Der Glaube und der Verstand

Katechismus der Katholischen Kirche.
Erstellt von kathnews-Redaktion am 15. April 2013 um 16:15 Uhr

»Der Beweggrund, zu glauben, liegt nicht darin, daß die geoffenbarten Wahrheiten im Licht unserer natĂŒrlichen Vernunft wahr und einleuchtend erscheinen. Wir glauben „wegen der AutoritĂ€t des offenbarenden Gottes selbst, der weder sich tĂ€uschen noch tĂ€uschen kann“ (1. Vatikanisches K.:DS 3008). „Damit nichtsdestoweniger der Gehorsam unseres Glaubens mit der Vernunft ĂŒbereinstimmend sei, wollte Gott, daß mit den inneren Hilfen des Heiligen Geistes Ă€ußere Beweise seiner Offenbarung verbunden werden“ (ebd.: DS 3009). So sind die Wunder Christi und der Heiligen [Vgl. Mk 16,20; Hebr 2,4.], die Weissagungen, die Ausbreitung und Heiligkeit der Kirche, ihre Fruchtbarkeit und ihr Fortbestehen „ganz sichere und dem Erkenntnisvermögen aller angepaßte Zeichen der göttlichen Offenbarung“ (DS 3009), BeweggrĂŒnde der GlaubwĂŒrdigkeit [Vgl. DS 3013.], die zeigen, daß „die Zustimmung zum Glauben keineswegs eine blinde Regung des Herzens ist“ (DS 3010).

Der Glaube ist gewiß, gewisser als jede menschliche Erkenntnis, denn er grĂŒndet auf dem Wort Gottes, das nicht lĂŒgen kann. Zwar können die geoffenbarten Wahrheiten der menschlichen Vernunft und Erfahrung dunkel erscheinen, aber „die Gewißheit durch das göttliche Licht ist grĂ¶ĂŸer als die Gewißheit durch das Licht der natĂŒrlichen Vernunft“ (Thomas v. A., s. th. 2-2,171,5, obj. 3). „Zehntausend Schwierigkeiten machen keinen einzigen Zweifel aus“ (J. H. Newman, apol.). „Der Glaube sucht zu verstehen“ (Anselm, prosl. prooem.). Wer wirklich glaubt, sucht den, in den er seinen Glauben setzt, besser zu erkennen und das von ihm Geoffenbarte besser zu verstehen. Eine tiefere Erkenntnis wiederum wird einen stĂ€rkeren, immer mehr von Liebe beseelten Glauben hervorrufen. Die Gnade des Glaubens öffnet „die Augen des Herzens“ (Eph 1,18) zu einem lebendigen VerstĂ€ndnis der Offenbarungsinhalte, das heißt der Gesamtheit des Ratschlusses Gottes und der Mysterien des Glaubens sowie ihres Zusammenhangs miteinander und mit Christus, dem Zentrum des geoffenbarten Mysteriums. „Damit das VerstĂ€ndnis der Offenbarung immer tiefer werde, vervollkommnet der Heilige Geist den Glauben stĂ€ndig durch seine Gaben“ (DV 5). Es verhĂ€lt sich so, wie der hl. Augustinus gesagt hat: „Ich glaube, um zu verstehen, und ich verstehe, um besser zu glauben“ (serm. 43,7,9).

Glaube und Wissenschaft. „Auch wenn der Glaube ĂŒber der Vernunft steht, so kann es dennoch niemals eine wahre Unstimmigkeit zwischen Glauben und Vernunft geben: denn derselbe Gott, der die Geheimnisse offenbart und den Glauben eingießt, hat in den menschlichen Geist das Licht der Vernunft gelegt; Gott aber kann sich nicht selbst verleugnen, noch (kann) jemals Wahres Wahrem widersprechen“ (1. Vatikanisches K.: DS 3017). „Deshalb wird die methodische Forschung in allen Disziplinen, wenn sie in einer wirklich wissenschaftlichen Weise und gemĂ€ĂŸ den sittlichen Normen vorgeht, niemals dem Glauben wahrhaft widerstreiten, weil die profanen Dinge und die Dinge des Glaubens sich von demselben Gott herleiten. Ja, wer bescheiden und ausdauernd die Geheimnisse der Dinge zu erforschen versucht, wird, auch wenn er sich dessen nicht bewußt ist, gleichsam an der Hand Gottes gefĂŒhrt, der alle Dinge trĂ€gt und macht, daß sie das sind, was sie sind“ (GS 36,2).«

Textquelle: KKK [156-159]

Foto: Gewölbe – Bildquelle: Kathnews

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