Das Vatikanwort zur Interkommunion bietet keinen Grund zum Jubeln
Kommentar von Dr. Markus BĂŒning
Die Nachricht ist kaum ĂŒber den digitalen âĂtherâ in alle Welt hinausgegangen und schon findet sich weitgehend ein groĂer Jubel ĂŒber das vorlĂ€ufige âNein!â Roms zur Interkommunion-Bestrebung des Marxschen MehrheitsflĂŒgels der Deutschen Bischofskonferenz â wozu ĂŒbrigens auch der MĂŒnsteraner Bischof Genn gehört â in den Diskussionsforen.
Die Redaktion von kath.net titelt in nahezu euphorischer Stimmung: âKnalleffekt: Vatikan lehnt erneut DBK-Inter-kommunionshandreichung ab!â (vgl. Kath.net).
Meines Erachtens besteht hier ĂŒberhaupt kein Grund zum Jubel. Die im Schreiben Roms angefĂŒhrten GrĂŒnde sind nĂ€mlich im Kern theologisch nahezu ohne klare Aussage, da in der Form vager Andeutungen abgefasst. Man zieht sich auf mehr formelle und rein kanonische GrĂŒnde zurĂŒck.
Zudem wird ja nun offenkundig auf weltkirchlicher Ebene versucht, entsprechende Regelungen auf den Weg zu bringen. Es bleibt demnach bei einer groĂen Unsicherheit!
Im Schreiben des PrĂ€fekten der Glaubenskongregation heiĂt es wie folgt:
âDer Heilige Vater ist daher zu dem Ergebnis gekommen, dass er nicht reif zur Veröffentlichung ist. Die wesentlichen GrĂŒnde fĂŒr diese Entscheidung können wie folgt zusammengefasst werden: Die Frage der Zulassung von evangelischen Christen in interkonfessionellen Ehen ist ein Thema, das den Glauben der Kirche berĂŒhrt und eine Bedeutung fĂŒr die Universalkirche hat. Diese Frage hat auch Auswirkungen auf die ökumenischen Beziehungen zu anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, die nicht zu unterschĂ€tzen sind.
Das Thema betrifft das Recht der Kirche, vor allem die Interpretation von Kanon 844. Weil es in manchen Teilen der Kirche offene Fragen ĂŒber diesen Punkt gibt, sind die zustĂ€ndigen Dikasterien des Heiligen Stuhls bereits beauftragt, eine baldige KlĂ€rung dieser Fragen auf universalkirchlicher Ebene herbeizufĂŒhren. Insbesondere erscheint es angebracht, dem Diözesanbischof das Urteil ĂŒber die Existenz einer âdrĂ€ngenden schweren Notlageâ zu ĂŒberlassen.â (Quelle: katholisch.de).
Dabei ist die Sache doch ganz klar: Eucharistiegemeinschaft setzt Glaubensgemeinschaft voraus. Hinsichtlich der Konfessionen der Reformation besteht diese bezĂŒglich des Altarsakramentes nicht, da dort die Notwendigkeit des apostolischen Amtes fĂŒr die GĂŒltigkeit der Eucharistie abgelehnt wird.
Das soll heiĂen: Ein Protestant, egal welcher Provenienz, kann nicht zu Eucharistie gehen. Es fehlt der gemeinsame Glaube an die Transsubstantiation â also an die Wesensverwandlung â und die hierfĂŒr benötigte apostolische Sukzession des AmtstrĂ€gers.
Anders kann dies im Notfall, insbesondere bei Lebensgefahr, bei denjenigen Christen aussehen, die das priesterliche Amt anerkennen und an die wirkliche Gegenwart Christi im Altarsakrament glauben. Hier haben wir vor allem die Orthodoxen im Blick.
Will ein Protestant zur Eucharistie gehen, dann muss er zuvor katholisch werden. Er muss dann auch die Sichtbarkeit der Kirche, das Petrusamt und die Verehrung der Gottesmutter und aller Heiligen anerkennen. Alles andere wÀre unaufrichtig und verlogen.
Rom hĂ€tte mit einem klar begrĂŒndeten Bescheid dieser Verwirrung ein Ende setzen können, die seit Jahrzehnten die Kirche hier vor Ort erschĂŒttert. Ja, wir haben eine eucharistische Krise! Und genau diese Krise ist es, die die Marxsche Front dazu verleitet hat, in diese Richtung einer unreflektierten Interkommunion mit Protestanten zu votieren.
Im Folgenden möchte ich einige Punkte hervorheben, die dafĂŒr gesorgt haben, dass die WĂŒrde des Altarsakramentes immer mehr verletzt wird. Rom, ja insbesondere der Papst, muss dafĂŒr Sorge tragen, dass diese UmstĂ€nde wieder korrigiert, wenn nicht gar beseitigt werden:
Die EinfĂŒhrung der Handkommunion
Meines Erachtens ist die EinfĂŒhrung der Handkommunion die Hauptursache dafĂŒr gewesen, dass bei vielen Katholiken die Ehrfurcht vor dem Sakrament geschwunden ist. Es ist nun mal etwas grundlegend anderes, wenn man sich hinkniet und sich von dem in persona Christi handelnden Priester wie ein Kleinkind die konsekrierte Hostie auf die Zunge legen lĂ€sst oder ob man diese â wie jede andere profane Nahrung â stehend in die Hand nimmt und sich selbst zufĂŒhrt.
Hinzu kommt die permanente Gefahr des Partikelverlustes. Zudem habe ich es selbst schon mehrmals gesehen, dass Menschen das Allerheiligste eben nicht empfingen, sondern mit in die Bank nahmen. Gott weiĂ, was dann mit dem Sakrament passierte? Die Tatsache, dass man konsekrierte Hostien im Internet ersteigern kann, zeigt ĂŒberdeutlich an, wie weit der Greul hier geht.
Die eucharistische Dezentralisierung
Ein weiterer Punkt des Ehrfurchtsverlustes ist die eucharistische Dezentralisierung. Die Gestaltung der GotteshĂ€user nach dem Konzil war eine Fehlentwicklung, die rĂŒckgĂ€ngig gemacht werden muss. Wo ist denn der Tabernakel? Diese Frage muss man sich in vielen Kirchen inzwischen stellen. Der Tabernakel steht vielfach in irgendwelchen Seitenkapellen oder Krypten. Ja, man weiĂ gar oft nicht mehr, ob der HERR ĂŒberhaupt noch zugegen ist. Das alles kann nicht so bleiben.
Wenn uns wirklich der HERR im Sakrament begegnet, dann mĂŒssen wir ihm auch in seinem Haus einen zentralen Ehrenplatz geben. Der HERR gehört ins Zentrum und eben nicht die Priestersitze oder Schautafeln mit den Fotos der Erstkommunionkinder. Wir mĂŒssen endlich wieder von unserer Anthropozentrik zur Christozentrik zurĂŒckfinden.
Das eucharistische Sprachproblem
Sodann haben wir ein Sprachproblem â bis in die liturgischen BĂŒcher hinein! Da ist dann die Rede vom âheiligen Brotâ oder von der âgeweihten Hostieâ. Nein, so dĂŒrfen wir ĂŒber das Altarsakrament nicht reden. Die Sprache verrĂ€t uns, sagt alles ĂŒber unsere Gesinnung. Wenn wir nicht wieder anfangen, hier die Worte richtig zu setzen, dann wird der Glaube an den HERRN im Sakrament noch mehr schwinden. Nein, wir haben es hier mit dem wahren Leib des HERRN zu tun. Es ist die konsekrierte, verwandelte Hostie. Es ist das Brot des Lebens, Christus selbst, der sich zur Nahrung gibt.
Völlig unzureichende Kommunionkatechese
Schon zu meiner Kommunionvorbereitungszeit (1974!) waren die Materialien zur Kommunionvorbereitung derart verflacht, dass es ein Wunder ist, dass ich ĂŒberhaupt eine eucharistische Frömmigkeit entwickeln konnte. Schon damals war davon die Rede, dass wir zu einem Mahl eingeladen sind. Dieses sei allerdings ein besonderes, Ă€hnlich wie das Festmahl bei einer Hochzeit. Vom Opfercharakter der Messe war in keiner einzigen Stunde die Rede. Mahl, Mahl und wieder mal das Mahl!
HĂ€tte ich nicht meinen GroĂvater, der selber Religionslehrer und Katechet war, gehabt, hĂ€tte ich niemals etwas von der Wandlung und dem Opfer der Messe gehört. All dies ist heute noch viel schlimmer geworden. Vielfach unterweisen Katecheten unsere Kinder, die selber nicht mehr wissen, was es mit dem Sakrament auf sich hat. Wir brauchen eine neue Art der Katechese, die den Kindern wieder die Wahrheit vermittelt.
Mangelnde Vorbereitung durch fehlenden Beichtempfang
Was ist mit der Vorbereitung auf einen wĂŒrdigen Kommunionempfang? Wissen die Menschen ĂŒberhaupt noch, dass man im Stand der Gnade sein muss? Wissen die Katholiken noch, dass man vorher zur Beichte gehen muss, falls man eine TodsĂŒnde begangen hat? Ja, wo kann man denn bitte schön noch Samstagnachmittag in den Kirchengemeinden beichten? Fragen ĂŒber Fragen, die alles sagen. Hier mĂŒssen vor allem die Bischöfe ran und den Priestern einschĂ€rfen, dass der Kommunionempfang und das BuĂsakrament zusammenhĂ€ngen. Vor allem mĂŒssen die Priester wieder dafĂŒr sorgen, dass man ohne groĂe MĂŒhe den Beichtstuhl aufsuchen kann.
Das Anbetungsdefizit
Wie sollen wir den Menschen deutlich machen, dass wir in der Eucharistie das Allerheiligste unter uns haben, wenn wir nicht regelmĂ€Ăig in unseren Kirchengemeinden Stunden der Anbetung haben? Nur die Kirche, die vor ihrem eucharistischen HERRN auf den Knien liegt, die beim HERRN ist, kann wieder zu ihrer Mitte, zu Jesus Christus, finden. Statt vieler unnötiger Sitzungen unserer Gremien sollten wir lieber in unseren Kirchen anbeten. Und: Keine Gremiensitzung auf Leitungsebene sollte ohne eine kurze Gebetszeit in der Kirche vor dem Tabernakel beginnen. Nur aus dem Gebet heraus können wir wirklich die Kirche Jesu Christi sein.
Die âLaifizierungâ der Eucharistie
Als letzen Punkt möchte ich den Umstand der Laiifizierung ansprechen. Wir haben hier groĂe Fehler begangen und machen sie immer noch! Nach den einschlĂ€gigen liturgischen Normen dĂŒrfen Kommunionhelfer nur zum Einsatz kommen, wenn dies nötig ist. Erst recht darf es nicht sein, dass der Priester sich auf seinen Sitz zurĂŒckzieht und dann die Laien die Kommunion austeilen. Zudem muss dies alles in WĂŒrde geschehen.
Die RealitĂ€t sieht vielfach anders aus, insbesondere dann, wenn die Leute in Zivilkleidung zum Tabernakel gehen und das Ziborium zum Altar bringen. Auch dies ist ein visueller WĂŒrdeverlust. Wie sollen die Menschen glauben können, dass wir hier etwas grundlegend Anderes tun als bei einem profanen Mahl? So bestimmt nicht.
Man könnte sicher noch weitere Punkte nennen. Eines dĂŒrfte deutlich geworden sein: Wir leben in einer schlimmen eucharistischen Krise. Und diese Krise fĂŒhrt die Kirche in den IdentitĂ€tsverlust. Und dieser wiederum fĂŒhrt dazu, dass es letztlich egal ist, wer dieses âStĂŒck Brotâ empfĂ€ngt.
Wir mĂŒssen alles daran setzen, dass diese Krise ein Ende findet. Dies können wir vor allem durch das Gebet tun. Gerade in der Anbetung des HERRN im Sakrament können wir unsere Sorge um die Kirche vor den tragen, der ganz unter uns ist und sein will, bis an das Ende der Zeit.
Textquelle: Christliches Forum
Foto: Monstranz – Bildquelle: © Franziska Strecker, NIGHTFEVER Kassel









