Das, was an Christus sichtbar war, ist in die Sakramente übergegangen

Homilie des heiligen Leo des Großen (Tract. 74, 1-2: CCL 138 A, 455-457) Übersetzung: Gero P. Weishaupt
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 20. Mai 2020 um 11:54 Uhr
Jesus übergibt Petrus die Schlüssel zum Paradies

Papst Leo der Große. Homilie zu Christi Himmelfahrt

„Geliebte, das Geheimnis unseres Heiles, das der Schöpfer der Welt mit dem Preis seines Blutes abgewogen hat, ist vom Tag seiner Geburt an bis zum Ende seines Leidens durch seine Erniedrigung erfüllt worden. Auch wenn viele Zeichen seiner Göttlichkeit in der Gestalt des Sklaven erstrahlten, bezog sich das Handeln in seinem irdischen Leben doch auf den Nachweis der Wahrheit seiner angenommenen Menschennatur. Nach seinem Leiden und nach seiner Befreiung von den Todesbanden, die ihre Kraft gegen den, der keine Sünde kannte, verloren hatten, veränderte sich seine Schwachheit in Kraft, seine Sterblichkeit in Ewigkeit, seine Schmach in Ehre, welche der Herr Jesus Christus in zahlreichen und konkreten Beweisen allen offenbar gemacht hat, bis er den Sieg, den er über die Welt des Todes errungen hatte, in die himmlische Herrlichkeit hineingetragen hat.

Wie zu Ostern der Grund unserer Freude die Auferstehung des Herrn gewesen ist, so ist seine Himmelfahrt die Quelle für unsere Freude am heutigen Tag, weil wir jenen Tag feierlich begehen, an dem unsere niedrige Menschennatur in Christus über alle himmlischen Heerscharen, über alle Rangordnungen der Engel, über alle Mächte in der Höhe zum Thron des Vaters aufgestiegen ist.

Auf dieser Ordnung der göttlichen Werke haben wir unser Fundament, auf ihr sind wir erbaut worden, damit die Gnade Gottes wunderbarer würde, weil auch nach dem Verschwinden all dessen aus dem Blickfeld der Menschen, was gemäß dem Empfinden zurecht unsere Achtung vor ihm auferlegt, der Glaube nicht zweifelte, die Hoffnung nicht schwankte, die Liebe nicht erkaltete. Denn die Kraft der großen Geister und das Licht für die Seelen der sehr gläubigen Menschen ist Folgendes: ohne zu zögern zu glauben, was man mit den Augen nicht sieht, und dort sein Verlangen zu richten, wohin man seinen Blick nicht lenken kann.

Woraus aber würde in unseren Herzen diese Frömmigkeit entstehen,  oder wie würde jemand durch den Glauben gerechtfertigt, wenn unser Heil nur in dem bestehen würde, was unseren Blicken zugänglich wäre? Darum antwortete der Herr jenem, der an der Auferstehung Christi zu zweifeln schien, wenn er nicht vorab geprüft und an seinem Körper die Spuren der Passion gesehen und gefühlt  hätte: „Weil du mich gesehen hast, hast du geglaubt. Selig, de nicht gesehen und doch geglaubt haben.“

Damit wir also, Geliebte, zu dieser Seligkeit fähig sein können, ist unser Herr Jesus Christus, nachdem er seine Verkündigung beendet und die Geheimnisse des Neuen Testamentes zur Erfüllung gekommen waren, am vierzigsten Tag nach seiner Auferstehung vor den Augen der Jünger in den Himmel erhöht worden. Danach setzte er die Weise seiner leiblichen Gegenwart fest, um dann an der rechten Seite des Vaters zu verbleiben, solange die Zeit andauert, die von Gott für die Vermehrung der Kinder der Kirche vorbestimmt ist, und er zum Gericht über die Lebenden und Toten in dem selben Fleisch zurückkehrt, in dem er aufgestiegen ist.

Was daher an unserem Erlöser sichtbar gewesen ist, das ist in die Sakramente übergegangen. Und damit der Glaube sich durch größere Stärke auszeichnete, folgte auf das Sehen die Lehre. Deren Autorität folgen die Herzen der Gläubigen, die durch das himmlische Licht erleuchtet sind.“

Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1115

„Die  Worte und Taten Jesus während seines verborgenen Lebens und seines öffentlichen Wirkens waren bereits heilbringend. Sie nahmen die Wirkkraft seines Pascha-Mysteriums vorweg. Sie kündigten an und bahnte an, was er der Kirche geben will, wenn alles vollbracht sein wird. Die Mysterien des Lebens Jesu sind die Grundlage für das, was Christus nun durch die Amtsträger seiner Kirche in den Sakramenten spendet, denn ‚was an unserem Erlöser sichbar war, ist in seine Sakramente übergegangen‘ (Leo der Gr. serm. 74, 2)“.