Der Apostolische Brief „Le voci“ Papst Johannes‘ XXIII. vom 19. März 1961

Das Patrozinium des heiligen Joseph über die Universalkirche. Ein Beitrag von Clemens Victor Oldendorf.
Erstellt von Clemens Victor Oldendorf am 28. April 2021 um 13:08 Uhr

Der heutige 28. April 2021 wäre der Oktavtag und damit der Abschluss der liturgischen Feier des Schutzfestes des heiligen Joseph, an das wir im Rahmen des aktuellen Josephsjahres bereits mehrfach erinnert  und dabei dessen Wiederermöglichung in den liturgischen Büchern von 1962 ausdrücklich angeregt haben.

Am Vorabend des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) empfahl Papst Johannes XXIII. dem heiligen Joseph glücklichen Beginn und Verlauf dieser Kirchenversammlung. Dies geschah gerade unter dem Titel des Schutzpatrons der Universalkirche, zu dem Pius IX. den heiligen Joseph am 8. Dezember 1870 erklärt hatte – unter dem gravierenden Eindruck des durch die Zeitumstände erzwungenen, vorzeitigen Abbruchs des Ersten Vatikanischen Konzils (1869/70).

Johannes XXIII. stellt in Le voci  sehr schön dar, wie sich in den Pontifikaten seiner Vorgänger ab Pius IX. die liturgische Verehrung des heiligen Joseph mehr und mehr aufgebaut und entfaltet hatte. Diesbezüglich gibt es eine interessante Bemerkung über das Schutzfest und das Patrozinium des heiligen Joseph über die Gesamtkirche.

Schutzfest auf den 19. März übertragen?

 In Le voci liest man über das „kürzlich eingeführte Fest Joseph des Arbeiters am 1. Mai“, es trete an die Stelle desjenigen am Mittwoch nach dem 2. Sonntag nach Ostern, während das „traditionelle Fest am 19. März“ fortan die festliche Feier des heiligen Joseph als Patron der Universalkirche sein werde.

In einem weiteren Beitrag am 1. Mai wird diese Festlegung anhand der Messtexte des ab 1956 am 1. Mai benutzten, neuen Messformulars im Missale Romanum von 1962 analysiert und überprüft werden. Jedenfalls stehen zwei mit einander zusammenhängende Tatsachen im MR1962 zu dieser Bestimmung Johannes‘ XXIII. im Widerspruch. Der Festtitel vom 19. März ist zwar erweitert um den Zusatz: et Ecclesiae Universae Patroni, jedoch ist der im MR1962 neu hinzugefügte Einschub in die Josephspräfation: Et te in Sollemnitate in deren Spezialrubrik gerade nicht am 19. März vorgeschrieben, sondern am 1. Mai. Dieser Einschub wäre schon seit der Aufwertung der offiziellen Bezeichnung des Schutzfestes als Sollemnitas im Jahre 1911 am Mittwoch nach dem 2. Sonntag nach Ostern eigentlich stimmiger gewesen, doch am 19. März, auf den die Feier des Hochfestes des heiligen Joseph, Schutzpatrons der Gesamtkirche gewissermaßen übertragen werden soll, heißt es im MR1962 in der Präfation weiterhin: Et te in Festivitate.

Wenn also der Gedanke des Schutzfestes auf den 19. März transferiert werden sollte, hätte einerseits eher an diesem Fest in Titel und Präfation von der Sollemnitas die Rede sein müssen, ist andererseits die neuere Erlaubnis im vatikanischen Direktorium für den Usus antiquior nicht voll überzeugend, dass man am 1. Mai das Messformular des früheren Schutzfestes verwenden darf, obwohl wir diese Regelung grundsätzlich selbst als einen Schritt in die richtige Richtung begrüßt haben.

Das Formular der Messe vom 19. März erfuhr nach Einführung des Festes Joseph der Arbeiter und auch im MR1962 keine Veränderung. Insofern ist am kommenden 1. Mai nicht nur die neue Messe Sapientia reddidit zu sichten, sondern auch die traditionelle Messe vom 19. März Iustus ut palma, um zu sehen, ob und inwiefern sie liturgisch geeignet war, das Motiv des Schutzfestes zu übernehmen.

Foto: Heiliger Joseph – Bildquelle: Oldendorf (Privatarchiv)

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