„Das Wichtigste liegt in der Tiefe“

50 Jahre Zweites Vatikanisches Konzil. - Goldene Hochzeit mit der Moderne?
Erstellt von Radio Vatikan am 1. September 2012 um 18:55 Uhr

Freising (kathnews/RV). Neuevangelisierung in den ehemaligen Ostblockländern sollte „dialogisch“ ablaufen. Dazu hat der Prager Soziologe und Priester Thomas Halik auf dem 16. Internationalen Kongress Renovabis in Freising geraten. Mit der Tagung unter dem Motto „Heute den Glauben entdecken. Neue Wege der Evangelisierung in Europa“ beteiligt sich Renovabis am „Jahr des Glaubens“, das Papst Benedikt XVI. im Oktober ausruft. Halik sagte im Interview mit der Pressestelle der Erzdiözese Freiburg:

„Besonders in der nachkommunistischen Welt ist die monologische Christianisierung, die Evangelisation ohne Inkulturation, bloß eine Indoktrination, eine religiöse Propaganda. Besonders in der nachkommunistischen Welt reagieren die Leute ganz allergesch auf Indoktrination. Wir brauchen also eine dialogische Evangelisation!“ Dabei solle die Kirche durchaus auch neue Wege einschlagen, appelliert Halik – schließlich sei sie auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil eine Art Ehe mit der modernen Welt eingegangen.

„Jetzt, fünfzig Jahre nach dem Konzil, sollten wir uns die Frage stellen, ob die Kirche ihren Versprechen treu geblieben ist. Können wir heute mit gutem Gewissen eine ,Goldene Hochzeit’ mit den Menschen von heute feiern? Ich meine, es bleibt noch viel zu tun. Und die Neuevangelsieirung sollte wirklich ,neu’ sein, keine Rekatholisierung, keine ,reconquista’.“ Damit der katholische Glaube wirklich neue Strahlkraft entwickeln kann, brauche es „innere Erneuerung“, so Halik. Seine Gedanken erinnern an den Ruf des Papstes nach einer „Entweltlichung“ der Kirche, den Benedikt XVI. vergangenes Jahr in Freiburg vorbrachte:

„Es gibt viele Streitigkeiten zwischen den so genannten Progressiven und so genannten Konservativen. Ich kann mich mit keinem von ihnen ganz identifizieren, denn es geht ihnen beiden zu sehr um die äußere Struktur. Ich bin der Meinung, dass Wichtigste liegt nicht links oder rechts, sondern in der Tiefe! Wir brauchen eine spirituelle Erneuerung und auch eine theologisch-philosophische Erneuerung.“

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch rief in Freising dazu auf, sich in Europa auf die gemeinsamen Wurzeln zu besinnen. Seit Jahrhunderten gestalte das Christentum die Kultur mit und beeinflusse den Alltag, erinnerte der Freiburger Erzbischof. Das christlich-jüdische Erbe durchdringe das gesamte Leben, von Gesellschaft und Politik über Wirtschaft und soziale Gerechtigkeit bis hin zu Familie und Bildung. Katholiken, Protestanten und Orthodoxe sollten sich trotz aller Unterschiede dieser Entwicklung bewusst sein, so Zollitsch.

Foto: Altar Petersdom, Papst Benedikt XVI. –  Bildquelle: Andreas Gehrmann