwendig sein.

Der Evangelist Markus hat kurz berichtet, was Lukas ausführlicher darstellte, nämlich über zwei Jünger, die nicht dem Zwölferkollegium zugehörten, aber dennoch Jünger waren. Auf ihrer Reise erschien der Herr und ging mit ihnen. Markus hat lediglich berichtet, dass Christus den beiden Reisenden erschienen ist, Lukas geht darüber hinaus und schreibt auch, was der Herr ihnen gesagt, was er ihnen geantwortet hat. Lukas sagt darüber hinaus, bis wohin der Herr mit ihnen ging, und dass sie ihn beim Brotbrechen erkannt haben. Das alles hat Lukas, wie wir gehört haben, berücksichtigt.

Was also, Brüder, was erörtern wir hier? Wir werden innerlich erbaut zum Glauben an die Auferstehung Christi. Wir glaubten bereits, als wir das Evangelium hörten, und wir haben heute als Glaubende diese Kirche betreten. Und dennoch weiß ich nicht, wie ihr mit Freude hört, was im Gedächtnis erneuert wird. Wie wollt ihr, dass sich unser Herz erneuert, wenn wir in einer besseren Lage zu sein scheinen als die, die damals auf dem Weg waren und denen der Herr erschienen ist? Denn wir glauben, dass jene noch nicht glaubten. Sie hatten die Hoffnung verloren, doch wir zweifeln nicht, woran jene zweifelten. Nach der Kreuzigung des Herrn hatten sie die Hoffnung verloren. Das zeigte ihre Reaktion, als der Herr ihnen sagte: „Was sind das für Dinge, über die ihr auf dem Weg miteinander redet?“ Darauf reagierten jene: „Bist du der einzige in Jerusalem, der nicht gehört hat, was sich in jenen Tagen dort ereignete?“ Er antwortete: „Was denn?“ Und jene: „Das mit Jesus von Nazaret, er war ein Prophet und hat vor Gott und allem Volk Großes getan und gesagt. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tode verurteilt und ans Kreuz schlagen lassen. … Und heute ist schon der dritte Tag, seit dem das geschehen ist. Wir aber hofften.“ Ihr hofftet. Jetzt hofft ihr nicht mehr? Ist das eure ganze Jüngerschaft? Am Kreuz hat euch der Verbrecher übertroffen. Ihr habt den vergessen, der gelehrt hat. Der Verbrecher erkannte den, mit dem er am Kreuz hing. „Wir aber hofften.“  „(D)ass er es sei, der Israel retten werde.“ Was ihr gehofft und nach seiner Kreuzigung verloren habt, das hat der Verbrecher erkannt. Denn er sagte zum Herrn: „Herr, denke an mich, wenn du in dein Reich kommst.“ Seht doch nun, dass der Herr Israel retten wird. Das Kreuz war eine Schule. Dort lehrte der Lehrer den Verbrecher. Das Holz, an dem der Herr hing, ist sein Lehrstuhl geworden. Der, der sich für euch hingegeben hat, er rufe jedoch euch erneut zur Hoffnung. Und so ist es auch geschehen.

Meine Geliebten, denkt doch daran, wie der Herr von ihnen, deren Augen daran gehindert waren, ihn zu erkennen, beim Brechen des Brotes erkannt werden wollte. Die Gläubigen wissen, was ich sage will: Sie erkennen Christus beim Brotbrechen. Nicht irgendein Brot wird Leib Christi, sondern das, welches den Segen Christi empfängt.

Foto: Mit Jesus auf dem Weg – Bildquelle: EOS-Verlag