Christus, die personifizierte Weisheit, zeigt uns den Weg

Gedanken zum Tagesgebet vom 2. Adventssonntag. Von Gero P. Weishaupt.
Erstellt von Gero P. Weishaupt am 4. Dezember 2021 um 11:42 Uhr
Adventskranz

Nach dem Sündenfall war der Mensch in seinem Elend nicht auf sich allein gestellt. Die Liebe des Vaters hat uns das göttliche Leben zurückgegeben, das wir durch die  Sünde verloren hatten.

Das Weihnachtsfest lässt die Erinnerung an dieses Geschenk wieder aufleben. Es ist nicht so sehr das Vergehen der Tage der vier Adventswochen, das uns ihm näher bringt, sondern die Läuterung des Herzens und „die Weisheit allein“ die „uns den rechten Weg zeigt“.  Sie ist nicht menschliches Kalkül, sondern die Weisheit, die vom Himmel stammt (sapientia caelestis), womit die personifizierte Weisheit gemeint ist, von der die alttestamentliche Weisheitsliteratur (Ijob 28;  Spr. 8; Sir. 24; Weih 6-8) spricht und mit der sie auf Christus vorausweist, die fleischgewordene Weisheit – Gottes Wort, das uns belehrt, die rechten Wege zu gehen (sapientiae caelestis eruditio).

Wenn dies nicht der Fall wäre, würde das Fest, auf das wir warten durch äußere Sorgen getrübt und durch „irdische Augaben“ (opera terreni actus) belastet werden. Weihnachten feiert und verherrlicht die Güter des Himmels und verpflichtet uns, sie zu suchen. Der Herr, der geboren wird, ist das große, unermessliche Gut, das von oben kommt, der Sohn, der uns vom himmlischen Vater geschenkt wird, damit wir „zur Gemeinschaft mit ihm“ geführt werden (nos faciat eius consortes).

Die Oration ist gegenüber der Collecta in der klassischen Liturgie neu formuliert. Beide verbindet der Gedanke der Vorbereitung auf das Kommen des Herrn, hier durch die purificata corda, die vor allem die von den Sünden „geläuterten Herzen“ meint, dort durch das Freisein von den opera terreni actus,  von den – wie die DBK es übersetzt hat – „irdischen Aufgaben und Sorgen“ (wörtlich „von den Werken irdischen  Treibens“).

In der Collecta des neuen Messordos kommt hingegen der Aspekt der für die Vorbereitung auf Weihnachten entscheidenden Vergebung der Sünden nicht zum Ausdruck. Zwar werden die Herzen der Menschen auch durch das Freisein von „irdischen Aufgaben und Sorgen“ (opera terreni actus) geläutert, doch die Wurzel allen Übels ist de Sünde. Sie ist es, die unsere Begegnung mit Christus (in tui occursum Filii festinantes) verhindert. Von ihr gilt es, sich vor Weihnachten befreien zu lassen durch Umkehr und Buße.

Tagesgebet (Collecta)

Deutsches Messbuch

Allmächtiger und barmherziger Gott, deine Weisheit allein zeigt uns den rechten Weg. Lass nicht zu, dass irdische Aufgaben und Sorgen uns hindern, deinem Sohn entgegenzugehen. Führe uns durch dein Wort und deine Gnade zur Gemeinschaft mit ihm, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit

Lateinischer Originaltext

Omnipotens et misericors Deus, in tui occursum Filii festinantes nulla opera terreni actus impediant, sed sapientiae caelestis eruditio nos faciat eius esse consortes. Qui tecum vivit.

Römisches Messbuch von 1962 (Übersetzung: Pater Martin Ramm FSSP)

Rüttle auf, o Herr, unsere Herzen. Deinem Eingebornen die Wege zu bereiten, damit wir durch seine Ankunft Dir mit geläutertem Herzen zu dienen vermögen, der mit Dir lebt.

Lateinischer Originaltext

Excita, Domine, corda nostra ad praeparandas Unigenti tui vias, ut per eius adventum purificatis tibi mentibus servire mereamur. Qui tecum vivit.

Foto: Adventskranz – Bildquelle: SolLuna/Wikipedia

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